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Der letzte Pinselstrich

Ingolf Bannert geht in den Ruhestand. Damit schließt nach 67 Jahren der gleichnamige Malerbetrieb in Bischofswerda. Aber etwas von ihm bleibt.

Maler- und Lackierermeister Ingolf Bannert steht in seinem Geschäft in Bischofswerda. Das schließt jetzt, denn der Meister geht in den Ruhestand.
Maler- und Lackierermeister Ingolf Bannert steht in seinem Geschäft in Bischofswerda. Das schließt jetzt, denn der Meister geht in den Ruhestand. © Steffen Unger

Bischofswerda. Nach vier Jahrzehnten als selbstständiger Malermeister ist für Ingolf Bannert die Zeit gekommen, um den Pinsel endgültig wegzulegen. "Meine Gefühle sind ausgeglichen. Ein Auge weint, das andere freut sich", erzählt er im Gespräch mit Sächsische.de. Seine Spuren hat der Malerbetrieb an vielen Orten in und um Bischofswerda hinterlassen. Von Kirchen über das Schiebocker Rathaus, Hotels oder Wohnungen - unzählige Aufträge hat Bannerts Firma in all den Jahren erledigt.

Für Ingolf Bannert war schnell klar, dass er Malermeister werden wollte - denn sein Vater hatte das Unternehmen in seinem Geburtsjahr gegründet, und er selbst ist damit aufgewachsen. "Ich habe mir in den großen Ferien mit 14, 15 Jahren etwas dazuverdienen wollen, und da bin ich mal für zwei Wochen mit zu Baustellen gefahren", erzählt er.

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Als junger Meister Vaters Betrieb übernommen

Das sei auch der Grund gewesen, weswegen er in seinem Heimatort geblieben ist. "Noch zu Schulzeiten reifte der Entschluss, dass ich beim Vater anfange, das Handwerk zu lernen", sagt er. Später hat Ingolf Bannert noch das Abitur nachgeholt, womit er Mitte der 1970er-Jahre fertig war. "Im Anschluss habe ich drei Jahre lang den Handwerksmeister gemacht", erklärt er.

Nur zwei Jahre, nachdem er sich Malermeister nennen durfte, habe er am 1. April 1981 die Firma seines Vaters übernommen. Und die ersten Jahre liefen besonders gut. "Zu DDR-Zeiten hatten wir Arbeit ohne Ende, aber Probleme mit dem Material und dem Personal", erzählt Bannert. Denn die VEB-Betriebe hätten bessere Löhne gezahlt, als er überhaupt durfte. Trotzdem häuften sich die Aufträge.

"Im Gymnasium auf der August-König-Straße wurde in den 1980er-Jahren eine Heizung eingebaut, da haben wir uns fast durch die ganze Schule gearbeitet", erzählt Bannert. Auch in die Oberschule habe er sehr viel Arbeit investiert. "Da war ich über die Jahre bestimmt in jedem Raum drinnen."

Rote Plakatfarbe für die Christuskirche

Eine besondere Anekdote fällt ihm zur blutroten Decke der Christuskirche in Bischofswerda ein. "Das ist alte DDR-Plakatfarbe, die wir aus hunderten Bechern zusammengekratzt haben", erzählt Ingolf Bannert. Die seien eigentlich für die Schule gedacht gewesen. "Da haben wir sämtliche Drogerien abgeklappert und alles aufgekauft, was es gab", fügt seine Frau Gesa Bannert hinzu.

Rund 15 Jahre habe die Firma zudem im Dresdener Waldschlösschen gearbeitet, unter anderem die gesamte Gaststätte, die Keller, Brauräume und die Büroetagen gestaltet. "Wir sind zwölf Jahre jeden Tag am Stück nach Dresden gefahren", berichtet Ingolf Bannert. Doch auch auf viele private Auftraggeber kann Bannert zurückblicken. Egal ob Wohnstube oder Küche - er habe immer versucht, bestmögliche Arbeit zu leisten.

Drei Gesellen arbeiten jetzt bei einer anderen Firma

Während Mitte der 1990er-Jahre teilweise mehr als 20 Mitarbeiter in seinem Malerbetrieb beschäftigt gewesen seien, hatte er bis letztes Jahr noch fünf Gesellen. Während zwei von ihnen aufgrund von Alter und Krankheit ebenfalls nicht mehr weiterarbeiten werden, haben drei bereits einen neuen Arbeitgeber gefunden. "Die sind seit 1. März bei der Firma Heinrich Schmid am Standort Radeberg untergekommen", erzählt Bannert.

Der Kontakt mit dieser Firma im vergangenen Jahr sei überhaupt ein ausschlaggebender Punkt gewesen, dass er sich mit 67 Jahren nun in den Ruhestand zurückzieht. "Sie wollen sich im jetzigen Laden als Büro einmieten", erklärt er. Somit bleibe vor Ort ein Malerbetrieb bestehen, das Geschäft wird allerdings wegfallen.

Damit verschwindet der Arbeitsplatz der langjährigen Mitarbeiterin Martina Rönisch. "Sie hat das Verkaufsgeschäft mit uns im Jahr 1992 aufgeschlossen und wird es auch wieder zuschließen", erzählt Gesa Bannert. "Viele Männer kommen ins Geschäft und fragen sich, was die Frau ihnen erzählen soll. Die sind dann richtig baff, was bei ihr für ein fundiertes Wissen dahintersteckt", lobt Ingolf Bannert die gelernte Schriftmalerin.

Frau sorgte im Hintergrund für reibungslosen Ablauf

Sowohl Ingolf Bannert als auch seine Frau Gesa blicken auf eine Zeit zurück, in der immer eines im Mittelpunkt stand: das Geschäft. "Es war schon viel Organisationstalent notwendig, um unbesorgt in den Urlaub fahren zu können", erklärt Gesa Bannert. Sie war in all den Jahren für den reibungslosen Ablauf im Hintergrund tätig. Scherzhaft bezeichnet sie sich deshalb als "Mädchen für alles".

Dass das möglich war, habe man auch dem Glück zu verdanken. "Die Gesundheit hat mitgemacht, und es war gut, dass es bis zum Schluss so gut geklappt hat", sagt Ingolf Bannert. "Wir haben uns immer wieder weiterentwickelt und eine Stammkundschaft für das Geschäft gehabt. Da möchten wir einfach ‚Danke‘ sagen, dass sie uns so lange treu geblieben sind", betont Gesa Bannert. Nun freuen die beiden sich auf eine entspannte Zeit mit ihren Kindern und Enkeln.

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