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Service für die Kunden, aber kaum Geschäft für die Wirte

Viele Gaststätten liefern im Lockdown Essen ins Haus. Doch der Blick in den Kreis Bautzen zeigt: Das Modell hat seine Tücken.

Singh Rajbir aus Neukirch liefert sein indisches Essen seit Kurzem auch aus. Doch das gleicht die Verluste durch die Schließung seines Restaurants nicht aus.
Singh Rajbir aus Neukirch liefert sein indisches Essen seit Kurzem auch aus. Doch das gleicht die Verluste durch die Schließung seines Restaurants nicht aus. © Steffen Unger

Bautzen. Wenn Singh Rajbir sein Restaurant für Abholkunden öffnet, weiß er schon, dass er heute nicht viele Einnahmen erzielen wird. „Wenn wir normal bei 100 Prozent waren, sind wir jetzt bei 30 Prozent“, sagt der Chef von "Taste of India". Seit 2017 betreibt Rajbir das indische Restaurant an der Hauptstraße in Neukirch. Doch der Lockdown trifft ihn hart. Zwar können die Ausgaben gedeckt werden, viel Gewinn bleibt am Ende jedoch nicht übrig.

Deshalb hatte der Geschäftsführer die Idee, dass Essen nicht nur abholen zu lassen, sondern auch direkt zu seinen Kunden nach Hause zu bringen. „Ich habe neu angefangen zu Liefern vor knapp zwei Monaten“, erzählt er. Bestellungen nimmt er sowohl telefonisch, als auch über WhatsApp an. Auf der Lieferplattform Lieferando ist er auch vertreten, damit die Kunden auch dort bestellen können.

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Provision und Bearbeitungsgebühr

Doch kostet das den Lieferdienstbetreibern eine Menge Geld, weiß Enrico Krause, Chef der Pizzeria Rossini in Bautzen. Auch er bietet seine Speisen auf der Plattform an. „Die Leute sollen lieber auf meiner Website bestellen und nicht bei Lieferando, sonst habe ich gleich 13 Prozent pro Bestellung weniger, plus Bearbeitungsgebühr“, sagt er. Doch gebe es auch in Bautzen viele Personen, die den "einfachen Weg" über die Plattform bevorzugen würden. Zum Nachteil der Gastwirte.

Krause hat das Restaurant erst Mitte Januar eröffnet, zusätzlich zur Pizzeria Bologna in Görlitz. Sein Fazit bis jetzt ist durchwachsen: „Die ersten Wochen waren nicht gerade stressig, es hätte mehr sein können“, sagt er. „Die Leute haben kein Geld, und ich kann die Preise auch nicht zu billig machen, denn ich muss auch einkaufen“, fügt er an.

400 Euro schaden durch Fake-Bestellung

Doch seine Eigenkreationen, wie beispielsweise Würzfleisch- oder Kasslerpizza, würden in Bautzen dennoch sehr gut angenommen. Und seine bis zu drei Fahrer sind teilweise auch gleichzeitig im Einsatz. Es gibt aber auch Zeiten, an denen gar nichts läuft. „An manchen Tagen habe ich Einnahmen von 20 Euro, da mache ich nur Verlust“, sagt er.

Krauses große Hoffnung ist, dass das wenige Meter entfernte Kino bald wieder öffnen kann. Dann würden die Leute das Essen wieder abholen und der 49-Jährige könnte sich viele Lieferungen in die Wohnzimmer seiner Kunden sparen. Denn das Geschäft mit den Essenslieferungen kann auch mal schiefgehen.

„Ich habe in Görlitz auch schon eine Fake-Bestellung gehabt, da wurde ich ganz schön geschädigt“, erzählt Krause. Rund 400 Euro habe er damals Verlust gemacht, die Anzeige gegen Unbekannt wurde eingestellt. Seitdem notiert er sich jede Telefonnummer, damit "so etwas nie wieder passieren kann".

Kaum Einnahmen in der Mittagszeit

Wenn es nur um Lieferungen geht, macht Gurmail Singh vom Avanti Pizzaservice in Bischofswerda gutes Geschäft. „Bis zu zehn Bestellungen zum Ausliefern mehr gibt es am Tag“, sagt er. Doch fällt bei ihm der Hauptteil seiner Einnahmen fast völlig weg. Und das trotz lockender Angebote. „Früher kamen hier viele in der Mittagspause von ihren Büros, aber jetzt ist das Mittagsgeschäft fast komplett dicht“, erzählt Singh. Dafür gibt es auch in dieser Zeit mehr Lieferungen als vorher, was den Verlust aber nicht ausgleichen könne.

Typische Lieblingsspeisen seiner Kunden während des Lockdowns würde es nicht geben. „Am meisten werden Pizza und indische Gerichte bestellt, aber auch Hamburger. Also sehr gemischt alles“, sagt der Chef der Pizzeria am Schiebocker Altmarkt und hofft, dass er diese Gerichte bald wieder im Lokal servieren darf.

Pizzaservice komplett ausgelastet

Beim Pizzaservice Freddy Fresh in Kamenz schiebt Lucie Röder zwischen 10 und 11 Uhr die ersten Bestellungen in den Ofen. Hinter dem Team liegen anstrengende Monate. Durch den Lockdown seien die Bestellungen stetig gestiegen, um etwa 20 Prozent, schätzt der Kamenzer Chef Martin Niedenführ ein. Und nicht nur mal für zwei Wochen, sondern dauerhaft. Die Folge: Der Anbieter musste Liefergebiete streichen, weil die Auslieferung dorthin zulange dauert.

Er habe auch versucht, Verstärkung einzustellen, berichtet Niedenführ, aber kein Personal bekommen können. Gerade fürs Backen sei es schwierig. So sei die Pizzeria komplett ausgelastet. Das wirke sich auch auf die Wartezeiten aus. Mehr sei einfach nicht mehr machbar. Dafür wünsche er sich Verständnis. Durch die Kurzarbeit in manchen Branchen habe es auch noch Engpässe bei Zulieferern gegeben, was das Ganze auch nicht einfacher macht. Rund 50 bis 60 Bestellungen pro Tag kommen zusammen, am Wochenende das Doppelte.

Den Leuten muss es schmecken

Niedenführ sehe diese Zeit als Herausforderung, hoffe aber auch, dass der Lockdown bald zu Ende gehe, die Gaststätten wieder öffnen und ein bisschen Normalität einziehe. Das wünscht sich auch der Neukircher Singh Rajbir, der seine Gerichte seit Eröffnung seines Restaurants extra an die deutsche Zielgruppe angepasst hat. "Viele denken, indisches Essen ist scharf, aber bei mir wird so gekocht, dass es den Menschen schmeckt", erzählt er. Der Bautzener Pizzabäcker Enrico Krause ist da sogar noch einen Schritt weitergegangen. "Bei mir haben die Kunden die Karte selbst entworfen", sagt er. Denn wer würde sonst auf die Idee kommen, Würzfleisch-Pizza anzubieten?

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