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Die Wege zum Kinderarzt werden länger

In Bischofswerda fällt eine Ärztin aus. Für geplante Untersuchungen müssen ihre Patienten in andere Praxen fahren. Die Entfernung ist nicht das einzige Problem.

Annekatrin Düring aus der Nähe von Bischofswerda musste jetzt für ihren Sohn einen neuen Kinderarzt suchen. Den hat sie auch gefunden, allerdings in 25 und nicht mehr in vier Kilometern Entfernung.
Annekatrin Düring aus der Nähe von Bischofswerda musste jetzt für ihren Sohn einen neuen Kinderarzt suchen. Den hat sie auch gefunden, allerdings in 25 und nicht mehr in vier Kilometern Entfernung. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Ende Januar muss Annekatrin Düring aus Schönbrunn mit ihrem Sohn wieder zum Kinderarzt. Allerdings führt ihr Weg dann nicht mehr in die nahe gelegene Praxis des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Bischofswerda. „Mitte Dezember hat man mir dort mitgeteilt, dass ich mir einen anderen Arzt suchen muss", berichtet sie. Ihre bisherige Kinderärztin erwartet ein Kind und befindet sich deshalb im Beschäftigungsverbot. Die Mutter war wegen einer akuten Erkrankung ihres 15 Monate alten Kindes dort.

Das bestätigt Kristin Bartke, Handlungsbevollmächtigte des MVZ. Die Kinderärztin werde voraussichtlich noch 18 Monate nicht zur Verfügung stehen. „Wir sind bestrebt, schnellstmöglich eine Vertretung zu bekommen und die Patienten auch weiterhin zu betreuen“, teilt Kristin Bartke mit.

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Neuer Arzt ist rund 25 Kilometer entfernt

Markus Grohmann, der zweite Kinderarzt in der Praxis, könne nicht alle geplanten Untersuchungen seiner Kollegin übernehmen. „Akut erkrankte Patienten werden natürlich auch weiterhin betreut, soweit dies für Herrn Grohmann möglich ist“, fügt Kristin Bartke hinzu. Wichtig sei, dass diese sich telefonisch anmelden, da die Sprechzeiten wegen des Pandemiegeschehens eingeschränkt seien.

Annekatrin Düring hat einen neuen Kinderarzt gefunden, allerdings rund 25 Kilometer entfernt in Obergurig. „Im Juni bekomme ich mein zweites Kind, und mit einem Säugling will ich eigentlich nicht so weit bis zum Arzt fahren.“ Dass sie in der Praxis von Martin Völker überhaupt aufgenommen wurde, habe sie natürlich trotzdem gefreut.

Die Praxis in Obergurig sei die letzte auf ihrer Liste gewesen. „Alle, die ich vorher angerufen hatte, haben mir abgesagt.“ Im MVZ Bischofswerda habe man ihr mitgeteilt, dass die umliegenden Praxen über die Lage informiert seien. Diesen Eindruck habe Annekatrin Düring allerdings nicht gehabt.

Praxen im Oberland übernehmen Patienten

Martin Völker, der auch Obmann der Kinderärzte im Landkreis Bautzen ist, sagt dazu: „Es gibt die klare Absprache, dass die Kinderärzte im Oberland Patienten aus Bischofswerda übernehmen.“ Die Praxen in Wilthen und Kirschau hätten das bereits getan, erklärt Martin Völker. Und auch bei ihm bekomme jeder eine ärztliche Versorgung.

Ihm sei aber klar, dass die Situation schwierig ist. Für die Stadt Bautzen hatte Sächsische.de bereits im Rahmen des Familienkompasses über die Suche nach Kinderärzten berichtet.

Zudem gehe Gunter Neumann, Kinderarzt in Neukirch/Lausitz, Ende Januar in den Ruhestand. Auch seine Patienten sollen dann in den anderen Praxen im Oberland behandelt werden - und theoretisch in Bischofswerda.

Keine neuen Kinderärzte wegen Überversorgung

Für die kassenärztliche Vereinigung in Sachen (KVS) gebe es keine Probleme mit der Anzahl an Kinderärzten im Landkreis Bautzen. Sprecher André Reiche antwortet auf Anfrage, dass „für Kinderärzte gegenwärtig Zulassungsbeschränkungen wegen Überversorgung“ bestehen.

Wie weit der nächste Kinderarzt entfernt sein und wie viele Patienten er behandeln sollte, unterliege keinen konkreten Regeln, teilt der der KVS-Sprecher weiter mit. „Es ist allerdings anstrebenswert und wird von uns so auch möglichst umgesetzt, dass eine wohnortnahe kinderärztliche Versorgung gegeben ist.“ Wohnortnah in ländlichen Gebieten müsse aber anders definiert werden als in Großstädten. „Die zumutbaren Wege zum niedergelassenen Arzt sind außerhalb der Großstädte traditionell länger.“

Kinderarzt Martin Völker hat Verständnis für die Situation der Eltern. Nicht alle seien mobil und wollen so weit zum nächsten Kinderarzt fahren, wie etwa Annekatrin Düring das jetzt tun müsse. „Es gibt aber auch Regionen in Deutschland, da sind 30 Kilometer nicht ungewöhnlich.“ Man habe der Kassenärztlichen Vereinigung im vergangenen Jahr allerdings signalisiert, dass es einen weiteren Kinderarzt in Bautzen oder Bischofswerda bräuchte.

Knapp 1.700 Patienten für einen Kinderarzt

Laut dem Obmann der Kinderärzte würden in Sachsen pro Quartal und Praxis etwa 1.200 Kinder und Jugendliche behandelt, auch wenn diese Zahl nur bedingt für die derzeitige Lage durch die Corona-Pandemie gelte.

Fakt ist, dass es in Bischofswerda aktuell einen statt zwei Kinderärzte gibt und dieser sich theoretisch um knapp 1.700 Patienten kümmern müsste. So viele Menschen bis zum 18. Lebensjahr lebten zumindest Anfang 2020 in der Stadt, die umliegenden Gemeinden nicht mitgezählt. Im gesamten Landkreis Bautzen werden es ab Februar 22 Kinderärzte für rund 48.000 Patienten sein.

Annekatrin Düring hofft, dass es in Bischofswerda bald wieder einen zweiten Kinderarzt gibt. Erst Anfang des Jahres habe man ihr im MVZ bestätigt, dass sie derzeit hier nicht behandelt werden könne. Bis zum Juni, wenn sie ihr zweites Kind erwartet, wolle man aber einen neuen Kinderarzt gefunden haben.

Dieser Beitrag wurde am 6. Januar 2021, um 12 Uhr, korrigiert. In der vorherigen Fassung stand, dass sich die Kinderärztin in Radibor (Dr. Jadwiga Walde) wegen Schwangerschaft im Beschäftigungsverbot befindet. Das ist nicht der Fall. Sie ist im Dienst und ihre Praxis geöffnet.

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