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Bischofswerda zeigt unbekannte Lohse-Bilder

Eine neue Ausstellung präsentiert Arbeiten des bedeutenden Expressionisten, die noch nie öffentlich zu sehen waren. Carl Lohses Enkel haben daran großen Anteil.

Der Bischofswerdaer Maler Falk Nützsche ist Kurator der Ausstellung "Unbekannte Werke". Sie zeigt Arbeiten des Expressionisten Carl Lohse.
Der Bischofswerdaer Maler Falk Nützsche ist Kurator der Ausstellung "Unbekannte Werke". Sie zeigt Arbeiten des Expressionisten Carl Lohse. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Arbeiten des Malers Carl Lohse, von denen ein Teil bisher noch nie öffentlich gezeigt wurde, sind seit Freitag in der nach dem Künstler benannten Galerie in Bischofswerda zu sehen. Sie stammen aus dem Besitz der drei Enkel des Künstlers Rose-Frahm-Prinz, Renate Sieber und Roland Sieber. Sie leben in Baden-Württemberg, Thüringen und im Allgäu. Die Ausstellung "Unbekannte Werke" bringt die Arbeiten nun für knapp zwei Monate zurück in die Stadt, wo ein Großteil entstanden ist - nach Bischofswerda. 

Carl Lohse (1895 bis 1965) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Spät-Expressionismus in Deutschland. Der in Hamburg geborene Künstler verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Bischofswerda.  

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Stadtansichten von Bischofswerda und Bautzen

Arbeit und Familie sind die verbindenden Elemente in dieser Ausstellung, sagt deren Kurator Falk Nützsche. Er wählte Werke aus, die in den 1930er- und 1950er-Jahren entstanden sind. Die Ausstellungsbesucher sehen Bilder von der Nordsee, von Fischern, Porträts von Lohses Frau Johanna und den Töchtern Maria und Gerda sowie ein Familienbild am Strand - Rückzugsort für den von den Nazis verfemten Künstler. Falk Nützsche deutet auf die aufziehenden dunklen Wolken. "Lohse, der im Ersten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft geraten war, wusste, was da auf die Menschen zukommt."

Die in den 1950er-Jahren entstandenen Arbeiten setzen den Grundgedanken fort. Man sieht unter anderem Stadtansichten von Bischofswerda und Bautzen, aber auch schwer arbeitende Menschen: Bauern beim Pflügen und bei der Getreideernte sowie einen Mann beim Holzhacken. Auch in der DDR war Lohse von der Obrigkeit nicht gut gelitten. 

Zwei der drei Enkel des Malers Carl Lohse kamen zur Eröffnung einer neuen Ausstellung nach Bischofswerda: Rose Frahm-Prinz und Roland Sieber.
Zwei der drei Enkel des Malers Carl Lohse kamen zur Eröffnung einer neuen Ausstellung nach Bischofswerda: Rose Frahm-Prinz und Roland Sieber. © SZ/Uwe Soeder

Auf Augenhöhe mit Vincent van Gogh

Der Maler Falk Nützsche sieht Carl Lohse in der gleichen Dimension wie Vincent van Gogh. Vor drei Jahren waren Arbeiten von Lohse im Dresdner Albertinum zu sehen.  Die Ausstellung zählte in nur zwei Monaten 50.000 Besucher. 

Es sei nicht hoch genug zu schätzen, dass in den frühen 1990er-Jahren in Bischofswerda Stadtverwaltung, Stadtrat und Bürger den Mut aufbrachten, die Carl-Lohse-Galerie einzurichten, obwohl es viele andere Probleme zu lösen galt. "Wir haben es getan, um Carl Lohse zu rehabilitieren", sagt Falk Nützsche, der als Mitglied der Interessensgemeinschaft Carl Lohse einer der Initiatoren war. 

Aus Sicht von Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) sollte über Lohse mehr gesprochen werden. Außerhalb von Bischofswerda sei der Künstler oft mehr im Gespräch als hier.  Der OB nennt Städte wie Hamburg, Berlin, Dresden und Prag. Carl Lohse sei Teil der Stadtgeschichte Bischofswerdas und der Identität  dieser Stadt. Bezogen auf die Ausstellung sagt Holm Große: "Wir sind stolz, dass wir die Bilder aus dem Familienbesitz hier zusammenführen können."  

Carl Lohse bereichert Bischofswerda

Für Roland Sieber, der im Allgäu lebt, ist Bischofswerda noch immer ein Stück Heimat. Der jetzt 57-Jährige hatte seinen Großvater noch kennengelernt. Später war er oft bei seiner Großmutter. "Ich freue mich über die Ehre, die meinem Opa hier zuteil wird", sagt er. Zugleich sei das Werk Carl Lohses eine Bereicherung für Bischofswerda. 

Bischofswerda habe seinem Großvater, der nach dem Ersten Weltkrieg auf Einladung des Armaturenfabrikanten Karl Hebenstreit zum ersten Mal in die Stadt kam, viel gegeben, sagt Roland Sieber. "Jetzt kann sein Werk der Stadt etwas zurückgeben. Carl Lohse bereichert Bischofswerda." 

Eine Skulptur Carl Lohses, geschaffen vom Künstler selbst.
Eine Skulptur Carl Lohses, geschaffen vom Künstler selbst. © SZ/Uwe Soeder

Lohses Blick auf die Industrie

Die Arbeiten aus dem Familienbesitz sind Teil einer Doppelausstellung, die anlässlich des 125. Geburtstages von Carl Lohse am 24. Oktober gezeigt wird. 

Die Dauerausstellung in der Galerie, die sich dem Namensgeber widmet, wurde von den Galerie-Mitarbeiterinnen Petra Russig und Gaby Ziegenbalg neu gestaltet. Passend zum "Jahr der Industriekultur" in Sachsen wurden Arbeiten zusammengestellt, die größtenteils in Betrieben entstanden. Lohse malte in Steinbrüchen, in einer Gießerei, einer Dreherei... Immer wieder rückte er arbeitende Menschen in den Blickpunkt. 

Diese Werke stammen aus dem Fundus der Stadt Bischofswerda. Das ist den beiden, schon verstorbenen Töchtern Carl Lohses zu verdanken. Sie übergaben der Stadt einen Großteil des Nachlasses ihres Vaters. 

Die Ausstellung "Lohse und sein Blick auf die Industrie" ist bis Jahresende zu sehen, die Ausstellung mit Arbeiten aus dem Familienbesitz bis Ende Oktober. Auf sie folgt ab dem 4. November eine Sonderausstellung mit restaurierten Lohse-Werken. 

Begleitprogramm zu den Ausstellungen

Kreativabend: Das Team der Galerie und die Bischofswerdaer Künstlerin Anja Herzog sorgen am 10. September 18 Uhr für eine Premiere - den ersten Kreativabend in der Carl-Lohse-Galerie. Nach einem Rundgang durch die Ausstellung können die Teilnehmer selbst ein Bild gestalten. (Karten: 10 Euro)

Galerieführung: Der Bischofswerdaer Maler Falk Nützsche, Kurator der Ausstellung "Unbekannte Werke", führt am 20. September 15 Uhr durch die Exposition. (Karten: drei Euro)

Industriekultur-Route: Lohse malte auch in Betrieben. Flankierend zur Ausstellung wird am 24. September  16 Uhr in Bischofswerda eine Route zur Industriekultur eröffnet - Treff am Alten Friedhof, Muntschickstraße. 

Stadtrundfahrten: Zu den Bischofswerdaer Lebens- und Wirkungsstätten Carl Lohses führen Stadtrundfahrten, die am 27. September und 18. Oktober angeboten werden - Abfahrt 15 Uhr am Bahnhof. (Karten: fünf Euro)

Vortrag: Zum Thema "Carl Lohse - Ein Bilderkosmos" spricht Ophelia Rehor vom Museum Bautzen am 8. Oktober 19 Uhr in der Carl-Lohse-Galerie. (Karten: fünf Euro).  

Vernissage: Restaurierte Werke des Künstlers sind in einer weiteren Ausstellung zu sehen, die am 5. November 19 Uhr in der Galerie eröffnet wird. Den Einführungsvortrag hält Kunsthistorikerin Dr. Anke Fröhlich-Schauseil aus Dresden.  

Für alle Veranstaltungen ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Eine Anmeldung in der Carl-Lohse-Galerie ist erforderlich. Dort werden auch die Karten verkauft. 

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