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So übt die Feuerwehr das Aufräumen nach dem Sturm

Das Sägen von umgestürzten Bäumen ist gefährlich. Im Kreis Bautzen trainieren Feuerwehrleute deshalb jetzt an einem besonderen Gerät.

Mit einem Baumbiegesimulator können Feuerwehrleute das Sägen von umgeknickten Bäumen üben. Ausbilder Mathias Mitzscherling macht es vor.
Mit einem Baumbiegesimulator können Feuerwehrleute das Sägen von umgeknickten Bäumen üben. Ausbilder Mathias Mitzscherling macht es vor. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Wenn eine Person von einem Baum begraben wird und darunter feststeckt, zählt für die Feuerwehr jede Sekunde. Allerdings konnten die Kameraden im Landkreis Bautzen den Ernstfall bisher nur schlecht trainieren. Das ist jetzt anders: Der Kreisfeuerwehrverband hat mit Unterstützung des Landratsamts einen sogenannten Baumbiegesimulator angeschafft. Mit diesem Gerät kann einfach und ungefährlich ausprobiert werden, wie sich Bäume unter Druck verhalten.

"Für das Sägen unter Spannung gibt es verschiedene Techniken, je nachdem, wie der Baum gefallen ist und welche Hindernisse es gibt", erklärt Mathias Mitzscherling, der im Landkreis Bautzen Motorsägenführer ausbildet. Er ist eine von drei Personen, die bereits im Umgang mit dem Baumbiegesimulator geübt sind und ihr Wissen nun an die Feuerwehrleute weitergeben.

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"Man hat rechts und links die Auflageflächen. In der Mitte haben wir den Zylinder, der den Stamm in alle Richtung in Spannung bringen kann. Je nachdem wie stark man pumpt", erklärt Mitzscherling die Funktionsweise. Dass das Gerät zu Übungszwecken dringend notwendig ist, hat einen Grund: "Die Feuerwehren werden immer häufiger zu Einsätzen mit umgeknickten Bäumen gerufen, aber in der Ausbildung hat man das nie wirklich umfangreich üben können", sagt er.

Selbst schmale Äste können tödlich sein

Unwetter, Stürme und auch der Borkenkäfer sorgen dafür, dass Bäume immer häufiger entwurzelt und in der Regel von der Feuerwehr beseitigt werden müssen. Wie gefährlich solche Aufräumarbeiten sein können, weiß der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes, Gert Schöbel. "Nach dem Orkan Lothar im Jahr 1999 haben deutsche Forstarbeiter in Frankreich mitgeholfen, umgefallene Bäume zu beseitigen. Dabei gab es unter den Deutschen mehrere Todesfälle", sagt er.

Denn, wenn man ungeübt ist und das Verhalten der möglicherweise unter Spannung stehenden Bäume nicht richtig einschätzen kann, kommt es schnell zu Unfällen. "Schon, wenn nur ein Ast ein bisschen hängt und ich den falsch anschneide, reißt der komplett auf oder schlägt die Motorsäge zurück. Im schlimmsten Fall direkt in den Kopf rein, das haben wir alles schon erlebt", sagt René Burk, Leiter des Ordnungsamtes im Kreis Bautzen.

Ein ganz anderes Problem gibt es, wenn man die Säge an der falschen Seite ansetzt. "Wenn man in die Druckseite sägt, sieht man, dass selbst bei einem relativ dünnen Stamm die Kettensäge stecken bleibt. Durch die Spannung drückt es da den Baum zusammen und man müsste sich im Ernstfall überlegen, wie man die Säge wieder rausbekommt", sagt Mitzscherling. Solche Situationen können aber verhindert werden, wenn man die die Menschen darauf vorbereitet, die bei der Feuerwehr eine Motorsäge bedienen dürfen.

Verbesserte Ausbildung

Und genau das ist auch der Plan für die kommenden Monate. "Am Anfang wird es so sein, dass wir das Gerät für 14 Tage an einen Standort stellen", berichtet Martin Meier, der das Referat Ausbildung im Kreisfeuerwehrverband leitet. In etwa drei Wochen sollen in Oberkaina bei Bautzen die ersten Schulungen stattfinden.

Dabei wird immer einer der drei Ausbilder vor Ort sein, um zu unterstützen. Finanziert werden sollen diese Übungsstunden durch die Gemeinden, die sollen einen "kostendeckenden Beitrag leisten". Insgesamt sechs Stationen im Landkreis sind geplant, an denen das Gerät an bestimmten Tagen bereitstehen wird.

Thomas Bergander vom Kreis-Ordnungsamt ist für die mobile Brandmeldeanlage verantwortlich, die für die Ausbildung der freiwilligen Feuerwehren gedacht ist.
Thomas Bergander vom Kreis-Ordnungsamt ist für die mobile Brandmeldeanlage verantwortlich, die für die Ausbildung der freiwilligen Feuerwehren gedacht ist. © SZ/Uwe Soeder

Handliche Brandmeldeanlage

Ein zweites neues Hilfsmittel, mit denen Feuerwehren üben können, ist eine aus zwei Koffern bestehende und transportable Brandmeldeanlage. Solche Anlagen gibt es unter anderem in Krankenhäusern, großen Industrieobjekten oder Einkaufszentren. Mit der Zeit kommen immer mehr Brandmeldeanlagen hinzu, aber die Feuerwehren sind im Umgang damit noch nicht geübt. Das kann zu Berührungsängsten führen, die im Ernstfall unnötig Zeit kosten, wie man vonseiten des Kreisfeuerwehrverbandes betont.

Da Brandmeldeanlagen in Deutschland standardisiert, also überall gleich aufgebaut sind, kann das beim Üben mit der Testanlage erlernte Wissen sowohl im Krankenhaus Bischofswerda als auch im Bautzener Kornmarkt-Center angewendet werden. Laut Kreisbrandmeister Stefan Hentschke gebe es jährlich im Kreis 400 Auslösungen solcher Anlagen, auf die man sich so nun besser vorbereiten kann.

Weitere Informationen zum Baumbiegesimulator erhalten Gemeinden und Feuerwehren beim Kreisfeuerwehrverband. Die Brandmeldeanlage kann über den Landkreis im Feuerwehrtechnischen Zentrum Bischofswerda ausgeliehen werden.

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