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Woher Pflegeheime im Kreis Bautzen Fachkräfte holen

Häuser in Bischofswerda, Ohorn und Pulsnitz suchen händeringend Personal - und haben jetzt 16 Mitarbeiter aus Asien einfliegen lassen.

Von Timotheus Eimert
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Die Philippinerin Grace Anne Oblena hilft Heimbewohnerin Renate Franke gern. Seit Oktober arbeitet sie im Pflegeheim Am Belmsdorfer Berg in Bischofswerda. Sie ist nicht die einzige aus dem südostasiatischen Land.
Die Philippinerin Grace Anne Oblena hilft Heimbewohnerin Renate Franke gern. Seit Oktober arbeitet sie im Pflegeheim Am Belmsdorfer Berg in Bischofswerda. Sie ist nicht die einzige aus dem südostasiatischen Land. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Grace Anne Oblena macht ihre Arbeit gern. Die Freude im Umgang mit den Bewohnern des Pflegeheims am Belmsdorfer Berg in Bischofswerda ist der 30-Jährigen anzumerken. „Nur leider verstehe ich manchmal nicht, was sie wollen“, sagt die gebürtige Philippinerin in gebrochenem, aber verständlichem Deutsch. „Ich möchte aber mit den Bewohnern sprechen, ihnen helfen.“

Oblena ist eine von 16 Pflegekräften von den Philippinen, die seit Anfang Oktober in Bischofswerda, Pulsnitz und Ohorn leben und arbeiten. „Sie helfen uns sehr weiter“, sagt Sascha Bock. „Alle haben eine abgeschlossene Berufsausbildung zum Krankenpfleger oder zur -pflegerin, sind also ausgebildete Fachkräfte“, erklärt der Geschäftsführer der Oberlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflege-Gesellschaft (OLPK), die neben Bischofswerda auch Heime in Neukirch und Großdubrau betreibt.

Doch ihr Abschluss ist in Deutschland noch nicht anerkannt, die Fachkräfte dürfen also nur pflegerische Hilfstätigkeiten erledigen. „Auf den Philippinen ist es so, dass die Ausbildung wie eine Art Studium mit einem Bachelorabschluss angelegt ist. Sie werden also vor allem in den Arbeiten, die nur eine Fachkraft machen darf, ausgebildet“, erklärt Bock. Das heißt unter anderem Spritzen aufziehen, setzen und Medikamente verabreichen. „In Deutschland ist aber vor allem die Pflege der Patienten ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung.“

Zwölf Pflegekräfte von den Philippinen für Schiebock

Innerhalb des nächsten Jahres sollen die philippinischen Pfleger und Pflegerinnen als Fachkraft arbeiten können. Dafür müssen sie mindestens das Sprachniveau B2 erreichen. Ein flüssiges Sprechen muss also möglich sein, und Inhalte der geschriebenen und gesprochenen Sprache müssen ausreichend verstanden werden. „Drei von ihnen haben es bereits“, sagt Bock. Dennoch würden auch sie die Sprachkurse besuchen. „Das kann nicht schaden, das Erlernte weiter zu festigen.“ Außerdem muss noch eine praktische Prüfung abgelegt werden.

Dass die OLPK zwölf Pflegekräfte von den Philippinen nach Bischofswerda und ihre Tochterfirma, die Westlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflege-Gesellschaft, vier weitere Fachkräfte nach Ohorn und Pulsnitz geholt haben, ist auf ein seit Langem bekanntes Problem zurückzuführen: Wie in fast allen Bereichen fehlen auch in der Pflege die Fachkräfte.

Ein Viertel der Pflegekräfte geht bis 2028 in Ruhestand

Für Sascha Bock wurde es bereits 2018 so richtig deutlich. „Wir haben uns damals die Alterspyramide unserer Mitarbeiter angeschaut und festgestellt, dass ein Viertel der Belegschaft bis 2028 in Ruhestand geht“, sagt er. Man bilde zwar regelmäßig aus, doch wenn man die natürliche Fluktuation mit einberechnet, „dann können wir das nicht nur mit einheimischen Arbeitskräften abfangen. So viel können wir gar nicht ausbilden, weil so viele junge Menschen gar nicht da sind, die in die Pflege gehen wollen.“ Er habe deswegen mit anderen Pflegeheimleitungen gesprochen, wie diese dem Fachkräftemangel entgegenwirken, so Bock. Die Lösung: Pflegekräfte aus dem Ausland.

Am 12. Oktober sind neun Pflegekräfte in Dresden mit dem Flugzeug angekommen. Sascha Bock (l.), Geschäftsführer der Oberlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflege-Gesellschaft, hat sie vom Flughafen abgeholt.
Am 12. Oktober sind neun Pflegekräfte in Dresden mit dem Flugzeug angekommen. Sascha Bock (l.), Geschäftsführer der Oberlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflege-Gesellschaft, hat sie vom Flughafen abgeholt. © Oberlausitz Pflegeheim & Kurzzei

Bei einer Tagung der SPD-Landtagsfraktion habe er dann Kontakt zur Firma Alpha Personal Care bekommen. Sie vermittelt Fachkräfte, die in ihren eigenen Ländern keine Arbeit finden, nach Deutschland. „Sie betreibt auf den Philippinen auch eine Sprachschule und bereitet die Fachkräfte so auf den deutschen Arbeitsmarkt vor“, sagt Bock. Im Januar 2020 habe er sich die Sprachschule vor Ort angeschaut. „Wir sind gemeinsam mit unserer Prokuristin Kerstin Mildner hingeflogen und zu der Überzeugung gelangt, dass daraus etwas entstehen kann.“

Philippiner verstehen die westliche Kultur sehr gut

Der Vorteil der Pflegekräfte aus dem Staat mit den 7.641 Inseln im westlichen Pazifischen Ozean: ihre Kultur. „85 Prozent der Menschen sind katholisch, neun Prozent protestantisch und nur ein kleiner Teil atheistisch oder muslimisch. Sie kennen also Weihnachten, Ostern und können sich gut in unsere westliche Kultur hineinversetzen. Das Wertesystem ist vergleichbar“, sagt Bock. Auf den Philippinen ist neben Filipino zudem Englisch Amtssprache. „Dadurch sprechen sie alle gutes Englisch und können durch diese Sprachverwandtschaft auch die deutsche Sprache relativ gut erlernen“, ist sich Sascha Bock sicher.

Über Skype habe er dann die ersten Bewerbungsgespräche geführt, und bereits im Sommer 2020 sollten die ersten Pflegekräfte in Bischofswerda anfangen. „Corona hat das leider etwas verhindert“, erklärt Bock. Nun sind die ersten philippinischen Arbeitskräfte in Bischofswerda, Ohorn und Pulsnitz angekommen. Weitere könnten folgen. „Wir würden es nicht machen, wenn die Notwendigkeit nicht da wäre“, sagt der Geschäftsführer. Man wolle nun schauen, wie das Projekt funktioniert. „Wir suchen weiterhin nach einheimischen Fachkräften. Doch dies allein wird nicht reichen. Wir benötigen mehr Arbeitskräfte in der Pflege, auch aus dem Ausland.“