SZ + Bischofswerda
Merken

Neue Physiotherapie öffnet in Großharthau

Die Praxis für Schmerzmedizin von Frank und Annett Hessler im Ortsteil Bühlau wird erweitert. So profitieren die Patienten davon.

Von Timotheus Eimert
 4 Min.
Teilen
Folgen
Aniko Willkommen (l.) ist die neue Physiotherapeutin in der Praxis für Schmerz- und Psychotherapie und Stressmedizin von Frank und Annett Hessler im Großharthauer Ortsteil Bühlau.
Aniko Willkommen (l.) ist die neue Physiotherapeutin in der Praxis für Schmerz- und Psychotherapie und Stressmedizin von Frank und Annett Hessler im Großharthauer Ortsteil Bühlau. © Steffen Unger

Großharthau. Als Frank Hessler vor knapp dreieinhalb Jahren im Großharthauer Ortsteil Bühlau seine Schmerz- und Psychotherapiepraxis eröffnete, wollte der Arzt daraus ein kleines Schmerztherapiezentrum entstehen lassen. „Ich war leitender Oberarzt in der Freitaler Klinik und konnte dort eine multimodale Schmerztherapie aufbauen. Das wollte ich auch im ambulanten Bereich schaffen“, erzählt der Facharzt für Anästhesie und ausgebildete Schmerztherapeut.

Multimodal bedeutet in diesem Zusammenhang, dass seine Methoden aus verschiedenen Teilen bestehen und die Einheit von Körper, Geist und Seele berücksichtigen. „Neben den schulmedizinischen Verfahren nutze ich auch die Erkenntnisse aus Osteopathie, Kinesiologie, Akupunktur, Hypnose, Körperpsychotherapie, Spiraldynamik, Faszientherapie und Ernährungstherapie“, zählt er auf.

Seine Frau Annett führte zur Eröffnung 2018 schon drei Jahre eine Praxis für Osteopathie in Bühlau. Dafür hatte das Ehepaar ein früheres Herrenhaus eines ehemaligen Vierseithofes gekauft und saniert, um darin zu wohnen und zu arbeiten. „Unser Traum war es aber immer, dass wir um uns herum auch ein kleines Team von Experten versammeln“, erzählt Annett Hessler.

Dieses Team wird ab dem 1. November etwas größer. Denn dann wird auf dem Hof eine neue Physiotherapie eröffnen. „Dafür haben wir einen Teil der ehemaligen Scheune behindertengerecht ausgebaut“, berichtet Frank Hessler.

Arzt und Physiotherapeutin sind im direkten Austausch

Die neue Physiotherapeutin heißt Aniko Willkommen und arbeitet seit 20 Jahren in dem Beruf. „Ich war vorher in einer Praxis in Stoplen angestellt und habe eine andere Herausforderung gesucht“, erzählt die 43-Jährige. Besonders gereizt habe sie dabei der Anspruch der Hesslers, den ganzen Körper bei der Therapie von Schmerzen zu berücksichtigen und nicht nur die Symptome zu behandeln. „Ich empfand dies als den passenden nächsten Schritt für mich“, sagt die Langenwolmsdorferin.

Vorher hatten Frank und Annett Hessler mit vielen regionalen Physiotherapien zusammengearbeitet. „Und das soll auch weiterhin so bleiben. Wir wollen dieses Netzwerk weiter ausbauen. Doch die Anstellung einer eigenen Physiotherapeutin hat viele Vorteile“, sagt Annett Hessler, und ihr Ehemann ergänzt: „Der Behandlungsverlauf kann besser abgesprochen werden. So können wir schneller und individueller auf die Probleme der Patienten eingehen.“

Aniko Willkommen drückt es folgendermaßen aus: „Ich kann dem Arzt durch die direkte Nähe sofort Rückmeldung geben, ob und wie die empfohlene Therapie anschlägt. Und ich selbst bekomme sofort Hinweis vom Arzt, was ich wie mit dem Patienten machen soll.“

Willkommen behandelt dabei aber nicht nur chronische Schmerzpatienten. „Zu mir kann eigentlich jeder kommen, der eine physiotherapeutische Behandlung braucht. Das können zum Beispiel Menschen sein, die nach einer Verletzung mobilisiert werden müssen oder von ihrem Hausarzt Krankengymnastik verschrieben bekommen haben.“

23 Millionen Deutsche haben chronische Schmerzen

Doch die meisten Patienten kommen wegen chronischer Schmerzen in das neue Schmerztherapiezentrum. Das liege unter auch daran, dass das Thema in der Gesellschaft eine immer größere Rolle spielt. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft leiden rund 23 Millionen Deutsche unter chronischen Schmerzen. Das heißt, bei jedem Vierten gehören Schmerzen zum Alltag.

Mit etwa 80 Prozent aller Erwachsenen haben die meisten Patienten Rücken- und Gelenkschmerzen. Bei etwa jedem zehnten chronischen Schmerzpatienten sei die ursprünglich auslösende Ursache nicht mehr nachweisbar. Der Schmerz ist dann zu einem eigenständigen Krankheitsbild geworden.

Frank Hessler versucht, gerade diesen Patienten zu helfen und dennoch die Ursache herauszufinden. Seiner Erfahrung nach kann diese von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. Mitunter sind chronische Schmerzen psychosomatischer Natur. „In unserer zunehmenden Leistungsgesellschaft spielt Stress eine immer größere Rolle. Wir können gestresst sein, durch Probleme in der Partnerschaft, Lebensumstände, soziale Sorgen oder auch durch das Arbeitsklima.“

Steigerung der Fitness gehört zur Therapie

Die Folge: Dauerstress kann unsere Nebennieren, in der Stresshormone produziert werden, überfordern und damit den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen. „Und das wiederum verursacht dann körperliche oder psychische Probleme“, führt der Mediziner aus. Der Körper versuche dann, Schmerzen zu vermeiden und nehme oft eine Schonhaltung ein. „Dadurch kommt es jedoch zum Abbau von Muskulatur; Bindegewebe wächst unkoordiniert ein. Das ist jedoch schmerzempfindlicher und kann die Funktion der Muskulatur nicht ersetzen“, macht Hessler deutlich.

Andere Muskeln und Gewebe versuchen dann zu kompensieren, was jedoch zu Überlastung mit Verspannung und teilweise auch Nerveneinengung und zu Schmerzen führt. „Das Bindegewebe muss dann bearbeitet und die Muskulatur wieder aufgebaut werden“, erklärt Hessler. Dort beginne dann die Arbeit der Physiotherapeuten. „Sie sind ein wichtiger Bestandteil in diesem ganzheitlichen Ansatz“, betont der Schmerztherapeut.

Dabei sollen die Schmerzen des Patienten verschwinden oder zumindest gelindert werden. Aber auch die Steigerung von Fitness, Belastbarkeit, Koordination und Körperwahrnehmung würden bei dieser Therapie eine wichtige Rolle spielen. „Die Patienten sollen ein verändertes Bewusstsein von Schmerzen bekommen“, sagt Frank Hessler.