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Corona: So läuft es im kleinsten Zoo Sachsens

Seit November darf der Tierpark Bischofswerda keine Besucher empfangen. Die Kosten laufen aber weiter. Was die Leiterin dennoch optimistisch stimmt.

Tierparkleiterin Silvia Berger füttert die Alpakas Bruno, Nesquik und Flocke. Besucher dürfen aufgrund der aktuellen Corona-Regeln derzeit nicht in den kleinsten Zoo Sachsens.
Tierparkleiterin Silvia Berger füttert die Alpakas Bruno, Nesquik und Flocke. Besucher dürfen aufgrund der aktuellen Corona-Regeln derzeit nicht in den kleinsten Zoo Sachsens. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Über einen Berg von Pfirsichen, Melone, Äpfeln und ein Glas Honig hätten sich die beiden Braunbären im Tierpark Bischofswerda besonders gefreut, berichtet Leiterin Silvia Berger. Die Bären, die nach Figuren des bekannten Dschungelbuchs benannt sind, haben beide im Januar Geburtstag. Balu wurde am 12. Januar 19 Jahre und seine Partnerin Jane eine Woche später 25 Jahre alt. Da beide zu den Publikumsmagneten gehören, sind an diesen Tagen normalerweise einige Besucher im Tierpark und schauen den Bären beim Geburtstagsschmaus zu, erzählt Silvia Berger, die seit 2002 den Tierpark leitet.

Doch in diesem Jahr mussten die Besucher draußen bleiben. „Leider“, wie die Leiterin des kleinsten Zoos in Sachsen betont. Aufgrund des Corona-Lockdowns darf der Tierpark wie andere zoologische Gärten seit November keine Besucher empfangen. Das schlägt sich auch auf die Bilanz nieder. Zahlen will Silvia Berger nicht nennen. „Das Jahr hat erst begonnen“, sagt sie. „Wir bekommen ein festes Budget von der Stadt Bischofswerda und vom Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien. Damit wirtschaften wir derzeit.“

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Tierpatenschaften sind eine große Hilfe

Das allein reiche aber nicht aus. Der Tierpark sei auf Eintrittsgelder und Spenden angewiesen. „Besonders die Tierpatenschaften sind uns eine große Hilfe, gerade jetzt in dieser schwierigeren Zeit, in der Eintrittsgelder fehlen“, sagt Silvia Berger. Dabei übernimmt der Pate für einen bestimmten Zeitraum Teile der Unterhaltungskosten für ein Tier. „Diese Einnahmen sind zweckgebunden und kommen nur dem Tier zugute“, versichert die 59-Jährige, die seit 1991 im Tierpark arbeitet. Die Mindestdauer einer Patenschaft betrage einen Monat. „Als Dank gibt es eine Urkunde und ein Schild am Gehege“, sagt Silvia Berger. Und steuerlich absetzbar seien die Spenden zudem.

Braunbär Balu feierte am 12. Januar seinen 19. Geburtstag. Er durfte sich über einen Berg mit Pfirsichen, Melone und Äpfeln sowie ein Glas Honig freuen.
Braunbär Balu feierte am 12. Januar seinen 19. Geburtstag. Er durfte sich über einen Berg mit Pfirsichen, Melone und Äpfeln sowie ein Glas Honig freuen. © SZ/Uwe Soeder

Derzeit habe der Tierpark 83 Patenschaften. Sechs davon haben allein die Braunbären Jane und Balu. Für sie kostet eine Patenschaft 360 Euro im Jahr. Für Steinkauze, Schneeeule oder Geflügeltiere bezahlt man dagegen nur 60 Euro jährlich. Für rund 200 Tiere aus 60 verschiedenen Arten kann man eine Patenschaft erwerben.

Tierfutterspenden statt Silvesterfeuerwerk

Aber nicht nur Patenschaften würden helfen; auch Tierfutterspenden sind gern gesehen. „Erst vor Kurzem brachte uns eine langjährige Tierparkbesucherin drei Säcke mit Futtermöhren“, erzählt Silvia Berger. Auch eine Begegnung zum Jahreswechsel ist ihr in besonderer Erinnerung geblieben. „Eine Familie hat uns zwei Heuballen spendiert. Eigentlich hätte sie das Geld für ein Silvesterfeuerwerk ausgegeben, aber das ist ja diesmal bekanntermaßen ausgefallen.“

Weniger Arbeit gebe es durch den Lockdown aber nicht. Die Tiere müssen dennoch jeden Tag versorgt werden. Auch stehen verschiedene Reparaturen und Sanierungen der Gehege an. Durch den Wintereinbruch in den letzten Tagen mussten diese Arbeiten im wahrsten Sinne des Wortes aber vorerst auf Eis gelegt werden. „Da es derzeit keinen Besucherverkehr gibt, können wir etwas mehr Zeit für diese Arbeiten einplanen. Da kommt uns diese Zeit etwas entgegen. Aber natürlich hätte ich lieber Besucher im Tierpark“, sagt Silvia Berger.

Eine Tierpatenschaft für den Luchs kostet im Jahr 240 Euro. Der Tierpark ist auf solche Spenden angewiesen.
Eine Tierpatenschaft für den Luchs kostet im Jahr 240 Euro. Der Tierpark ist auf solche Spenden angewiesen. © SZ/Uwe Soeder

Die Leiterin versucht, trotz der schwierigen Situation positiv zu denken. Einige schlaflose Nächte habe sie gehabt. „Doch es hilft nichts, wir hoffen auf bessere Zeiten“, sagt sie und blickt nach vorn: „Wir haben schon Ideen im Kopf für den Zeitpunkt, wenn wir wieder Besucher empfangen dürfen.“ Für den Sommer plane man schon jetzt kleinere Projekte udn Aktionen.

So wolle man zum Beispiel eine neue Alpaka-Trekking-Route durch Bischofswerda anbieten. „Die Tour mit den Alpakas war in den letzten Jahren immer sehr beliebt, und wir hoffen, dass wir im Frühjahr die neue Route in unser Angebot aufnehmen können“, sagt Silvia Berger.

Unterstützung durch vier Ehrenamtler

Auch an einer neuen Familien-Erlebnistour durch den Tierpark werde derzeit gearbeitet. Familien sollen künftig anhand eines Flyers den Park selbstständig entdecken. Zusammengestellt wird der Flyer von zwei Mädchen, die im Tierpark ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren. Und auch sonst gibt es Unterstützung. „Derzeit arbeiten bei uns neben den sechs Festangestellten und den beiden FÖJlerinnen vier ehrenamtliche Helfer“, sagt Silvia Berger.

Erst vor gut einer Woche gab es bei den Zwergziegen Nachwuchs. Für die Kleintiere sucht der Tierpark noch nach einem Tierpaten.
Erst vor gut einer Woche gab es bei den Zwergziegen Nachwuchs. Für die Kleintiere sucht der Tierpark noch nach einem Tierpaten. © SZ/Uwe Soeder

Das helfe enorm weiter. Denn im Moment fehlen einige Mitarbeiter. „Normalerweise haben wir bei uns zehn Außenarbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Sie sind bei unserem Träger, der Lebenshilfe Bischofswerda, angestellt, dürfen aber aufgrund der aktuellen Corona-Regeln derzeit nicht arbeiten. Wir hoffen, dass sich das bald wieder ändert“, sagt Silvia Berger. Auch deswegen sucht der Tierpark nach Ehrenamtlichen aus der Region, die sich für die Arbeit mit Tieren interessieren. „Wir haben auch einen Ehrenamtler, der regelmäßig Transportdienste übernimmt. Auch so etwas ist möglich“, erklärt die Leiterin.

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