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Freude und Frust bei der "Kollision der Künste"

Malen, filmen, performen: Junge Künstler waren zwei Wochen lang in Bischofswerda aktiv. Sie hinterließen einige Spuren - und wurden am Ende von der Stadt enttäuscht.

Anja Herzog (l.) und Helena Zubler gehören zu den Organisatoren der "Kollision der Künste" in Bischofswerda.
Anja Herzog (l.) und Helena Zubler gehören zu den Organisatoren der "Kollision der Künste" in Bischofswerda. © SZ/Richard Walde

Bischofswerda. Wer dieser Tage am Bischofswerdaer Kulturhaus vorbeikommt, sollte seinen Blick ganz schnell auf die andere Straßenseite lenken. Denn das "Tor zur Oberlausitz" - im vergangenen Jahr bei der "Kollision der Künste" teilweise übermalt - sieht man jetzt so, wie es bisher noch nie möglich war.

"Das Tor haben wir wieder hingemalt, und die Flächen dazwischen sind strahlend weiß", berichtet Anja Herzog, die auch in diesem Jahr ein zweiwöchiges Treffen zahlreicher Künstler organisiert hatte. Vor der Wand befindet sich eine Art Allee voller Kommentare, die 2020 über das soziale Netzwerk Facebook an die Künstler herangetragen wurden.

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Am 19. September 2021 können Besucher auch einen Blick in die Futtermeisterei im Zoo Dresden werfen.

"Ganz am Anfang sieht man das Negative, und je näher man an die Wand kommt, desto positiver werden die Kommentare", sagt Herzog. Das entstandene Kunstwerk trägt den Titel Blanko und soll eine Aufforderung an andere sein. "Die nächsten Menschen, die sich damit befassen möchten, haben alle Möglichkeiten und können sofort loslegen", sagt Herzog. Man gebe den Personen also eine Art Leinwand vor.

Ein Ergebnis der Veranstaltung "Kollision der Künste 2021": Das an eine Wand gemalte Tor zur Oberlausitz ist wieder da. Davor sind Kommentare zum Projekt zu lesen.
Ein Ergebnis der Veranstaltung "Kollision der Künste 2021": Das an eine Wand gemalte Tor zur Oberlausitz ist wieder da. Davor sind Kommentare zum Projekt zu lesen. © SZ/Richard Walde

Doch die Bemalung einer Wand ist bei Weitem nicht alles, was in den vergangenen zwei Wochen bei der "Kollision der Künste" - kurz KoDeKü - in Bischofswerda passiert ist. Neben zahlreichen Live-Aufführungen auf dem Gelände des Eastclubs, das in diesem Jahr der zentrale Punkt der Veranstaltung war, ging es auch in der Stadt rund.

"Eine Künstlerin ist als Hase verkleidet durch Bischofswerda gelaufen, ein anderer Künstler hat die zufälligen Begegnungen gefilmt und daraus ein Video produziert", erzählt die Berlinerin Linda Scholz, die schon im vergangenen Jahr Teil der KoDeKü war und sich in diesem Jahr auch an der Organisation beteiligt hat.

Eine andere Aktion fand in einem Geschäft an der Kirchstraße statt. Dort gab es den sogenannten Spielraum, wo zwei Künstler unter anderem dafür gesorgt haben, dass vorbeikommenden Menschen ihren eigenen Trickfilm produzieren konnten. Das wurde nicht nur von Passanten wahrgenommen.

"Mehrere Horte, auch aus Burkau, waren extra dafür da", erzählt Herzog. "Auch nebenher ist sehr viel Soziales passiert, wo die Stadtgesellschaft auf die Gäste getroffen ist und ein florierendes Netzwerk entstanden ist", fügt sie an. Denn man habe ein Miteinander zwischen Menschen forciert, die sich sonst wohl nie kennengelernt hätten.

Konzerte mussten nach drinnen verlegt werden

Doch es gibt auch einen Punkt, der nicht so aufgegangen ist, wie ihn sich die Veranstalter vorgestellt hatten: Am finalen Wochenende waren auf dem Gelände des Eastclubs mehrere Konzerte auf einer Außenbühne geplant, die weit länger als 22 Uhr gehen sollten. Doch wurde der Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung, die das ermöglicht hätte, von der Stadtverwaltung abgelehnt.

Das sorgte unter anderem bei Heiko Düring, CDU-Stadtrat und Betreiber des Eastclubs, für Ärger. Er stellte den Oberbürgermeister Holm Große (Freie Wähler) am Montag in einer Sitzung zur Rede. Dieser sagte, er sei sich keiner Schuld bewusst, denn der Antrag sei diskutiert und vom Ältestenrat, in dem alle Fraktionen der Stadtrats vertreten sind, mehrheitlich abgelehnt worden. Außerdem hätte er ohnehin früher eingereicht werden müssen, was aufgrund der Corona-Situation laut Aussagen der Organisatoren aber nicht möglich gewesen sei.

Somit musste die lautstarke Beschallung spontan nach drinnen verlegt werden. "Es wäre draußen schöner gewesen und im Rahmen der Corona-Thematik auch sinnvoller", bedauert Herzog. Doch seien die Künstler ohnehin stetig auf Corona getestet worden, womit die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich gehalten wurde.

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