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Wie Roboter im Pflegeheim für Abwechslung sorgen

Virtuelle Reisen, interaktive Kuscheltiere, sprechende Roboter - ein Bischofswerdaer Seniorenhaus testet den Einsatz moderner Technik. Vor allem ein Gerät kommt gut an.

Während der Roboter Nao tanzt, streichelt eine Frau das Kuscheltier Paro, das auf Berührungen reagiert. Im Pflegeheim "Am Belmsdorfer Berg" in Bischofswerda wurde jetzt moderne Technik getestet.
Während der Roboter Nao tanzt, streichelt eine Frau das Kuscheltier Paro, das auf Berührungen reagiert. Im Pflegeheim "Am Belmsdorfer Berg" in Bischofswerda wurde jetzt moderne Technik getestet. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Ein 50 Zentimeter großer Roboter, der zum Hit Macarena tanzt, eine kuschlige Robbe, die mit den Augen zwinkert, und eine Virtual-Reality-Brille, die einen gedanklich in die Savanne oder ans Meer schickt - diese und noch mehr technische Geräte waren in dieser Woche bei den Bewohnern des Seniorenwohnhauses "Am Belmsdorfer Berg" in Bischofswerda im Einsatz.

Forscher der Universität Halle-Wittenberg haben die Einrichtung für ein wissenschaftliches Projekt ausgewählt, in dem es um die digitale Zukunft der Pflege geht. "Wir haben einen Bedarf bei Pflegern festgestellt, den Umgang mit sogenannten Assistenztechnologien zu erlernen", erzählt Sebastian Hofstetter vom Projekt "Format Continuum".

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Laut ihm stimme es nicht, dass viele Menschen kein Interesse haben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vielmehr fehle das Wissen, wie man moderne Technik dafür nutzen kann, Pflegebedürftigen den Alltag zu verschönern. "In der zweiten Projektphase, die gerade läuft, wollen wir den Nachweis erbringen, ob das alles etwas bringt oder nicht", fügt er an. Dafür hat man das Schiebocker Pflegeheim für drei Tage mit sechs verschiedenen Geräten ausgestattet.

Zoobesuch vom Pflegebett aus

Besonders begeistert ist Sascha Bock, Geschäftsführer des Seniorenwohnhauses, von der Brille, die er auch selbst ausprobiert hat. "Man taucht in eine andere Welt ein", erzählt er. Denn sobald man das Gerät auf dem Kopf sitzen hat, blickt man auf einen Bildschirm, auf dem eine realistische Umgebung gezeigt wird - beispielsweise ein Wald oder Zoo. Sobald man sich bewegt, bewegt sich auch die abgebildete Umgebung mit, und man kann die Realität hinter sich lassen.

"Eine Bewohnerin hat gesagt, dass sie ja gar nicht mehr in den Tierpark gehen muss, wenn jetzt die Tiere hierher kommen", sagt Bock. Deshalb überlege man nun, selbst ein paar solcher Virtual-Reality-Brillen zu kaufen. "Wir wollen schauen, wie die Resonanz nach ein paar Wochen aussieht", sagt er. Denn bei etwas Neuem seien Menschen schnell begeistert, wie es allerdings nach einer Eingewöhnungsphase aussieht, müsse man sehen.

Alltaggestalterin Doreen Schmieder lässt einen Heimbewohner eine Virtual-Reality-Brille testen.
Alltaggestalterin Doreen Schmieder lässt einen Heimbewohner eine Virtual-Reality-Brille testen. © SZ/Uwe Soeder

Dabei sind die möglichen Anwendungsbereiche völlig unterschiedlich, beispielsweise kann eine solche Apparatur auch als Einschlafhilfe genutzt werden, was ein Krankenhaus in Halle gerade mache. "Dort werden die Brillen auf der Palliativstation vor allem nachts benutzt, wenn Bewohner nicht schlafen können. Dabei wird beispielsweise eine Bodensee-Rundfahrt gemacht wird, und die Menschen schlafen ein oder haben am nächsten Tag eine bessere Stimmung, weil sie etwas zu erzählen haben", berichtet Hofstetter.

Aber auch Konzerte oder Stadtführungen, die mit einer speziellen 360-Grad-Kamera gefilmt werden, können so wieder angesehen und mitgemacht werden, als stände man gerade vor einer Bühne oder auf dem Marktplatz. "Es gibt einen Bewohner, der großer Rammstein-Fan ist und der ein Konzert über die Brille miterleben durfte", erzählt Dominik Behr, der ebenfalls am Projekt beteiligt ist.

Kuscheltier reagiert auf Streicheleinheiten

"Die Stadtspaziergänge finde ich sehr interessant und ich hoffe, dass viele Städte nachziehen werden", fügt Bock an. Auch für Bischofswerda oder Bautzen könnte er sich sowas vorstellen.

Gut ist auch Paro bei den Bewohnern angekommen, eine Robbe, die auf den ersten Blick aussieht wie ein ganz normales Kuscheltier. Doch sie reagiert auf Streicheleinheiten. "Eine Frau, die meist sehr unruhig ist, war plötzlich ruhig und hat sich um die Robbe gekümmert", erzählt Heimleiter André Neumann. Das ist auch genauso gedacht. "Die Robbe fordert sich die Zuwendung einfach ein", betont Hofstetter.

Ergotherapeutin Carola Gnauck erklärt Heimbewohnern die Bedienung von Roboter Thea.
Ergotherapeutin Carola Gnauck erklärt Heimbewohnern die Bedienung von Roboter Thea. © SZ/Uwe Soeder

Nicht ganz so angekommen seien zwei Roboter, die von den Forschern ebenfalls nach Bischofswerda gebracht wurden. "Dort lässt das Interesse nach einer gewissen Zeit einfach nach", erzählt Neumann. Denn während die Robbe beispielsweise ständig mit den Menschen interagiert, muss auf die Roboter immer direkt eingeredet werden, um eine Reaktion zu erhalten.

Außerdem seien die Bewohner bereits im Umgang mit einem Roboter vertraut, denn bereits vor anderthalb Jahren kaufte sich das Pflegeheim mit Pepper einen Assistenten, der unter anderem die Wettervorhersage oder Fußballergebnisse vortragen kann.

Trotzdem ist das allgemeine Feedback äußerst positiv. "Das ist schon etwas Feines", sagt ein Bewohner, der aber trotzdem etwas zu bemängeln hat. "Wir haben ja überhaupt keine Ahnung von der Bedienung, das muss uns erstmal beigebracht werden", sagt er. Das sei in nur drei Tagen nicht möglich. "Da gehört eine kleine Wissenschaft dazu, wenn man so etwas in die Hand bekommt", sagt er.

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Wenn das gewährleistet wäre, könnten die Bewohner laut ihm aber sehr davon profitieren. "Ein bisschen Spaß muss sein, und das hat es mir gemacht", fügt eine 90-Jährige an, die sich ebenfalls wünscht, in Zukunft wieder einmal so etwas nutzen zu können.

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