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Bischofswerdas Händler bitten: Kauft lokal!

2G-Regel und kein verkaufsoffener Sonntag: Die aktuelle Lage macht den Händlern in der Stadt zu schaffen. Was sie trotzdem tun, um Kunden anzulocken.

Von Lucy Krille
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Goldschmied Axel Bauer blickt nachdenklich in die Bischofswerdaer Innenstadt, in der Kunden derzeit rar sind. Er hofft, dass einige zum langen Einkaufstag am Sonnabend in die Läden kommen.
Goldschmied Axel Bauer blickt nachdenklich in die Bischofswerdaer Innenstadt, in der Kunden derzeit rar sind. Er hofft, dass einige zum langen Einkaufstag am Sonnabend in die Läden kommen. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Goldschmied Axel Bauer blickt von seinem Geschäft direkt auf den Altmarkt in Bischofswerda. Dieser ist in den letzten Wochen ziemlich leer. Festliche Stimmung mag bei den Händlern in der Stadt nicht so recht aufkommen. Ihnen fehlen die Kunden. „Eigentlich hätte am zweiten Adventswochenende der Weihnachtsmarkt stattgefunden. Das hatte immer viele Kunden in die Läden gebracht“, blickt Axel Bauer zurück auf frühere Jahre.

Ersatz für den verkaufsoffenen Sonntag

Aber auch dieses Jahr konnte der Weihnachtsmarkt wegen der Corona-Regeln nicht stattfinden. Damit verbunden fiel auch der verkaufsoffene Sonntag aus, der an den Weihnachtsmarkt als Veranstaltung geknüpft war. „Der Grund für die Genehmigung der Stadt zur Öffnung der Läden fiel nun weg“, erklärt Bauer.

Doch der Goldschmied, der auch Vorsitzender der Werbegemeinschaft Bischofswerda ist, wollte nicht tatenlos zusehen, wie das Weihnachtsgeschäft der Innenstadthändler leidet und organisierte zusammen mit der Stadt einen Ersatz für den verkaufsoffenen Sonntag.

Am Sonnabend vorm vierten Advent sollen die Läden nun auch nachmittags offen bleiben. An einigen Geschäften am Altmarkt und in den umliegenden Straßen hängen bereits gelbe Zettel mit der Info: „Wir öffnen am 18.12. bis 17 Uhr.“ Normalerweise haben die Geschäfte sonnabends nur bis Mittag geöffnet.

Parfümerie: Wegen 2G läuft das Geschäft verhalten

Viele Händler verbinden mit dem Angebot zum längeren Einkaufen am Sonnabend nun die Hoffnung, etwas mehr Umsatz zu machen. Ihnen macht nicht nur das fehlende Geschäft vom zweiten Adventswochenende zu schaffen. Seit Mitte November dürfen die Läden nur noch Kunden mit einem Impf- oder Genesenen-Nachweis ins Geschäft lassen. Eine Einschränkung, die vielen die Lust am Shoppen nimmt, beobachtet Axel Bauer. Seitdem fehle die Laufkundschaft, und das sei das größte Problem.

In der benachbarten Parfümerie Tina beobachten die Verkäuferinnen Henrike Ritscher und Katrin Schurz, dass sich die Kunden nicht hereintrauen. „Seit der 2G-Regelung läuft das Geschäft sehr verhalten“, berichtet Ritscher. Nun hoffen die Verkäuferinnen, dass sich die verlängerte Öffnungszeit am Sonnabend lohnt und einige Kunden den Weg in ihr Geschäft finden. Immerhin würden viele mittlerweile von allein ihren Nachweis zeigen und sich auch an die Abstandsregeln halten. „Sie haben viel Verständnis“, sagt Katrin Schurz.

Das beobachtet auch Volker Wodner vom gleichnamigen Uhren- und Schmuckladen auf der Kirchstraße. Für die kleineren Läden sei die Kontrolle von Nachweisen allerdings schwerer durchzuführen als in größeren Filialen. „Wir arbeiten schließlich nur zu zweit im Betrieb, einer ist in der Werkstatt“, beschreibt Wodner. Er hofft nun, dass der lange Sonnabend dem Einzelhandel hilft und die Kunden nicht nach Dresden fahren oder online einkaufen. Dass dies zugenommen hat, beobachtet er selbst immer wieder, wenn der Bote Pakete für Nachbarn abgibt.

Uhrenhändler klagt über 60 Prozent weniger Umsatz

Normalerweise sei das Weihnachtsgeschäft in der letzten Woche vor dem Fest immer so richtig ins Rollen gekommen, erzählt Wodner. „Wenn manche von Montage heimkamen und schon ein paar Tage vor Weihnachten freihatten zum Beispiel.“ Doch dieses und auch schon letztes Jahr sei alles anders.

In den Corona-Jahren habe er 50 bis 60 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnet. Andere Geschäfte nennen noch höhere Zahlen. Die Kundschaft fehlt, die Weihnachtsware ist trotzdem da. „Bei der Bestellung im Frühherbst war ja von neuen Einschränkungen noch keine Rede.“ Zwar gebe es keinen vollständigen Lockdown, die Umsatzeinbußen seien allerdings trotzdem gravierend.

„Anders als im letzten Jahr gibt es jetzt aber keine Hilfen“, beklagt Wodner. Auf seiner Straße hängt zwischen den Häusern ein Banner: „Schiebocker, kauft lokal!“ Fast flehentlich bittet die Stadt die Bürger damit, den örtlichen Einzelhandel zu unterstützen. Bischofswerdas Oberbürgermeister weist auf Facebook darauf hin, dass die lokalen Händler schließlich Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen.

Mode-Händlerin: "Die Hoffnung stirbt zuletzt"

An manchen Läden steht auf Zetteln, dass die Kunden zur Abholung an die Ladentür kommen können. Für die Einzelhändler sei schließlich jeder Kunde wichtig, gerade in dieser Zeit. In der Buchhandlung am Altmarkt hängt allerdings auch ein Hinweis, der ankündigt, dass der Laden am Sonnabend nicht länger öffnen wird. Nach langem Überlegen hat sich Inhaberin Mandy Heinrich entschlossen, ihr Geschäft wie gehabt um 12 Uhr zu schließen. „Das ist auch eine Personalfrage, und ob an dem Nachmittag so viele kommen…Ich weiß nicht“, gibt Heinrich zu bedenken.

Annemarie Gierth vom Modegeschäft auf der Bahnhofstraße will es dagegen versuchen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt sie. Doch auch Gierth hat mit weniger Umsatz zu kämpfen. Das habe auch viel mit ausgefallenen Weihnachtsfeiern, Silvesterreisen oder anderen Anlässen, zu denen man sich normalerweise schick kleidet, zu tun. „Die Leute sind im Laden und finden ein Kleidungsstück schön, aber dann wissen sie nicht, wann sie es überhaupt anziehen sollen“, beschreibt Gierth das Problem.

Sie könne die Leute verstehen, schließlich gehe es ihr ähnlich. Dennoch versuche sie, irgendwie positiv zu denken. Gerade hat sie eine Bestellung fertiggemacht und zeigt auf ein liebevoll eingepacktes Weihnachtspaket für einen Kunden.