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Was macht ein Metalldrücker beim Herbstzauber?

Thomas Philipp aus Großröhrsdorf hat einen seltenen Beruf. Den stellt er am Wochenende auf der Lifestyle-Messe in Großharthau vor.

Von Timotheus Eimert
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Thomas Philipp hat einen sehr seltenen Beruf. Er ist Metalldrücker und formt Kupfer, Messing, Bronze und Edelmetalle. Das zeigt er zurzeit auch bei der Messe Herbstzauber in Großharthau.
Thomas Philipp hat einen sehr seltenen Beruf. Er ist Metalldrücker und formt Kupfer, Messing, Bronze und Edelmetalle. Das zeigt er zurzeit auch bei der Messe Herbstzauber in Großharthau. © Steffen Unger

Großharthau. Das Sturmtief, das am Donnerstag durch den Landkreis Bautzen fegte, hat auch bei der Lifestyle-Messe Lebensart „Herbstzauber“ im Großharthauer Schlosspark Schaden angerichtet. Noch am Donnerstagabend wurden Bäume gefällt und Äste beschnitten, wie Großharthaus Bürgermeister Jens Krauße (SPD) mitteilt. „Wir sind sehr froh, dass die Messe nun stattfinden kann“, sagt Sabine Hill, Pressesprecherin des Lübecker Veranstalters „Das AgenturHaus“.

Einen ähnlichen Herbststurm hatte es auch 2017 gegeben. Damals musste der Herbstzauber abgebrochen werden. Betroffen von den damaligen Sturmschäden war auch Metalldrücker Thomas Philipp aus Großröhrsdorf. Sein Zelt wurde schwer beschädigt. In den nächsten Jahren sagte er seinen Besuch in Großharthau deswegen ab.

Beim VEB Leuchtenbau in Arnsdorf gelernt

In diesem Jahr ist er nun erstmals wieder dabei. „Zum Glück ist der Sturm diesmal schon vorbei“, meint er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Sein Beruf als Metalldrücker ist ein sehr seltener in Deutschland. „Im Großraum Dresden gibt es außer mir noch zwei weitere selbstständige Metalldrücker“, erzählt Thomas Philipp. Er formt Kupfer, Messing, Bronze und Edelmetalle mit den verschiedenen Techniken der Metallverarbeitung, des Lötens und Schweißens und mit der Metalldrückbank, auf der metallische Hohlkörper gedrückt werden. Es gebe aber auch noch Firmen, die Metalldrücker beschäftigen, um einen bestimmten Arbeitsschritt abzusichern. Firmen wie Varialux in Arnsdorf zum Beispiel.

Bei den Leuchtenbauern dort hat Thomas Philipp 1981 bis 1983 das Metalldrücken erlernt. Damals hieß das Unternehmen noch VEB Leuchtenbau. „Ich habe dort knapp ein halbes Jahr gearbeitet, ehe ich gesundheitliche Probleme bekam“, erzählt Philipp, der heute passionierter Triathlet ist.

Damals muss er das Metalldrücken aufgeben, arbeitet fortan in anderen Berufen. „Nach der Wende bin ich auf den Bau, war als Installateur und Klempner tätig.“ Doch das Metalldrücken lässt ihn nicht los. Bereits Anfang der 1990er-Jahre kauft er sich eine Metalldrückmaschine und baut sich einen Kundenstamm auf. „Ich habe kleinere Aufträge erfüllt, aber vor allem viel experimentiert.“

Radblenden für alte Fiats und Ferraris

2000 fängt er wieder bei Varialux als Metalldrücker an, 2014 macht er sich selbstständig. „Der Schritt fiel mir nicht schwer.“ Da sein Beruf heute so selten ist, erhalte er Spezialaufgaben aus ganz Deutschland. Erst vor Kurzem sollte er für ein Aida-Kreuzfahrtschiff Tischrosetten bauen. „Oft weiß ich gar nicht, in welchem Produkt meine gefertigten Teile am Ende stecken. Das war hier anders.“

Vor allem deswegen freue er sich immer wieder, wenn die Aufgaben sehr speziell sind. Für die Firma Dinoparts hat er gemeinsam mit einem befreundeten Werkzeugmacher historische Radblenden nachgebaut. Dinoparts restauriert alte Fiats und Ferraris. „Wir haben gedacht, dass sie uns nicht noch einmal beauftragen. Doch im nächsten Jahr wollten sie wieder 100 Radblenden kaufen. So schlecht kann die Arbeit also nicht gewesen sein“, erzählt Philipp. Auch einen Kotflügel für ein DKW-Motorrad hat der Handwerker mit einem Karosseriebauer schon entwickelt.

Kaffeemühlen-Deckel für Portugal

Die Aufgaben eines Metalldrückers sind sehr abwechslungsreich. „Egal, ob für Kirchen ein Taufbecken, Kirchenleuchter oder eine Kirchturmkugel. Oder einen Deckel für alte Kaffeemaschinen. Ich habe fast alles schon gemacht.“

Vor einiger Zeit habe er einen Auftrag aus Portugal erhalten. „Ich sollte einen Deckel für eine spezielle Kaffeemühle bauen.“ Mittlerweile produziert er für den Kunden von der iberischen Halbinsel 50 bis 100 Stück im Jahr. Diese Anfragen ehrten ihn sehr, sagt er. „Denn: Wer bin ich denn? Ich bin eigentlich ein Niemand, aber ich bekomme Anfragen von großen Firmen, und meine Arbeit wird geschätzt.“

Philipp arbeitet auch mit anderen Betrieben zusammen, um gemeinsam Handwerksprodukte auf den Markt zu bringen. In Großharthau bietet er zum Beispiel ein Schmelzlicht an. Die Schale dafür kommt von der Töpferei Frommhold aus Königsbrück und von zwei weiteren Töpfern. Philipp hat die Metallform, in der der Docht sitzt, angefertigt. „Gemeinsam haben wir die Idee entwickelt, so ein Tischfeuer für den Garten oder den Hausgebrauch zu bauen.“

Noch bis Sonntag, 18 Uhr, präsentieren sich der Metalldrücker und rund 130 weitere Aussteller auf der Herbstzauber-Messe im Schlosspark Großharthau.

Der Eintritt für Erwachsene beträgt neun Euro, das Parken auf den ausgewiesenen Plätzen ist bereits inklusive. Kinder bis einschließlich 15 Jahre erhalten in Begleitung Erwachsener freien Eintritt. Der Veranstalter empfiehlt, die Tickets vorab online zu kaufen. Es gilt die 3G-Regel.