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Was bringt ein FSJ in Corona-Zeiten?

Seit 15 Jahren vermittelt das Netzwerk Bischofswerda Freiwillige an soziale Einrichtungen. Zwei von ihnen berichten, warum das gerade jetzt spannend ist.

Adelina Kutschke und Klemens Walter absolvieren über das Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit in Bischofswerda ein Freiwilliges Soziales Jahr.
Adelina Kutschke und Klemens Walter absolvieren über das Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit in Bischofswerda ein Freiwilliges Soziales Jahr. © Steffen Unger

Bischofswerda. Maske tragen, Abstand halten, Desinfizieren und Lüften - darauf muss Adelina Kutschke jeden Tag achten. Die 20-Jährige absolviert aktuell ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Sozialtherapeutischen Wohnstätte in Kamenz. Doch statt wegen der zahlreichen Maßnahmen Frust zu schieben, ist die Abiturientin froh, sich für ein FSJ entschieden zu haben.

"Ich finde es ganz schön, das während der Corona-Pandemie zu machen, weil meine ganzen anderen Freunde studieren und erzählen davon, dass sie nur vorm Computer sitzen. Ich kann dagegen arbeiten gehen, etwas Sinnvolles machen und jeden Tag in Kontakt mit Menschen kommen", sagt sie im Gespräch mit Sächsische.de.

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Auch Klemens Walter hat sich für das freiwillige Engagement entschieden, allerdings an anderer Stelle. Er arbeitet in der Grundschule Großnaundorf und kümmert sich um die Bereiche Kinderbetreuung und Unterrichtsunterstützung.

Auch dort spürt er täglich die Folge von Corona: "Ich finde es sehr schwierig, denn man lebt in einer gewissen Sorge, dass jeden Tag eine neue Beschränkung kommen kann oder die Ansage, dass man wieder für zwei Wochen zumachen muss. Dann kommt wieder Notbetreuung und alles muss umgeplant werden", sagt er.

Neuanfang nach abgebrochenem Studium

Bei Adelina Kutschke sind Schließungen dagegen ausgeschlossen, denn sie unterstützt bei ihrer Arbeit psychisch kranke Menschen bei der Alltagsbewältigung. "Ich denke, man kann es die aktuelle Situation einfach nicht ändern und muss sie so hinnehmen, wie sie ist", sagt sie. Denn mit Coronatests und strikten Hygienerichtlinien sei sie bisher gut durch die Pandemie gekommen. "Bei uns gab es noch fast gar keine Coronaprobleme, worüber man sehr stolz sein kann", sagt Kutschke.

Für ein Freiwilliges Soziales Jahr haben sich beide aus unterschiedlichen Gründen entschieden. Klemens Walter wollte sich nach einem abgebrochenen Studium neu orientieren. Adelina Kutschke wollte eigentlich Medizin studieren, bekam aber erstmal keinen Studienplatz.

Vielfältige Erfahrungen sammeln

Organisiert wird der Ablauf des Freiwilligen Sozialen Jahrs bei beiden durch das Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit in Bischofswerda. Über den Verein haben in 15 Jahren bisher 1.500 Personen einen Freiwilligendienst absolviert. "Es ist für uns nach wie vor faszinierend, Freiwillige ein Jahr lang zu begleiten und zu sehen, wie sie sich in dieser Zeit weiter entwickeln" erzählt Birgit Pietrobelli vom Netzwerk.

"Nach der Bewerbung bekommt man ein Kontaktformular zum Ausfüllen und schickt das ans Netzwerk. Dann wird man zu einem persönlichen Gespräch eingeladen und entscheidet danach, in welchem Bereich man gehen will und es werden eine oder mehrere Stellen herausgesucht. Dort kann man dann Probenarbeiten, bevor alles vertraglich festgelegt wird", berichtet Kutschke über den Ablauf des Bewerbungsverfahrens.

Doch selbst wenn sich das Arbeitsfeld als unpassend herausstellt, gibt es immer ein Zurück. "Wenn es ganz schlecht läuft, könnte man auch die Einsatzstelle wechseln", erzählt Walter. Bei ihm, aber auch bei Adelina Kutschke, kam das aber zu keinem Zeitpunkt infrage.

Den passenden Beruf finden

"Das FSJ zu beginnen, war für mich die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können, auf dem Weg zu meiner Berufswahl. Ich habe dadurch das gefunden, was ich später machen möchte", betont Walter. Denn er wird nach Ablauf des Jahres ab Herbst mit einem dualen Studium beginnen - soziale Arbeit im Fachbereich Elementarpädagogik. "Das konnte ich mir vorher nicht vorstellen und habe es durch das FSJ erst wirklich kennengelernt", sagt er.

Bei Adelina Kutschke hat sich an der Zukunftsplanung nichts verändert. "Ich möchte immer noch gerne Medizin studieren und probiere es nochmal. Das in Kontakt kommen mit den Ärzten und Bewohnern im Rahmen des FSJ hat den Wunsch gefestigt", sagt sie.

Auch der Kontakt mit anderen FSJlern bestehe trotz Kontaktbeschränkungen. "Wir haben Online-Seminare, die alle über Video ablaufen", sagt Walter. Auch eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe erleichtere die Zeit enorm, denn dort können Fragen untereinander geklärt werden.

Für Jugendliche, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, hat Walter auch deshalb einen Rat. "Ich würde vielen jungen Leuten raten ein FSJ zu machen, weil ich aus persönlicher Erfahrung einfach sagen kann, dass es einen weiterbringt. So bekommt man die Möglichkeit etwas zu finden, was einem Spaß machen kann. Auch die Erkenntnis, dass etwas nicht als Beruf passt, ist viel wert", sagt er. Im Übrigen läuft das Bewerbungsverfahren für den nächsten Jahrgang, der im August oder September startet, bereits.

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