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Fahrrad-Markt boomt auch im Landkreis Bautzen

Wie schon im ersten Corona-Jahr ist die Nachfrage nach Rädern auch 2021 riesig. Doch in die Freude über guten Umsatz mischt sich bei Händlern eine Sorge.

Andreas Elger und Petra Waury arbeiten seit elf Jahren in der Neukircher Filiale von Little John Bikes. Die aktuell guten Verkaufszahlen haben auch Schattenseiten, sagen sie.
Andreas Elger und Petra Waury arbeiten seit elf Jahren in der Neukircher Filiale von Little John Bikes. Die aktuell guten Verkaufszahlen haben auch Schattenseiten, sagen sie. © Steffen Unger

Neukirch/Lausitz. Hinter Petra Waury und ihrem Kollegen Andreas Elger liegt eine anstrengende Zeit. "In den letzten Wochen war der Andrang an Kunden sehr groß", erzählt die Filialleiterin von Little John Bikes in Neukirch im Gespräch mit Sächsische.de. Deutlich mehr Fahrräder als normal seien verkauft worden. Das berichten auch andere Fahrradhändler im Landkreis Bautzen. Sind sie nun die Gewinner der Corona-Krise?

"Da Beratung und Verkauf nicht wie üblich persönlich und unkompliziert umgesetzt werden konnten, mussten zentrale Prozesse komplett umgestellt werden und das unter enormem Druck", erklärt Wasilis von Rauch vom Bundesverband Zukunft Fahrrad. Doch das ist laut Aussage vieler Händler nicht das größte Problem. Vielmehr fehle es einfach an Nachschub, um der gigantischen Nachfrage gerecht zu werden.

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Hitbikes in Schirgiswalde: Lieferungen erst Ende 2022

"Weltweit hat die Branche im letzten Jahr 35 Prozent mehr Fahrräder verkauft", erzählt Tobias Hildebrand von Hitbikes aus Schirgiswalde. Durch dieses unerwartete Wachstum sei ein Loch entstanden, das so schnell nicht zu schließen sei. Neue Fahrräder kämen deshalb nur langsam nach. Wer also ein passendes Rad im Geschäft sieht, sollte sofort zugreifen. Denn keiner könne versprechen, dass es in einigen Tagen noch immer da sei.

Tobias Hildebrand leitet sein Fahrradgeschäft in Schirgiswalde seit 23 Jahren.
Tobias Hildebrand leitet sein Fahrradgeschäft in Schirgiswalde seit 23 Jahren. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bevor Nachschub kommt, werde noch einige Zeit vergehen. "Wir waren in diesem Jahr sehr zeitig beim Bestellen für 2022, weil wir durch unsere Größe schon im Februar ordern durften. Doch bei einigen Herstellern liegt das Lieferdatum in der 47. Kalenderwoche des nächsten Jahres – also Ende November", sagt Hildebrand.

Nicht nur wer ein neues Fahrrad kaufen möchte, brauche Geduld. Auch einfache Ersatzteile kämen nur langsam nach. "Ich habe im letzten Juni insgesamt 70 Ritzel-Pakete bei Shimano bestellt und habe jetzt im April 20 bekommen, aber vorher kam nichts", erklärt Hildebrand. Durch seine jahrelange Erfahrung sei sein Lager aber so gut gefüllt, dass er Reparaturen weiterhin durchführen kann. Wie es in einigen Monaten oder im nächsten Jahr aussieht, weiß Hildebrand aber nicht.

Axel Koller betreibt auf der Bischofswerdaer Kirchstraße sein Geschäft.
Axel Koller betreibt auf der Bischofswerdaer Kirchstraße sein Geschäft. © Archivfoto: Steffen Unger

Probleme mit Ersatzteilen gab es auch bei Axel Koller, der sein kleines Fahrradgeschäft in Bischofswerda betreibt. Doch er hatte im letzten Jahr eine Lösung parat, um noch an Nachschub zu kommen. "Wir haben mal bei Großhändlern im europäischen Ausland geschaut, wo wir bestellen konnten. Das war eine der letzten Möglichkeiten, um an Waren zu kommen, während hierzulande schon lange alles ausverkauft war", berichtet Koller. Auch neue Fahrräder seien bereits auf dem Weg zu ihm, während im Geschäft schon Vieles ausverkauft ist.

Räderei in Bautzen: Lange Liste voller Anfragen

Größere Probleme hatten Robert Heinze und Max Noack von der Räderei in Bautzen. Sie haben ihr Geschäft erst in diesem Jahr und damit mitten in der Corona-Pandemie eröffnet - konnten also kein Lager über Jahre hinweg aufbauen. Aber sie hatten einen Plan. "Wir haben schon Teile bestellt, bevor wir den Laden überhaupt aufgemacht haben. Deswegen ist unser Teilelager relativ voll. Was allerdings in dieser Saison noch nachkommt, ist unklar", erklärt Noack.

Viele Teile hätten sie gleich nach ihrer Eröffnung gebraucht. "Am Anfang hatten wir hier schnell die Werkstatt so voll, dass wir bis in die Nacht hinein geschraubt haben. Wir sind nur kurz nach Hause gegangen und haben mit unseren Frauen Abendbrot gegessen, um danach nochmal herzukommen und bis 23 Uhr zu schrauben", erzählt Heinze.

Robert Heinze und Max Noack haben in Bautzen in diesem Jahr ein neues Fahrradgeschäft mit Werkstatt eröffnet.
Robert Heinze und Max Noack haben in Bautzen in diesem Jahr ein neues Fahrradgeschäft mit Werkstatt eröffnet. © Archivfoto: Uwe Soeder

Auch einige neue Fahrräder seien schon eingetroffen. Viele würden aber noch fehlen, obwohl die Nachfrage sehr groß sei. "Wir haben eine Liste erstellt mit Rädern, die noch kommen und für die Leute Interesse haben. Da rufen wir sie an, sobald das Rad da ist, und sie schauen es sich an. Die Liste ist rappelvoll. Da merkt man, in welchem Umfang die Leute aktuell nach Fahrrädern suchen", sagt Robert Heinze.

Little John Bikes in Neukirch: Mitarbeiter in Kurzarbeit

Während Robert Heinze und Max Noack ihren Laden zu zweit betreiben, sieht es bei Little John Bikes anders aus. Die Neukircher Filiale ist nur einer von 41 Standorten des Unternehmens. In dieser Größe müsse man auf die andauernden Schließungen ganz anders reagieren, sagt Geschäftsführer Robert Peschke. "Wir hatten zwar 2020 ein gutes Jahr, aber unsere Mitarbeiter sind derzeit in Kurzarbeit, denn die Filialen sind gerade jetzt in der absatzstärksten Zeit im Lockdown."

Trotzdem sei die Nachfrage weiterhin viel größer als das Angebot. "Wenn man als Unternehmer etwas weiterdenkt, kann man das Wort Gewinner nicht in den Mund nehmen", sagt Peschke. Denn aufgrund des aktuellen Booms werde wahrscheinlich danach eine sehr ruhige Zeit folgen. Und eins sei jetzt auch schon klar: Da die größtenteils in Asien stattfindende Produktion nicht hinterherkomme, werden die Preise für Fahrräder in die Höhe gehen.

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