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Warum findet dieser Chef keine Mitarbeiter?

Ein Baudienstleister aus Bischofswerda möchte seine kleine Firma vergrößern und sucht seit Jahren nach Personal - erfolglos. Will niemand mehr am Bau arbeiten?

Baudienstleister Mirco Zickler aus Bischofswerda findet seit Jahren keine Mitarbeiter. Woran liegt's?
Baudienstleister Mirco Zickler aus Bischofswerda findet seit Jahren keine Mitarbeiter. Woran liegt's? © SZ/Richard Walde

Bischofswerda. Wenn Mirco Zickler über die Suche nach neuen Mitarbeitern spricht, ist viel Verzweiflung zu hören. Der seit elf Jahren selbstständige Baudienstleister aus Bischofswerda würde seine Firma sehr gern vergrößern. Doch er finde kaum jemanden, den er anstellen kann, obwohl er über verschiedene Kanäle suche. "Ich suche über die Agentur für Arbeit, Zeitungsannoncen und Ebay Kleinanzeigen", erzählt der 35-jährige Familienvater gegenüber Sächsische.de.

"Mit der Zeit habe ich immer wieder jemanden als Mitarbeiter gehabt und viel probiert. Oft Bekannte von Bekannten. Aber da war nie jemand Richtiges dabei", sagt er. Denn, wenn die Arbeit mal körperlich etwas schwerer werde, würden viele einfach aufgeben. Doch er brauche Mitarbeiter, auf die er sich verlassen kann.

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"Wir sind aktuell zwei Mann, aber von der Auftragslage her könnten wir zu viert sein", sagt Zickler. Seinen derzeitigen Mitarbeiter habe er im vergangenen Jahr über die Kleinanzeigen-Plattform gefunden. Mit ihm sei er höchst zufrieden.

"Wenn jemand gute Arbeit macht, habe ich überhaupt kein Problem, ihm mehr zu zahlen", betont Zickler. Doch fange bei ihm erstmal jeder einfache Arbeiter mit dem Branchenmindestlohn in Höhe von 12,85 Euro pro Stunde an, Facharbeiter würden entsprechend besser bezahlt. "Ich muss erstmal herausfinden, ob derjenige wirklich gewillt ist, gute Arbeit zu leisten." Anders sei das bei einer so kleinen Firma nicht möglich.

Baubranche hat ein Image-Problem

Dass sich heutzutage niemand mehr die Hände schmutzig machen will, ist laut Carsten Burckhardt von der IG Bau ein weit verbreitetes Vorurteil. "Im Moment sieht es am Bau sehr gut aus, und die Betriebe finden viele Auszubildende", betont er. Doch auch eine Firma, die selbst nicht ausbilden kann, habe Möglichkeiten, um an neue Mitarbeiter zu kommen.

Einerseits habe man mit den Sozialkassen der Bauwirtschaft, kurz SOKA-BAU, ein eigenes Anzeigenportal geschaffen, das auch in Ostsachsen sehr gut laufe. Des Weiteren gebe es über die Agentur für Arbeit gute Möglichkeiten, um an Mitarbeiter zu kommen. Denn gerade in Zeiten der Corona-Pandemie laufe vieles über digitale Medien und nicht mehr über Messen oder persönliche Gespräche. Eines sei jedoch nicht zu vergessen: "Wir haben schon das ein oder andere Problem mit dem Image des Baus", sagt Burckhardt. Dem müsse man mit guten Arbeitsbedingungen entgegenwirken.

"Ich habe noch nie mit einem Mitarbeiter über seine Urlaubstage diskutiert und auch in der Freizeit schon oft was mit meinen Kollegen unternommen", sagt Mirco Zickler zu diesem Thema. Bundesweit gab es laut IG Bau im Jahr 2020 rund 40.000 Auszubildende in Bau-Berufen. Potenzial ist also da.

Agentur schickt 15 Bewerber, nur einer kommt

Dennoch: Zicklers Erfahrung mit der Suche nach Mitarbeitern über die Agentur für Arbeit ist ernüchternd. Er erzählt von einem Versuch von vor zwei Jahren. "Um die 15 Mann sollten sich bewerben, fünf haben es gemacht, und die habe ich auch eingeladen, aber nur einer ist gekommen", erklärt er.

Beim Kleinanzeigen-Portal sei zumindest diese Quote höher. "Rund 60 Prozent von denen, die ich über Ebay Kleinanzeigen einlade, kommen auch tatsächlich zum Bewerbungsgespräch", erzählt er. Doch sei die wichtigste Frage für die Bewerber immer die gleiche, was er nur teilweise verstehen könne.

"Es geht nicht um die Arbeit, sondern nur ums Geld. Die erste Frage ist nicht ‚Was muss ich machen?‘, sondern ‚Wie viel verdiene ich damit?‘", erzählt der Firmenchef. Wenn er dann vom anfänglichen Mindestlohn mit Aufstiegschancen spreche, würden die Gespräche fast immer nach hinten losgehen. Doch fehle ihm auch aufgrund der kleinen Firmengröße der Spielraum, um "jeden zu nehmen". Denn das könne finanziell "schnell nach hinten losgehen".

Nachfrage nach Personal auf dem Bau steigt

Dass es theoretisch genug mögliche Mitarbeiter gibt, zeigt die Agentur für Arbeit auf. Demnach habe es im Februar allein 356 Arbeitslose in Bischofswerda gegeben, von denen knapp 50 nach eigenen Angaben einen Job in den Bereichen Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik suchten.

"Gegenwärtig beobachten wir im Baugewerbe eine leicht steigende Nachfrage nach Personal", betont Pressesprecherin Berit Kasten. Aus Gesprächen mit Arbeitgebern wisse man, dass unter anderem private Haushalte derzeit verstärkt in die Erhaltung ihrer Eigenheime und Wohnungen investieren. Damit sei in der Branche genug Arbeit da, wie auch Mirco Zickler versichert.

"Unsere Arbeitsvermittler stehen im engen Kontakt mit den Unternehmen sowie den Arbeitslosen und hinterfragen auch, warum keine Bewerbung beziehungsweise Vorstellung beim Arbeitgeber erfolgt", erklärt Kasten. Man appelliere auch an die Fairness im Bewerbungsverfahren und bitte um Rückmeldung an das Unternehmen, wenn keine Bewerbung erfolgt, und andersherum auch an den Bewerber, wenn die Stelle zwischenzeitlich schon besetzt wurde.

Genug Arbeit in der Baubranche

Mirco Zickler bekommt seine Arbeitsaufträge vor allem durch Auftraggeber aus dem Dresdner Raum. So geht es für ihn oft nach Pirna, Heidenau oder in die Landeshauptstadt. "Wir machen hauptsächlich Ausbau, alles, was so in die Trockenbauschiene fällt. Dann noch Pflasterarbeiten, von Hofeinfahrten bis Sitzecken. Da haben wir immer gut zu tun", betont er.

Daran habe sich in den bisher elf Jahren, die Zickler selbstständig ist, auch wenig geändert. "Ich habe immer Arbeit gehabt, nie zu wenig, sondern eher zu viel", erklärt er. "Trotzdem finde ich niemanden, der wirklich Bock auf den Job hat." Dabei halte er die Voraussetzungen für einen potenziellen Mitarbeiter bewusst niedrig, verlange beispielsweise keinen Schulabschluss.

"Als Bauhelfer würde ich jeden engagierten Menschen einstellen, der noch nicht mal einen Führerschein braucht", erklärt Mirco Zickler. Denn er würde zu Baustellen mitfahren können und dort die Grobarbeiten erledigen. Dafür gebe es dann zu Beginn immerhin etwas mehr als 2.200 Euro brutto im Monat.

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