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Der Züchter der besonderen Pferde

Auch mit 68 Jahren ist Norbert Krüger täglich bei seinen Tieren auf der Weide. Er hat sich für eine Rasse entschieden, die in Sachsen selten ist.

Norbet Krüger ist passionierter Pferdenarr. Seit der Wende züchtet er Vollblutaraber. Typisch für die edle Rasse sind die großen, ausdrucksstarken Augen.
Norbet Krüger ist passionierter Pferdenarr. Seit der Wende züchtet er Vollblutaraber. Typisch für die edle Rasse sind die großen, ausdrucksstarken Augen. © Foto: Steffen Unger

Rammenau. Schon am Morgen die eigenen Pferde auf der Koppel besuchen, in ihnen vierbeinige Freunde sehen, sie beobachten, mit ihnen schmusen und dabei allen Stress hinter sich lassen – das ist ein Leben, wovon sicherlich viele träumen. Für Norbert und Katja Krüger ist dieser Traum Realität. Die Rammenauer züchten Pferde. Aber nicht irgendwelche: Es sind Vollblutaraber. Typisch für die Rasse sind große, ausdrucksstarke Augen. Zudem bestechen sie durch ihre extrem elegante Körperform. Der hoch aufgesetzte Hals und hoch angesetzte Schweif verleihen den Arabern ihr edles Auftreten.

Die Rasse ist in Sachsen eher weniger verbreitet, obwohl sie als pflegeleicht gelten. „Das ist schade, es sind so tolle Pferde“, so Norbert Krüger. Aufgrund ihrer ursprünglichen Herkunft aus der Wüste sind sie sehr robust und bestens für die Haltung auf der Weide und im Offenstall geeignet. „Araber haben aber vor allem einen tollen Charakter.“ Sie sind sehr menschenbezogen, ruhig und ausdauernd. Eigenschaften, die sie zu einer beliebten Freizeitpferderasse machen. Wenn sie mit viel Zeit und Liebe aufgezogen werden, wie es bei den Rammenauern der Fall ist, sind es absolute Familienpferde. 

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Angefangen hat alles mit einem Arbeitspferd

Angefangen habe alles mit einem Bergpferd erzählt der Rammenauer mit dem wettergegerbten Gesicht und schlohweißem Haupt- und Barthaar, der damals als Schäfer arbeitete. Das habe er vor 34 Jahren gekauft, um es beim Koppelbau leichter zu haben. „Die Winkelpfähle allein den Berg hochzuschleppen, war ziemlich schwer.“ Nach der Wende wollten er und seine Frau dann selbst Pferde züchten und suchten nach einer geeigneten Rasse. Die fanden sie schließlich in den Arabern. Schnell war ihre Leidenschaft für die edlen Tiere entfacht.

Ihre Vierbeiner haben auf dem weitläufigen Anwesen geradezu ideale Bedingungen. Vor reichlich zehn Jahren ersteigerten Krügers die rund acht Hektar Land am Oberrammenauer Weg. Früher war dies das Herzstück des in Insolvenz gegangenen Golfplatzes Rammenau. Die Versteigerung kam wie gerufen. Denn die Pacht für ihre Koppel- und Weideflächen, die sie bis dato in Hauswalde hatten, wurde vom Eigentümer gekündigt. Das Paar sanierte das auf dem ehemaligen Golfplatzgelände befindliche marode Umgebindehaus und zog dort ein. Ihre Tiere brachten sie mit. Sie haben hier Licht, Luft, Bewegung, Sozialkontakt und Futter – womit alle Grundbedürfnisse umfassend erfüllt sind. Auch durch das nahezu autarke Leben im Herdenverbund. „Unsere Tiere sehen nicht immer wie frisch geputzt aus“, sagt Katja Krüger. Reitstallcharakter sei auch nicht ihr Anspruch. „Uns geht es um Natürlichkeit.“

Das Vollblutarabergestüt liegt in unweit des Barockschlosses, idyllisch umgeben von Wiesen und Feldern. Mittendurch führt der Wanderweg rund ums Schloss. Das bringe viele schöne Begegnungen mit sich, verrät Katja Krüger, die – ehemaliges Stadtkind – durch ihren Mann zu Vierbeinern und Natur fand. Die Vorbeikommenden können nicht nur fünf Stuten, zwei Hengste und drei Wallache bestaunen, sondern auch eine Mini-Schafherde. Kein Wunder. „Der Schäfer steckt noch immer drin.“ 

Ein Hengst wurde ausgezeichnet

Ihr Mann sei ein absoluter Naturmensch. Deshalb gehören auch noch weitere Vierbeiner, wie Hofhund Lotti oder Hütehund Nelly zur Familie. Ich hätte nie geglaubt, wie beruhigend es ist, einfach nur dazusitzen und Tiere zu beobachten“, erzählt die 51-Jährige, die im Hauptberuf Krankenschwester im Schichtsystem ist. Für sie ist das Hobby auch Ausgleich zum stressigen Job. Doch leider gebe es nicht nur freundliche Mitmenschen. Diese Erfahrung mache sie zunehmend. „Und das macht mir ein wenig Bauchschmerzen.“ 

Eine Menge Arbeit macht die Tierhaltung trotz Weidehaltung, aber wem an Zucht und Tieren etwas liege, der verbringe auch gerne Zeit damit, so der gebürtige Greifswalder. Geld sei nicht der Grund, wieso er ständig ackert, statt die Hände in den Schoß zu legen. Er habe einfach Spaß an der Arbeit mit den Tieren. „Und natürlich freue ich mich auch, wenn aus den Fohlen ein tolles Pferd wird.“ Früher seien sie zudem noch zu Hengstschauen gefahren, erzählt Katja Krüger. Einer ihrer Hengste wurde auch prämiert. Doch das ist vorbei. „Den Stress tun wir uns und den Tieren nicht mehr an.“ Sie seien glücklich mit ihren Pferden. Einzig das zähle.

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