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Das ist die Zukunft fürs Bischofswerdaer Land

Verkehr, Tourismus oder Bildung sollen in Schiebock und Umgebung besser werden. Dafür schließen sich die Stadt und sechs Gemeinden zusammen. Was sie planen.

Bischofswerdas Oberbürgermeister Holm Große trifft sich regelmäßig mit seinen Amtskollegen aus Großharthau, Burkau, Schmölln-Putzkau, Rammenau, Demitz-Thumitz und Frankenthal. Gemeinsam möchten sie die Region stärken.
Bischofswerdas Oberbürgermeister Holm Große trifft sich regelmäßig mit seinen Amtskollegen aus Großharthau, Burkau, Schmölln-Putzkau, Rammenau, Demitz-Thumitz und Frankenthal. Gemeinsam möchten sie die Region stärken. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Wer in der Gemeinde Großharthau heiraten möchte, muss zum Standesamt nach Bischofswerda. Das ist für die Großharthauer mittlerweile völlig normal und auch kein Problem. Für Bürgermeister Jens Krauße (SPD) ist dies eines der positiven Beispiele, bei denen die Zusammenarbeit zwischen Bischofswerda und den umliegenden Gemeinden bereits jetzt gut funktioniert.

Deswegen wollen die Kommunen zukünftig noch enger zusammenarbeiten. Dafür entwickeln die Gemeinden Großharthau, Burkau, Schmölln-Putzkau, Rammenau, Demitz-Thumitz, Frankenthal sowie die Stadt Bischofswerda derzeit einen gemeinsamen Entwicklungsplan unter dem Namen „Bischofswerdaer Land“. Federführend ist dabei die Stadt Bischofswerda.

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Aber was bedeutet dieses Regionalentwicklungskonzept „Bischofswerdaer Land“ konkret für die Menschen? Letztendlich haben sich die Gemeinden darauf verständigt, eine gemeinsame Strategie für die Entwicklung der Region für die nächsten zehn bis 15 Jahren zu erarbeiten. „Das Bischofswerdaer Land ist eine homogene und gewachsene Region mit rund 25.000 Einwohnern. Deshalb sollte man die Kräfte vereinen“, sagt Bischofswerdas Oberbürgermeister Holm Große (parteilos).

Bischofswerda soll wieder Mittelzentrum werden

Amtskollege Sebastian Hein (CDU) aus Burkau fasst es so zusammen: „Gemeinsam sind wir stärker und repräsentieren ein größeres Gebiet.“ Ressourcen würden so besser gebündelt werden. So könne man beispielsweise bei der Siedlungsentwicklung enger zusammenarbeiten. Denn immer wieder komme es dort in den Kommunen zu Problemen. Jens Krauße sagt: „Ich kann für meine Gemeinde eigentlich keinen Wohnraum mehr ausweisen, weil es dem Landesentwicklungsplan des Freistaates Sachsen widerspricht.“

Dieser Plan wird vom sächsischen Innenministerium erstellt und soll eine wirtschaftlich, sozial und ökologisch ausgewogene räumliche Entwicklung der Kommunen in Sachsen ermöglichen. Er gibt damit den Rahmen für die Städte und Gemeinden vor, wie schnell und auf welchen Gebieten sie sich entwickeln dürfen. So legt er beispielsweise fest, welche Orte Grund-, Mittel- und Oberzentren sind. In Sachsen gibt es derzeit sechs Oberzentren: Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Plauen und Bautzen-Hoyerswerda.

Zu den Mittelzentren den Landkreises Bautzen gehören derzeit Kamenz und Radeberg. Bischofswerda gehört bereits seit den 1990er-Jahren auf dem Papier nicht mehr dazu. Das spielt zum Beispiel bei der Größe von Einkaufsmärkten eine Rolle. So dürfen diese in einem Grundzentrum nicht größer als 800 Quadratmeter sein. „Faktisch sind wir jetzt wieder ein Mittelzentrum. Wir erfüllen alle Aufgaben, aber sind laut dem Landesentwicklungsplan offiziell ein Grundzentrum. Das muss sich ändern“, erklärt der Oberbürgermeister.

Nahverkehr soll attraktiver werden

Auch deswegen sei ein gemeinsamer Entwicklungsplan wichtig. „Immerhin repräsentieren wir den alten Landkreis Bischofswerda“, sagt Jens Glowienka (CDU). Erst seit dem 1. Dezember ist er Bürgermeister der Gemeinde Demitz-Thumitz. Auch für ihn ist die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden sehr wichtig: „Wir wollen uns wieder stärker vernetzen. Das ist in meinen Augen selbstverständlich, denn räumlich und kulturell sind wir eng verbunden.“

Für ihn sind positive Beispiele: die gemeinsame Wasserversorgung und ein gemeinsamer Tourismusverband. Weitere Felder, auf denen man künftig enger zusammenarbeiten möchte, sind laut dem ersten Konzept unter anderem Bildung, digitale Infrastruktur, Kultur, Freizeit, Tourismus, Land- und Forstwirtschaft, Klima und Umwelt.

Vor allem aber wolle man das Thema Öffentlicher Personennahverkehr angehen. „Derzeit müssen die Bürger Tickets für zwei Verbundräume kaufen, wenn sie nach Dresden fahren wollen. Das ist doch nicht attraktiv“, sagt Jens Krauße, der dabei ein Beispiel aus dem Stuttgarter Raum nennt. „Die Stadt Schorndorf ist von Stuttgart etwa genauso weit entfernt wie Bischofswerda von Dresden. Dort gibt es eine S-Bahn, und die Stadt ist auch sonst super an den Großraum Stuttgart angebunden. Warum ist das hier nur so schwer möglich?“, fragt Großharthaus Bürgermeister.

Bessere Anbindung ans Elbtal gewünscht

Holm Große nannte bereits vor einigen Wochen im Interview mit Sächsische.de ein deutlich näheres Beispiel. „Warum fühlt der Dresdener, dass Pirna näher liegt als Bischofswerda, obwohl es dieselbe Entfernung ist?“, fragte er und gab gleich selbst die Antwort: „Weil Pirna im S-Bahn-Netz ist.“ Jens Krauße kann das nur unterstreichen: „Eine bessere Anbindung ans Elbtal ist uns ganz wichtig. Die Menschen orientieren sich mehr nach Dresden.“

Diesen konkreten Anliegen sollen in den Regionalentwicklungsplan einfließen. Bis 2022 soll ein gemeinsames Konzept erstellt und teilweise schon umgesetzt werden. Die Kosten belaufen sich auf 80.000 Euro und werden mit einem Fördersatz von 75 Prozent vom Freistaat unterstützt.

Derzeit warte man aber noch auf die Zusage des Innenministeriums zur Förderung. Erst dann könne man weiterplanen. Aber man sei bereits jetzt intensiv im Austausch. Im Februar soll es ein gemeinsames Treffen aller sieben Bürgermeister geben. Dort werde über die nächsten Schritte beraten.

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