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Schloss Rammenau: Zerplatzte Träume

Mit der Errichtung des Barockbaus trieb sich Ernst Ferdinand von Knoch selbst in den Ruin. Zum 300. Jubiläum wird nicht nur diese Geschichte erzählt.

Ines Eschler leitet das Rammenauer Barockschloss, dessen Geschichte vor 300 Jahren begann.
Ines Eschler leitet das Rammenauer Barockschloss, dessen Geschichte vor 300 Jahren begann. © Steffen Unger

Rammenau. Die Sandsteinplatte wirkt eher unscheinbar. Nur schwer sind die Buchstaben und Ziffern im Stein zu lesen. Schlosschefin Ines Eschler blickt auf das Exponat in der Ausstellung im Barockschloss Rammenau. „Das ist unser Grundstein, gelegt vor 300 Jahren am 20. Juni 1721“, sagt sie. Das Jubiläum soll in diesem Jahr trotz derzeitiger Corona-Einschränkungen gefeiert werden.

Den Erbauer der Anlage würde es sicher freuen, dass sein geplantes Ensemble heute als eine der schönsten Landbarockanlagen Sachsens gilt. Die Vorzeichen dafür standen allerdings extrem schlecht. Jener Bauherr ist Ernst Ferdinand von Knoch (1677 – 1745). Der Kammerherr Augusts des Starken kauft 1717 das Rittergut Rammenau und verlegt es kurzerhand an einen neuen Platz im Ort. Der Mann aus niederem Adel hat für seinen Besitz ehrgeizige Pläne. Es muss ein richtiges Schloss mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden her mit einem parkähnlichen Garten. Denn Knoch will aufsteigen, er will zu den oberen Zehntausend am Dresdner Kurfürstenhof gehören.

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Verschwenderisch und gutgläubig

Allein der Wille genügt nicht, der Wahl-Rammenauer verfügt weder über die nötigen Netzwerke noch über das wichtige Kleingeld, um bessere höfischen Positionen zu ergattern. Die ambitionierten Pläne für den Schloss-Neubau zeigt die Ausstellung ebenso wie den Grundstein. Auf wen die Ideen zurückgehen, ist noch nicht gänzlich geklärt. Sowohl der Rokoko-Baumeister Johann Christoph Knöffel als auch Barock-Genie Matthäus Daniel Pöppelmann kämen in Frage.

Die Historikerin Anne-Simone Rous tendiert in ihrem Aufsatz „Die Schuldsache Ernst Ferdinand von Knoch: Konkurs und Flucht des Rittergutsbesitzers und Schlossbauherrn von Rammenau 1743/44“ eher zu Zwinger-Erbauer Pöppelmann. Überhaupt hat sie sich der Sache Knoch genauer angenommen. Ohne zu viel vorneweg zu verraten: Mit einem ordentlichen Schuldnerberater, der seinem Klienten auch ein paar Takte zu einem verschwenderischen Lebensstil, Gutgläubigkeit und Kosten eines Hausbaus erzählt, wäre Knochs Traum vielleicht in Erfüllung gegangen.

Der Spiegelsaal im Schloss bietet eine prachtvolle Kulisse für Konzerte - wenn nicht gerade Corona Veranstaltungen unmöglich macht.
Der Spiegelsaal im Schloss bietet eine prachtvolle Kulisse für Konzerte - wenn nicht gerade Corona Veranstaltungen unmöglich macht. © Steffen Unger

Schlosschefin Ines Eschler läuft durch das Schloss, einzig Baulärm bringt Bewegung in die stillen Säle mit illusionistischen Wandmalereien und in die stilvollen Salons mit kostbaren Porzellanen. Wie andere Kultureinrichtungen wartet auch der Barockbau auf seine Wiedereröffnung. Die 61-Jährige stoppt im Pompejanischen Zimmer. Auf den Wänden tanzen rote Fabelwesen auf schwarzen Bordüren. Und ist da nicht auch eine Figur mit Hörnern? „Satyrn“, klärt die Rammenau-Expertin auf, „wegen ihrer Hörner wurden sie aber fälschlicherweise als Teufel angesehen.“

Die Kunde vom Teufelszimmer macht in der Bauzeit des Schlosses schnell die Runde im Dorf. Um den Bau zu beenden, habe sich Knoch mit dem Teufel eingelassen, erzählen sich die Leute. Längst ist ihnen klar: Der Schlossbesitzer hat sich mächtig mit dem Neubau übernommen, auch weil er anfangs noch an anderen Gütern baut. Dazu kommen Kredite, die er nicht mehr bedienen kann. Er fällt auf gefälschte Wechsel herein, verkauft Wirtschaften anderenorts, um Rammenau zu finanzieren. Es hilft aber alles nichts. Irgendwann werden die Gläubiger bei August dem Starken vorstellig und fordern auf diesem Weg ihr Geld zurück.

Knoch versucht über den König, die Geldgeber zu beruhigen, erbittet sich Zeit und stellt sogar einen Entschuldungsplan auf. Über 70.000 Reichstaler Miese stehen dem Gut Rammenau mit einem Wert von 55.000 Reichstalern gegenüber, ergaben die Recherchen von Anne-Simone Rous. Letztlich bleibt nur: Knoch muss einen Käufer für sein Juwel finden, Konkurs anmelden. Finanziell ruiniert, zieht er sich ins Private zurück.

Freistaat ist der sechste Eigentümer

Das ist nur eine Geschichte, die im Jubiläumsjahr erzählt werden soll. Von Knoch folgten vier weitere Eigentümer. Die Familie von Hoffmann beendet den Bau und nennt sich nach ihrem Aufstieg in den Adelsstand 1778 „von Hoffmannsegg“. Sie träumen Knochs Traum zu Ende.

Seit 1993 ist die Liegenschaft im Eigentum des Freistaats. „Eigentlich wollten wir gern zu einer Konferenz anlässlich des Jubiläums einladen“, sagt Ines Eschler, die seit 2013 für das Ensemble verantwortlich ist. Stattdessen soll es im Spätsommer und Herbst unter anderem drei Vorträge geben – zur Bau-Geschichte und Sanierung, zur Garten-Geschichte und zur Geschichte der Eigentümerfamilie von Kleist. Die konkreten Termine werden, sobald es die Pandemie erlaubt, publiziert. Auch die geplanten Konzerte stehen zum Teil in Verbindung mit der 300 Jahre alten Schlossgeschichte, die irgendwie auch dem Ehrgeiz wie der Geltungssucht des Ernst Ferdinand von Knochs zu verdanken ist.

Alle Termine zum 300. Schloss-Jubiläum: www.barockschloss-rammenau.com

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