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Hexenburg Bühlau: Bis zu 15 Wohnungen sollen entstehen

Im Denkmal-Hof sollen mit Eigentums- und Ferienwohnungen, Hoftheater und Co-Working-Bereich neue Ideen Platz bekommen. Mitmacher sind erwünscht.

Von Miriam Schönbach
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Hufgetrappel mit Ambiente: Reithelferin Janine Winkler führt Maja auf Watti durch den Innenhof der Hexenburg Bühlau. Eigentümer Frank Milbrath plant hier unter anderem den Bau von drei Ferien- und bis zu 15 Eigentumswohnungen.
Hufgetrappel mit Ambiente: Reithelferin Janine Winkler führt Maja auf Watti durch den Innenhof der Hexenburg Bühlau. Eigentümer Frank Milbrath plant hier unter anderem den Bau von drei Ferien- und bis zu 15 Eigentumswohnungen. © SZ/Uwe Soeder

Bühlau. Hufgetrappel hallt im Hof der Hexenburg Bühlau. Durch den Rundbogen des Denkmals führt Reithelferin Janine Winkler die elfjährige Maja auf Watti zu ihrer Runde auf dem Pferderücken. Währenddessen schlüpft Siegfried Berge durch das Tor ins beschattete Kühle an diesem heißen Frühsommertag. Frank Milbradt grüßt den Bekannten. 85 Jahre zählt der Siegfried Berge, der Bühlauer kennt sich bestens aus mit der Geschichte des Wustmann-Guts in der Gemeinde Großharthau, wie er zum Denkmal-Vierseitenhof sagt. „Ich dachte, irgendwann wird hier alles dem Erdboden gleichgemacht“, erinnert sich der Senior.

Statt dem Ende einer Geschichte verrät der aktuelle Blick auf Bühlaus Hexenburg einen Neuanfang. Frank Milbradt verabschiedet schnell einen Handwerker, im Hof wuchern aus mehr als 20 blauen Kisten große Kartoffelpflanzen. In Reitstall herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Der Zufall bringt den Architekten und die historische Anlage Mitte der 1990er-Jahre zusammen. Schon ein Jahrzehnt vorher entdeckt der gebürtige Westfale bei einer Reise durch die DDR, unter anderem den Charme Dresdens oder des damaligen Karl-Marx-Stadts. „Unter dem Schwarz-Grau der Häuser habe ich die Substanz gesehen. Ich dachte, wenn die Mauer fällt, muss ich hierher“, sagt der 59-Jährige. Er besucht übrigens damals die gerade eröffnete Semperoper.

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Denkmal befand sich in ruinösem Zustand

Die politische Wende 1989/90 gibt Frank Milbradt diese Chance auf das Abenteuer. Er heuert 1992 in Dresden bei einem Bauträger an, gründet zwei Jahre später eine eigene Firma und erkundet von Sachsens Landeshauptstadt aus das nähere Umland. So landet er in Großharthau, begeistert sich am Rittergut an der B6 und macht sich einen Termin beim Bürgermeister. Jener begrüßt den Neuling mit den Worten: „Sie kommen bestimmt wegen der Hexenburg“.

Der Begriff hinterlässt beim Fragenden Neugier, ein paar Minuten später steht er vor dem Denkmal im ruinösen Zustand. „Birken wuchsen aus den kaputten Dächern, Regenrinnen fehlten, alles war zu gewuchert“, erinnert sich der Bauherr. Statt des Rittergutes wird die Hexenburg in Bühlau nun seine Aufgabe.

Dieser burgartige Komplex geht auf den Ziegeleibesitzer Carl Gottlieb Wustmann (1811-1884) zurück. Seine Investition in die Mühle mit der neuen Dampfkraft und angeschlossener Brotfabrik in den 1850er Jahren bringt Leben in das beschauliche Dorf zwischen Stolpen und Bischofswerda. „Es ist die Zeit der Industrialisierung. Die Bauern kamen zum Abladen ihres Korns in den Hof und nahmen gleich Brot wieder mit. Niemand musste mehr lange anstehen“, sagt Frank Milbradt.

Auf dem Schornstein der Hexenburg haben es sich auch in diesem Jahr wieder die langjährigen Untermieter bequem gemacht: Das Storchenpaar kümmert sich um vier Jungstörche.
Auf dem Schornstein der Hexenburg haben es sich auch in diesem Jahr wieder die langjährigen Untermieter bequem gemacht: Das Storchenpaar kümmert sich um vier Jungstörche. © Frank Milbradt

Für Erstaunen sorgt nicht nur die neue Technik, sondern auch der Bau selbst. „Zwölf Tore, 52 Türen und 365 Fenster, Wustmann wird nachgesagt, Freimaurer gewesen zu sein“, sagt der Architekt. Die Initialen des Erbauers finden sich bis heute in einen Schmuckstein gehauen. „Bete und Arbeite“ steht in goldenen Buchstaben über dem Namenszug.

Für die Tür darunter holt der Bauherr den Schlüssel aus der Tasche. In dem Bereich sollen zwölf bis 15 Eigentumswohnungen entstehen - nach den Vorstellungen der künftigen Nutzer vom Single über Familien mit Kindern bis hin zu Senioren. Und gern mit Faible für Pferde. Als Gemeinschaftsbereich plant der Eigentümer ein Hoftheater im Gewölbesaal - für Konzerte, Musik, Lesungen am Kamin oder einfach zum Reden. Auch einen Co-Working-Bereich ist angedacht. Mitmacher sind ausdrücklich erwünscht.

Langjähriger Untermieter mit Vierfach-Nachwuchs

Die Handwerker sind indes im Torgebäude am Teich unterwegs. Dort werden in den nächsten Tagen drei Ferienwohnungen fertiggestellt. Instandgesetzt wurde 2020 das Außenmauerwerk, nachdem Teile der Fassade kippten. Auch 15.000 Quadratmeter Dachfläche sind erneuert. Im Erdgeschoß der Scheune haben gut 25 Pferde ihr Zuhause gefunden, darunter sogar ein Vierbeiner mit dem Namen Hexe. Im ersten Obergeschoß gibt es eine kleine Reithalle. Ein langjähriger Untermieter ist übrigens ein Storchenpaar auf dem Schornstein – mit vierfachen Nachwuchs in diesem Jahr.

Unter dem Gewölbe soll ein Hoftheater als Gemeinschaftsbereich für alle künftigen Hexenburg-Bewohner entstehen.
Unter dem Gewölbe soll ein Hoftheater als Gemeinschaftsbereich für alle künftigen Hexenburg-Bewohner entstehen. © SZ/Uwe Soeder

Siegfried Berge freut sich über die Zukunftsideen. „Die Hexenburg wird wieder zum Schmuckstück“, sagt er. Dort, wo jetzt die Pferde stehen, hat er sich mit seiner Frau von 1971 bis zur Wende um die 70 Kühe in der LPG gekümmert. Mit 16 Jahre erlebt er 1953 mit, wie die damaligen Besitzer das Gut innerhalb von ein paar Stunden verlassen müssen. Gerade in der ersten Jahreshälfte verschärft die SED Maßnahmen, um die beschlossenen Kollektivierung zu beschleunigen. Nach der Wende folgt die Restitution. Die Erben verkaufen Frank Milbradt das „Dornröschenschloss“. Ursprüngliche Pläne für das Objekt, wie den Ausbau zu einer Ferien- und Freizeitanlange oder später ein Genossenschaftsprojekt, sind inzwischen alle ad acta gelegt.

Ein Projektende für seine Hexenburg hat der Architekt noch nicht definiert. „Es dauert solange, wie es dauert“, sagt er. Damit die spätere Gemeinschaft selbst Gemüse und Obst anbauen und ernten kann, hat Frank Milbrath angefangen, einen Biogarten auf 5.000 Quadratmetern anzulegen und rund 90 Obstbäume – hauptsächliche Alte Sorten – gepflanzt. Die Kartoffeln in den Pflanzkisten im Innenhof jedenfalls versprechen schon mal reiche Erde - und stehen auch für den Neuanfang des Mehrgenerationenhofs in Bühlaus Hexenburg.

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