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Hat Neukirch ein Vandalismus-Problem?

Immer wieder gibt es Schmierereien und andere Sachbeschädigungen. Was die Polizei rät und eine Gebäudeeigentümerin jetzt dagegen unternimmt.

Immer wieder tauchen Schmierereien an der Fassade des Bahnhofsgebäudes Neukirch-West auf. Eigentümerin Marika Barber überstreicht sie jetzt konsequent.
Immer wieder tauchen Schmierereien an der Fassade des Bahnhofsgebäudes Neukirch-West auf. Eigentümerin Marika Barber überstreicht sie jetzt konsequent. © SZ/Richard Walde

Neukirch/Lausitz. Als Marika Barber vor Kurzem zu ihrem Bahnhofsgebäude am Bahnhalt Neukirch-West kam, war ihr Entsetzen groß. Die gesamte Bahnsteig-Seite war plötzlich mit lauter Graffiti - darunter viele verfassungswidrige Symbole - vollgeschmiert. "Die Graffiti hielten sich bisher immer in Grenzen, deshalb habe ich bis jetzt nichts unternommen", erzählt Barber gegenüber Sächsische.de. Aber auch in der Vergangenheit kamen immer wieder einzelne Kritzeleien dazu.

Doch mit extremistischen Zeichen jeglicher Art möchte Marika Barber, die das Bahnhofsgebäude vor fünf Jahren gekauft hat, auf keinen Fall etwas zu tun haben. Also griff sie zum Hochdruckreiniger, um diese schnellstmöglich zu entfernen. Als selbst die stärksten Reinigungsmittel nichts brachten, entstand in einem Gespräch eine ganz andere Idee. "Eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn hat mir erzählt, dass überall, wo man Graffitis komplett übermalt hat, danach auch Ruhe war, denn die einzelnen Gruppen wollen sich nur gegenseitig übertünchen", sagt Barber.

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Also fing sie an, auch alte Graffiti-Zeichnungen mit weißer Farbe komplett zu überstreichen. "Normalerweise wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, den wackeligen Putz zu übermalen. Aber es macht bereits jetzt auch für die Reisenden, die einfach nur durchfahren, ein besseres Bild", sagt Barber.

Ideen für die Gestaltung der Rollos gesucht

Neben den Wänden sollen auch die alten Rollos neue Farbe bekommen. Diese Aufgabe möchte sie aber nicht selbst übernehmen, sondern Anderen eine Chance geben. "Ich überlege, was man mit den alten Rollos machen kann, denn ich will die ja nicht zerstören", erklärt sie. Deshalb hofft sie auf Unterstützung, unter anderem von Jugendlichen aus dem Ort. "Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit eines Workshops", hofft sie. Kontakt zum Jugendhaus Neukirch habe sie deshalb bereits aufgenommen.

Aber auch andere Gruppen und Einzelpersonen seien eingeladen, sich bei ihr zu melden. Sie hätten bei der Gestaltung weitestgehend freie Hand, aber ein paar Einschränkungen gebe es. "Es müsste zum Thema Neukirch, Bahnhof, Valtenberg, Monsterroller oder E-Bike passen", betont Barber, die bei dem Unternehmen arbeitet, das am Valtenberg Monsterroller verleiht und Touren anbietet.

Der Bahnhof sei oft ohnehin ein Treffpunkt für die Neukircher Jugend, weshalb sich sicher jemand finden werde. "Manchmal sind Jugendliche da, sie setzen sich hin und hören Musik", erzählt Barber. Dass sie mit den aktuellen Vorkommnissen zu tun haben, davon geht sie nicht aus. "Ich denke nicht, dass das Neukircher sind oder waren, die hier den Bahnhof in ihrem eigenen Ort verschandeln", sagt sie.

Dieses Jahr mehr Anzeigen wegen Sachbeschädigung

In jedem Fall hat Marika Barber die Vorfälle zur Anzeige gebracht. Doch Probleme dieser Art gibt es nicht nur an ihrem Bahnhofsgebäude. Allein fünf Anzeigen wegen Sachbeschädigung gab es in Neukirch im April dieses Jahres, berichtet Polizeisprecherin Anja Leuschner. Und im Mai kam es zu Vandalismus unter anderem an der Skaterbahn und am neu geschaffenen Gemeinschaftsgarten, wo die Tür des Gartenhäuschens aufgebrochen wurde.

"Die aufgenommenen Anzeigen, die Sachbeschädigungen und Einbrüche betreffen, sind im Vergleich zum Vorjahr im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Mai von neun auf 13 gestiegen", sagt Leuschner. Die Polizeisprecherin betont zum aktuellen Trend dennoch Folgendes: "Seit fünf Jahren ist ein genereller Rückgang der Fallzahlen von Sachbeschädigungen in der polizeilichen Kriminalstatistik erkennbar".

Zwar seien zwischenzeitlich durchaus mal mehr solcher Straftaten feststellbar, im Bereich der Polizeidirektion Görlitz könne aber nicht von einem Schwerpunkt gesprochen werden, heißt es. Etwas aktiv dagegen unternehmen lässt sich laut Polizei aber auf jeden Fall.

Zusammenarbeit von Polizei und Gemeinde ist wichtig

"Unser Bürgerpolizist Polizeihauptkommissar Claus vom Polizeistandort Bischofswerda sucht regelmäßig das Gespräch mit den Bürgern dieser Gemeinde, aber auch mit dem Gemeindeamt Neukirch/Lausitz", betont Leuschner. Denn ein enger Austausch mit der Bevölkerung sei durchaus hilfreich. Auch, um solche Fälle aufklären zu können.

"Aus kommunaler Sicht wäre ein Beitritt der Gemeinde in die "Allianz Sichere Sächsische Kommunen" und eine intensive Zusammenarbeit zwischen der kommunalen Ebene, polizeilicher Präventionsarbeit und dem Landespräventionsrat eine weitere Möglichkeit", erklärt Anja Leuschner.


Genau über dieses Thema diskutiere man gerade, auch mit anderen Gemeinden in der näheren Umgebung, berichtet der Neukircher Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) und betont: "Das Problem mit dem Vandalismus gibt es nicht nur in Neukirch. Die Leute wissen gar nicht, was sie tun und zerstören damit fremdes Eigentum."

Das hat auch Marika Barber schon mehrfach zu spüren bekommen. Während die Ermittlungen zu den aktuellen Vorfällen laufen, um die Täter zu finden, kümmert sie sich darum, dass die Schmierereien von ihrem Bahnhofsgebäude verschwinden. "Jetzt ist der Plan, hier alles zu übermalen, und ich hoffe, dass es den Sprayern zu langweilig wird, wenn es hier nichts mehr zu übersprühen gibt", sagt sie.

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