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Großharthauer ist stolz auf gigantische Blätter

Sächsische.de zeigt die schönsten Gärten im Kreis Bautzen. Heute: Bei Michael Berndt haben es Blindschleichen, Igel und Vögel gut - und eine besondere Pflanze.

Der große Stolz von Michael Berndt ist das Mammutblatt. Die Pflanze hat in seinem Garten in Großharthau schon eine beachtliche Größe erreicht.
Der große Stolz von Michael Berndt ist das Mammutblatt. Die Pflanze hat in seinem Garten in Großharthau schon eine beachtliche Größe erreicht. © Steffen Unger

Großharthau. Wer von Großharthau in Richtung Frankenthal unterwegs ist, dem fällt entlang der Straße der Einheit neben vielen Gartenzäunen auf der rechten Seite eine riesige Hecke auf. Fast schon ein Unikat an der Strecke entlang des Grunabachs. Was sich dahinter verbirgt, weiß kaum einer. Dort hat sich Michael Berndt sein eigenes kleines Paradies geschaffen. An sein Elternhaus, in dem der 34-Jährige seit zwei Jahren wieder wohnt, grenzt ein großer Garten an. Und dort finden sich einige Besonderheiten.

"Ich habe Freude an Blumen, wie sie wachsen und wie sich mit der Zeit ständig alles verändert", sagt er. Besonders stolz ist er dabei auf eine ganz bestimmte Pflanze mit dem klangvollen Namen Mammutblatt. "Das Mammutblatt habe ich von meinem Nachbarn. Der hat schon ein größeres Exemplar und hat er mir ein Stück davon abgesägt", erzählt er. Seit Michael Berndt den Absenker vor einigen Jahren bekommen hat, ist die Pflanze stetig gewachsen.

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"Als ich sie bekommen habe, war sie ungefähr ein Drittel vom dem, wie man sie heute sieht", sagt er. Jetzt könnte er sich ohne Probleme dahinter verstecken. Die aus dem südlichen Brasilien stammende Pflanze deckt Berndt vor dem Winter mit Stroh und Folie ab. Vorher wird sie verschnitten, um ab dem Frühjahr wieder zu wachsen. Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern gar nicht so günstig. "Mindestens 30 Liter Wasser am Tag braucht sie. Gerade an trockenen Tagen stehe ich da mit Schlauch oder Gießkanne", betont er.

Eine Biene bedient sich im Garten von Michael Berndt am Schmuckkörbchen. Die Pflanze ist auch unter dem Namen Cosmea bekannt.
Eine Biene bedient sich im Garten von Michael Berndt am Schmuckkörbchen. Die Pflanze ist auch unter dem Namen Cosmea bekannt. © Steffen Unger

Etwas weniger aufwendig zu betreuen sind seine Blumen, unter anderem das Schmuckkörbchen, das ein nahrhafter Anlaufpunkt für die Bewohner seines selbstgebauten Insektenhotels ist. "Hier im Garten sind fast nur unkomplizierte Pflanzen, die man mit guter Erde, Wasser und bisschen Dünger problemlos am Leben hält", sagt Michael Berndt. Chemische Hilfsmittel sind für ihn gar kein Thema, denn Flora und Fauna sollen sich ganz natürlich entwickeln.

Wenn es um Tiere geht, fallen ihm zuerst seine neun Kaninchen ein, die vor allem mit Gras aus dem Garten versorgt werden. Aber auch sonst herrscht bei Michael Berndt reges Leben. "Erst vor kurzem habe ich unten an der Hecke wieder eine Blindschleiche gesehen, die noch nicht so groß war", sagt Michael Berndt. Nicht die erste, wie er erzählt. Denn vor einer Weile gab es in seinem Garten ein ganz besonderes Schauspiel erleben:

"Letztes Jahr habe ich beobachtet, wie eine kleine Blindschleiche eine Kröte fressen wollte. Doch die hatte sich dann aufgebläht und ist aus dem Maul wieder herausgekommen", sagt er. Den ungiftigen Tieren hat er an einem Hang, der in Richtung Süden zeigt und deshalb von der Sonne gut gewärmt wird, einen kleinen Lebensraum geschaffen. "Dort mähe ich nur zweimal im Jahr mit der Motorsense, um beispielsweise den Blindschleichen einen Platz zu bieten", sagt der 34-Jährige.

Michael Berndt hat viele Jahre in der Schweiz gelebt. Ein selbstgebautes Vogelhäuschen erinnert an diese Zeit.
Michael Berndt hat viele Jahre in der Schweiz gelebt. Ein selbstgebautes Vogelhäuschen erinnert an diese Zeit. © Steffen Unger

Ein weiterer Bewohner hat sich unter dem Kaninchenstall eingelebt - der Igel. "Dem habe ich eine Wasserschale hingestellt, die ich immer wieder neu befülle", berichtet Berndt. Außerdem sind über mehrere Monate im Jahr unterschiedliche Vögel bei ihm zu Gast. "Dieses Jahr haben Gartenrotschwänze erfolgreich gebrütet und auch Junge gehabt. Im letzten Jahr waren Meisen da", erzählt er.

Einer Gruppe von Gartenbewohnern kann er dagegen gar nichts abgewinnen, denn die Schnecken fressen alles, was man nicht vor ihnen schützt. Nur dem Mammutblatt kommen sie nicht zu nahe. "Aus 30 Samen habe ich über den Winter Lupinen gezogen, die waren so 30 Zentimeter groß, als ich sie draußen eingepflanzt habe. Innerhalb von zwei Tagen waren sie komplett weg", bedauert Berndt. Doch Eines steht für ihn fest: Unterkriegen lässt er sich von so etwas nicht.

"Wenn was schiefgeht, macht man es neu. Und wenn was eingeht, dann geht es eben ein – aber das passiert fast nie", betont Michael Berndt. Denn erst durchs Experimentieren lerne man Neues kennen. Sein neuestes Projekt hat mit Tomaten zutun, die er in diesem Jahr erstmals in seinem Garten angepflanzt hat. Unter einem Spitzdach reifen verschiedene Sorten langsam heran. Und wenn sie bereit zur Ernte sind, werden das die Nachbarn mitbekommen. Ob sie wollen oder nicht. Denn die Reifeglocke läutet der Großharthauer immer dann, wenn Tomaten reif und bereit zur Ernte sind.

In diesem Jahr hat Michael Berndt in seinem Garten erstmals Tomaten gepflanzt, darunter grüne Zebra-Tomaten.
In diesem Jahr hat Michael Berndt in seinem Garten erstmals Tomaten gepflanzt, darunter grüne Zebra-Tomaten. © Steffen Unger

Doch nicht nur dann wird Michael Berndt zum Anlaufpunkt seiner Nachbarn, auch so finden viele freundschaftliche Treffen auf seinem Grundstück statt. "In der Nachbarschaft veranstaltet jeder immer mal was, aber bei mir ist jetzt die Terrasse fast barrierefrei zugänglich, und wir haben viel Platz", sagt er. Auf der vier mal fünf Meter großen, erst vor Kurzem neu gepflasterter Fläche kann so manche Gartenparty stattfinden.

Für den - sowohl im Beruf als auch hobbymäßig - begeisterten Koch ist das immer wieder eine Möglichkeit, sein Können zu beweisen. Das bekommen auf Arbeit die Bewohner des örtlichen Seniorenheims zu spüren. Denn dort ist er der Küchenchef. "Ich nehme von meinen Kräutern sehr gerne etwas mit, gerade von der Minze", sagt er. Da eine selbstgemachte Limonade mit Zitrone und Minze für die Bewohner etwas komplett Neues wäre, würden sie anfangs etwas skeptisch reagieren. "Aber die Leute lernen es schätzen", sagt er.

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Schätzen gelernt hat auch Michael Berndt sein Landleben in Großharthau, nachdem er 13 Jahre in der Schweiz gewohnt hat und 2019 dauerhaft zurückgekehrt ist. "Ich bin gerne hier und gerne draußen. Im Garten finde ich meinen Ausgleich zur Arbeit", sagt er. Deshalb kann er guten Gewissens behaupten: "Ich habe hier jeden Grund, um glücklich zu sein".

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