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Autodieb zu fast zwei Jahren Haft verurteilt

Einem Bischofswerdaer Autohaus wurden im September zwei BMW gestohlen. Einer der Täter stand jetzt vor Gericht - und erzählte, warum er den Diebstahl beging.

Einen Autodieb hat das Bautzener Amtsgericht jetzt zu einer Haftstrafe verurteilt.
Einen Autodieb hat das Bautzener Amtsgericht jetzt zu einer Haftstrafe verurteilt. © LausitzNews/Jens Kaczmarek

Bautzen/Bischofswerda. Im deutschen Strafprozess gebührt dem Angeklagten in der Hauptverhandlung nach den Schlussvorträgen und vor der Urteilsfindung das letzte Wort. Von diesem Recht machte auch der Angeklagte Przemyslaw K., der sich wegen schwerem Autodiebstahl vor dem Amtsgericht Bautzen verantworten musste, am Dienstag Gebrauch.

Unter Tränen sagte er, dass ihm die Tat leidtue. Da der polnische Staatsangehörige kein Deutsch spricht, wurden seine Ausführungen von einer polnischen Übersetzerin simultan übersetzt. „Diese Tat war der schlimmste Fehler meines Lebens. Ich habe meine Familie verletzt, wollte ich doch nur schnell an Geld kommen, damit meine Frau eine ärztliche Behandlung bekommt“, sagte der Angeklagte. Die Ausführungen hielt das Gericht für glaubwürdig, doch bei der Urteilsfindung spielte es anschließend keine Rolle.

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Der Angeklagte Przemyslaw K. muss wegen schwerem Diebstahl für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis. Außerdem muss er sich wegen Urkundenfälschung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Fahren ohne gültige Kfz-Versicherung verantworten.

Autos hatten Gesamtwert von 90.000 Euro

Ihm wurde vorgeworfen wurde, am 3. September vergangenen Jahres an einem Autodiebstahl in Bischofswerda beteiligt gewesen zu sein. Gemeinsam mit mindestens zwei Mittätern soll der Pole in der Nacht vom 2. auf den 3. September zwischen 2 und 2.30 Uhr das Gelände des BMW-Autohauses auf der Bautzener Straße in Bischofswerda betreten und zwei BMW X5 im Gesamtwert von rund 90.000 Euro entwendet haben. Damit stand zunächst der Vorwurf im Raum, dass es sich um einen bandenmäßigen Diebstahl gehandelt habe.

Richter Dirk Hertle machte aber bereits vor der Verhandlung klar, dass es kein bandenmäßiger Diebstahl gewesen ist. Das sei bereits in einem Zwischenverfahren entschieden worden. Der Begriff der Bande trifft nur zu, wenn mindestens drei Personen mutwillig eine Straftat begehen. Das konnte nicht abschließend ermittelt werden und war deswegen kein Bestandteil der Anklage.

Der Angeklagte selbst sprach in der Hauptverhandlung am Dienstag lediglich von einem Mittäter, der ihn zu dem Diebstahl überredet haben soll. Er habe mitgemacht, weil er sich in einer wirtschaftlichen Notlage befunden haben soll. Seine Frau sei nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt und benötige eine ärztliche Behandlung. Auch habe er drei Kinder zu versorgen.„500 Euro sollte ich bekommen, wenn ich eines der Fahrzeuge von Deutschland nach Polen überführe“, sagte er in einem ausführlichen Geständnis.

Streit zwischen Staatsanwalt und Verteidiger

Das Aufbrechen der Autos, das Auswechseln der Steuerteile und das Anfertigen der falschen Schlüssel habe der Mittäter, den Przemyslaw K. mit Adrian ansprach und von einer gemeinsamen Haftzeit in Polen kannte, übernommen. Auch die Überwachungskameras soll der Mittäter mit schwarzer Farbe verschmiert haben, damit keine brauchbaren Bilder von der Tat gemacht werden können.

Der Angeklagte selbst habe auf einem Hügel nahe dem Autohaus auf ein Zeichen gewartet. Auf nicht ganz eindeutigen Bildern der Überwachungskamera soll aber auch er auf dem Gelände des Autohauses zu sehen sein. Diese Bilder sorgten bei der Beweisaufnahme zwischen dem Staatsanwalt und dem Verteidiger für einen Streit. Staatsanwalt Peter Rümmler nahm die Bilder nicht nur in Augenschein, sondern kommentierte sie. Dieses Verhalten ist aber unzulässig.

Vor allem Verteidiger Alexander Hübner störte sich daran. „Beim Augenschein beschreibt man nur das, was auf den Bildern zu sehen ist, und nicht, was man auf den Bildern vermutet. Da kann ich auch sagen, dass da keine Menschen auf den Bildern zu sehen sind“, sagte der Strafverteidiger. „Dann müssen sie halt eine Brille aufsetzen“, entgegnete der sichtlich verärgerte Staatsanwalt. „Ich weiß nicht, warum Sie jetzt so eine Schärfe hineinbringen, aber bitte“, sagte wiederum der Verteidiger. Daraufhin antwortete der Staatsanwalt: „Ich bringe sehr gern Schärfe rein. Jetzt habe ich erst richtig Spaß. Für mich ist das hier Sport.“ Richter Dirk Hertle hörte sich das Gespräch in Ruhe an und setzte dann die Verhandlung ohne einen Kommentar fort.

Mittäter noch auf der Flucht

Der Angeklagte führte weiter aus, dass er erst zu dem Auto gegangen sei, als ihn sein Landsmann gerufen habe. „Ich hatte aber Probleme, das Auto zu starten“, berichtete er. Der Mittäter, den die Polizei bisher nicht zu fassen bekommen hat, sei daraufhin zu ihm gekommen und habe gefragt, was denn los sei. „Ich habe ihm dann gesagt, dass ich mit der ganzen Technik des Autos nicht zurechtkomme.“ Der Mittäter soll dann in dem anderen Auto weggefahren sein, ohne auf den Angeklagten zu warten.

Er habe es dann geschafft loszufahren, doch auf der Fahrt Richtung Polen habe er immer wieder Probleme mit der Technik des BMW gehabt. Deswegen stellte er das Fahrzeug in einem Waldstück zwischen Gebelzig und Buchholz bei Weißenberg ab. Er wollte entlang der A 4 zu Fuß nach Polen gehen. Auf dem Parkplatz Am Wacheberg wurde er von der Polizei gestellt. Das Fahrzeug, welches einen wirtschaftlichen Totalschaden hatte, konnte sichergestellt werden. Der Angeklagte saß seitdem in Untersuchungshaft und muss jetzt für weitere eineinhalb Jahre ins Gefängnis.

Der Beitrag wurde am 19. Januar um 17.45 Uhr aktualisiert.

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