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Das bietet Neukirchs neuer Unverpackt-Laden

Im Kruemelladen gibt es ab Mittwoch jede Menge Produkte ohne Verpackungen. Warum die Inhaber auf diesen Trend setzen und was die Kunden erwartet.

Antje Dietrich und Sohn Julius Wurm eröffnen am 1. September in Neukirch einen Unverpackt-Laden.
Antje Dietrich und Sohn Julius Wurm eröffnen am 1. September in Neukirch einen Unverpackt-Laden. © SZ/Richard Walde

Neukirch/Lausitz. Mehrere Monate Planung, unzählige Gespräche und viele Bestellungen - jetzt sind Antje Dietrich und ihr Sohn Julius Wurm aus Neukirch bereit, ihren Unverpackt-Laden an der Dresdener Straße gegenüber der alten Eisengießerei zu eröffnen. Am 1. September ist es so weit. "Je näher der Tag rückt, desto mehr steigt die Aufregung, doch wir wollen jetzt endlich loslegen", erzählt Julius Wurm im Gespräch mit Sächsische.de.

Damit wird für das Mutter-Sohn-Gespann der Traum von der Selbstständigkeit wahr, worauf die Beiden lange hingearbeitet haben. Und warum wollen sie im beschaulichen Neukirch ausgerechnet einen Unverpackt-Laden, wie man ihn sonst eher in Großstädten findet, eröffnen? "Es ist ja meistens so: Man kommt vom Einkaufen heim, verpackt die Waren in seine eigenen Behälter und schmeißt jede Menge Plastikverpackungen weg", sagt Wurm. Genau dagegen wolle man etwas tun.

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"Es ist ein ganz anderes Einkaufen, und das muss man wollen", sagt Antje Dietrich. Denn statt fertig verpackte Produkte in den Einkaufswagen zu legen, füllen sich Kunden hier alles selber ab. Und zwar genau so viel, wie sie auch wirklich benötigen.

"Man kommt in den Laden rein und geht erstmal zur Waage am Eingang. Dort wiegt man entweder die selbst mitgebrachten Gläser ab oder nimmt sich Gläser von uns, die man auch abwiegen muss", erklärt Wurm. Danach könne man die Gefäße nach Herzenslust füllen. An der Kasse werde dann alles nochmal gewogen und das Leergewicht abgezogen, bevor man seinen Einkauf bezahlt.

Zahlreiche Sorten Nudeln stehen zur Auswahl.
Zahlreiche Sorten Nudeln stehen zur Auswahl. © SZ/Richard Walde

Angeboten werden alle erdenklichen Lebensmittel. Von Nudeln über Müsli, Zucker, Mehl, Salz, verschiedenen Körnern, Ölen und Gemüse ist so gut wie alles dabei. Auch Getränke in Glasflaschen gibt es. "Zu 80 Prozent besteht unser Sortiment aus regionalen Produkten, nur bei ein paar Dingen war das nicht möglich. Da haben wir Großanbieter nehmen müssen, die aber auch auf Bio oder Fairtrade setzen", betont Wurm.

Auch frische Backwaren von zwei unterschiedlichen Bäckereien werden im Sortiment sein. Einer davon direkt aus Neukirch. "Wir haben zwei verschiedene Bäcker, weil der Himmelsbäcker ja beispielsweise am Montag zu hat und wir unseren Kunden trotzdem Backwaren anbieten wollen", sagt Dietrich. Brot und Semmeln können auch vorbestellt werden.

Aber auch Produkte, die man nicht essen kann, sind im Angebot. Darunter zahlreiche Sorten an Seifen, Bleistifte, Brotdosen oder Kupferschwämme. "Zu 95 Prozent haben wir alles, was wir wollten, auch gekriegt", sagt Wurm. Doch gebe es hin und wieder auch mal kleinere Rückschläge zu verkraften. "Bei der Kosmetik ist ein Händler kurz vor der Eröffnung leider abgesprungen, aber wir haben auch wieder einen neuen Anbieter gefunden, mit dem wir gerade in Kontakt getreten sind", fügt er an. Deshalb werde man weitere Kosmetikartikel erst später im Geschäft anbieten können.

Reinigungsmittel werden zwar in großen Plastikkanistern angeboten, doch die gehen leer an den Anbieter zurück und werden neu befüllt.
Reinigungsmittel werden zwar in großen Plastikkanistern angeboten, doch die gehen leer an den Anbieter zurück und werden neu befüllt. © SZ/Richard Walde

"Es fehlen noch Kleinigkeiten, aber der Laden ist ja erweiterbar. Es kann peu à peu immer wieder etwas dazukommen", erklärt Wurm. Jetzt ist das zweiköpfige Team aber erst mal bereit, den Kruemelladen zu eröffnen.

Auf den Namen seien sie aus mehreren Gründen gekommen. "Es ist ja eigentlich Krümelware, die wir verkaufen", sagt Dietrich. "Und weil das ü beispielsweise bei E-Mail-Adressen sowieso als ue geschrieben wird, haben wir uns gedacht, dass wir das generell so machen", fügt sie an. Es sei gar nicht so einfach gewesen, überhaupt einen Namen zu finden, der noch nicht vergeben ist. "Gerade im westlichen Deutschland gibt es sehr viele Unverpackt-Läden und jeder hat seinen eigenen speziellen Namen."

Mit diesem originellen Schild empfängt der Kruemelladen in Neukirch seine Kunden.
Mit diesem originellen Schild empfängt der Kruemelladen in Neukirch seine Kunden. © SZ/Richard Walde

Um Stammkunden zu gewinnen, setzen die beiden auch auf Bonuskarten. "Das soll einen Anreiz schaffen, dass Menschen öfter kommen", sagt Antje Dietrich. "Viele Ältere haben schon gesagt, dass sie sich darauf freuen, die Lebensmittel in geringen Mengen kaufen zu können, weil sie als Einzelne nicht beispielsweise eine ganze Packung Nudeln brauchen", sagt Dietrich.

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Aber sind die losen Lebensmittel nicht deutlich teurer als die abgepackte Ware im Supermarkt? "Wir haben schon versucht, dass es keine utopischen Preise gibt und sich fast jeder die Produkte leisten kann", sagt Antje Dietrich. 100 Gramm Nudeln kosten beispielsweise 40 Cent. "Das ist Bioware und ohne irgendwelche Konservierungsstoffe, was alles seinen Preis hat."

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