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Neukirch: Schlafen wie im Whiskyfass

In Neukirch haben Steffen und Ramona Lindner zehn einzigartige Übernachtungsplätze geschaffen. Sogar die Duschen sind etwas Besonderes.

Von Timotheus Eimert
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Ramona und Steffen Lindner haben an der Oststraße in Neukirch in einem alten hölzernen Wasserturm der einstigen Lederfabrik auf drei Etagen kleine Gästewohnungen für je zwei Personen geschaffen.
Ramona und Steffen Lindner haben an der Oststraße in Neukirch in einem alten hölzernen Wasserturm der einstigen Lederfabrik auf drei Etagen kleine Gästewohnungen für je zwei Personen geschaffen. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch/Lausitz. In Neukirch gibt es jetzt einen besonderen Schlafplatz. Steffen und Ramona Lindner haben den alten Wasserturm einer in den 1990er-Jahren stillgelegten Lederfabrik zu einem kleinen Hotel ausgebaut. Auf drei Ebenen hat das Ehepaar, das in Neukirch eine Schaubrennerei betreibt, jeweils ein Gästezimmer eingerichtet.

Im Nebengebäude ist zudem eine kleine Ferienwohnung entstanden. Das Erdgeschoss ist dabei barrierefrei ausgebaut. Dusche, Toilette und Bett sind so auch Rollstuhlfahrern und gehbehinderten Menschen zugänglich. In der oberen Etage gibt es zudem noch zwei weitere Schlafplätze, die über eine alte Holztreppe zu erreichen sind. „Dieser Bereich ist vor allem für Familien gedacht. So können im barrierefreien Teil die Eltern schlafen und oben die Kinder“, erklärt Steffen Lindner.

Altes Industriefenster bildet Eingang zur Gästewohnung

Das Konzept, das sich sowohl im alten Wasserturm als auch in der Ferienwohnung finden lässt: Altes mit Neuem verbinden. „Wir haben viel Liebe zum Detail in die Gebäude gesteckt“, sagt Ramona Lindner. Und das sieht man auch. So bildet ein altes Industriesprossenfenster den Zugang zur behindertengerechten Gästewohnung.

In den drei Gästezimmern im ehemaligen Wasserturm wurde jeweils ein alter Kamin verbaut, der sich nun über eine Erdgasheizung erwärmt. Außerdem befinden sich vor allem alte und gebraucht Möbelstücke, meist im Jugendstil, in den Zimmern. „Wir haben diese für wenig Geld erworben. Viele hätten sie ohnehin weggeschmissen. Ich habe sie dann aufgearbeitet“, erläutert Steffen Lindner.

Die untere Etage des alten Wassertums haben Ramona und Steffen Lindner mit zwei alten Feldbetten eingerichtet.
Die untere Etage des alten Wassertums haben Ramona und Steffen Lindner mit zwei alten Feldbetten eingerichtet. © SZ/Uwe Soeder

Auf dem Fußboden finden sich zudem reich verzierte Jugendstilfliesen. Die Wände sind mit einer Holzwand rustikal gehalten. Den Kontrast bilden moderne Bodenbeläge. „Wir haben versucht sehr nachhaltig zu bauen, viele ökologische Baustoffe zu verarbeiten“, erklärt Ramona Lindner.

Das Highlight im alten Wasserturm sind aber die drei Duschen. Diese hat Steffen Lindner aus sechs alten Milchtanks, die um die 1.000 Liter fassen konnten, gebaut. Über Müllermilch in Leppersdorf habe er sie für einen kleinen Preis bekommen. „Sie waren leicht verbeult und konnten so nicht mehr im ursprünglichen Sinne verwendet werden.“ Lindner hat daraus nun begehbare Duschkabinen entstehen lassen.

Besucher sollen ab 2022 kommen können

Die Gästezimmer und die Ferienwohnung haben jeweils ein eigenes Bad und sind zudem mit einem Fernseher und WLAN ausgestattet. Über die Internetseite der Schusterlieb’s Schnapsbrennerei soll man demnächst die Zimmer buchen können. „Das Gebäude muss vorher noch vom Bauamt abgenommen werden. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir ab dem 1. Januar 2022 die ersten Gäste hier begrüßen dürfen.“

Steffen Lindner ist Fan von Udo Lindenberg. So wurde auch das Konterfei des Musikers in Holz geschnitzt und an der Wand des alten Wasserturms verewigt.
Steffen Lindner ist Fan von Udo Lindenberg. So wurde auch das Konterfei des Musikers in Holz geschnitzt und an der Wand des alten Wasserturms verewigt. © SZ/Uwe Soeder

Steffen und Ramona Lindner wollen den besonderen Schlafplatz vorher noch einmal testen. „Wenn man hier schläft, kann man sich fühlen wie ein Whisky“, meint Steffen Lindner und erklärt: „Ein guter Whisky muss mindestens drei Jahre in seinem Holzfass reifen. Er nimmt somit die Eigenart des Holzes auf. Und auch wir Menschen können, wenn wir uns hier aufhalten, das Holz spüren und aufnehmen.“

Wie viel eine Nacht im wahrscheinlich weltweit größtem Whiskyfass kosten soll, steht noch nicht fest. „Das wollen wir noch bis Ende des Jahres kalkulieren“, verspricht Ramona Lindner. Dabei wolle man auch überlegen, welchen Service man darüber hinaus anbietet. „Wir denken dabei zum Beispiel an einen Brötchendienst.“

Wasserturm ans andere Dorf-Ende versetzt

Die Idee zu diesen besonderen Übernachtungsplätzen hatte Steffen Lindner schon 2013. Gemeinsam mit einem Freund aus der Brandmeisterausbildung sei sie entstanden. „Mein Kumpel wollte eigentlich alte Holzfässer ausbauen, sodass man in ihnen schlafen kann.“ Denn Gäste seiner Schaubrennerei fragten damals häufig nach Übernachtungsmöglichkeiten, von denen es nicht allzu viele in Neukirch gibt.

„Doch alte Holzfässer so umzubauen, dass darin Schlafplätze entstehen, ist sehr schwer umzusetzen, weil sich die kleinen Holzfässer schlecht dämmen lassen“, sagt Steffen Lindner. Doch beim Blick auf den Wasserturm kam ihm schließlich die Idee: Irgendwie ähnelte das Bauwerk einem gewaltigen Holzfass.

Als die Gemeinde dann 2014 das Heizhaus der in den 90er-Jahren stillgelegten Lederfabrik abriss, sicherte sich Steffen Lindner den hölzernen Wasserturm. „Ich hätte noch den zweiten Wasserturm haben könne, aber bereits der Abbau des ersten war sehr kompliziert.“ Teil für Teil baute Lindner innerhalb weniger Tagen ab, ließ das Holz von der Alten Straße ans andere Dorf-Ende auf sein Grundstück an der Oststraße bringen, trocknete das Holz ein gutes Jahr und baute anschließend den Turm sechs Jahre wieder auf.

Am Freitag wurde das Gebäude nun offiziell durch das Ehepaar und Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) eröffnet. Am Sonnabend dieser Woche können sich Interessierte das Haus bei einem Tag der offenen Tür ab 13 Uhr anschauen. „Ich bewundere, wie viel Arbeit in dieses kleine Anwesen gesteckt wurde, und umso mehr freue ich mich, dass es nun zehn weitere Schlafplätze in Neukirch gibt“, sagt der Bürgermeister. Und diese Schlafmöglichkeiten sind ganz besondere.