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Neukirch: Zehn Millionen Euro Schaden nach Hochwasser

In Neukirch/Lausitz waren 170 Haushalte von den Überschwemmungen Mitte Juli betroffen. Jetzt gibt es Überlegungen, wie sich so etwas künftig vermeiden lässt.

170 Haushalte waren von den jüngsten Überschwemmungen in Neukirch/Lausitz betroffen. Darunter auch Heinz Wilde, vor dessen Haus jetzt unbrauchbar Gewordenes liegt.
170 Haushalte waren von den jüngsten Überschwemmungen in Neukirch/Lausitz betroffen. Darunter auch Heinz Wilde, vor dessen Haus jetzt unbrauchbar Gewordenes liegt. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch/Lausitz. Könnten die Neukircher die Schäden so schnell beheben wie das Hochwasser kam, wäre schon alles erledigt. Bei Heinz Wilde steht rund eineinhalb Wochen nach den Überschwemmungen noch Sperrmüll an der Bautzener Straße. „Es ging alles so schnell, dass wir kaum Zeit hatten zu reagieren. Irgendwann kam das Wasser über die Brücke.“

Die Wildes wohnen direkt an der Wesenitz. Die Brücke an der Kreuzung Bautzener, Wilthener und Bruno-Stiebitz-Straße ist keine 20 Meter von ihrem Grundstück entfernt, das am Sonnabend, dem 17. Juli, bis zu 30 Zentimeter unter Wasser gestanden habe.

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Die Brücke an der Kreuzung von Bautzener, Wilthener und Bruno-Stiebitz-Straße in Neukirch war am 17. Juli zeitweise überschwemmt und musste für den Verkehr gesperrt werden.
Die Brücke an der Kreuzung von Bautzener, Wilthener und Bruno-Stiebitz-Straße in Neukirch war am 17. Juli zeitweise überschwemmt und musste für den Verkehr gesperrt werden. © Andreas Hultsch

Es sei gerade noch Zeit gewesen, die Elektrogeräte nach oben zu räumen. Nur den Geschirrspüler hat es erwischt. „Wir haben das Laminat im Erdgeschoss komplett rausreißen müssen. Das Wasser kam von allen Seiten und lief ins Haus.“ Heinz Wilde ist aber auch sehr dankbar. Schließlich habe die ganze Nachbarschaft bei Aufräumen geholfen.

Der Haushalt von Familie Wilde ist einer von 170, die in Neukirch von den Überschwemmungen betroffen waren und durch Schäden immer noch sind. So bilanziert es die Gemeindeverwaltung bislang. „Es gibt private Schäden in Höhe von etwa 8,5 Millionen. Die kommunale Infrastruktur ist mit rund 1,9 Millionen Euro betroffen“, sagt Andreas Hultsch (CDU) beim kleinen Rundgang in der Wesenitzaue.

Die Fußgängerbrücke Am Schossigstift in Neukirch ist gesperrt.
Die Fußgängerbrücke Am Schossigstift in Neukirch ist gesperrt. © SZ/Uwe Soeder

Der stellvertretende Bürgermeister erklärt, dass der Vorgang der Schadensermittlung „noch gar nicht abgeschlossen ist.“ Es handelt sich bei den bisherigen Zahlen um Schätzungen des Bauamtes.

Die Fußgängerbrücke Am Schossigstift und auch die Weststraße gesperrt. Dort ist die Überführung über einen Bach durch die Überschwemmungen so stark beschädigt worden, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann.

Nachdem die Wesenitz in Neukirch wieder einen normalen Pegel erreicht hat, sind die Schäden wie hier an einer Brücke am Waldweg sichtbar.
Nachdem die Wesenitz in Neukirch wieder einen normalen Pegel erreicht hat, sind die Schäden wie hier an einer Brücke am Waldweg sichtbar. © SZ/Uwe Soeder

Zu den öffentlichen Schäden zählt auch der Riss an der Unterseite der Brücke am Waldweg. An beiden Uferseiten ist anhand der plattgedrückten Gräser noch immer gut zu erkennen, wie breit und hoch sich der kleine Fluss hier für ein paar Stunden gemacht hatte. Andreas Hultsch ist froh, dass diese Brücke nicht gesperrt werden muss. „Dann würden wir Ärger bekommen, weil die Anwohner hier hinten nicht mehr rauskämen.“

Gemeinde fordert Rückhaltebecken

Verärgert seien laut Andreas Hultsch viele Einwohner, weil das angekündigte Rückhaltebecken hier in der Wesenitzaue in Richtung Wilthener Straße noch immer nicht gebaut wurde. „Es geht dabei um einen Damm, um das Wasser von den Anwohnern fernzuhalten. Zusammen mit dem geplanten Rückhaltebecken in Steinigtwolmsdorf wäre das eine geeignete Maßnahme zum Hochwasserschutz“, führt der stellvertretende Bürgermeister aus.

In der Wesenitzaue hinter Andreas Hultsch, etwa an der Baumgrenze in der Mitte des Bildes, soll der Damm entstehen, der Wasser aufhält und Anwohner schützt.
In der Wesenitzaue hinter Andreas Hultsch, etwa an der Baumgrenze in der Mitte des Bildes, soll der Damm entstehen, der Wasser aufhält und Anwohner schützt. © SZ/Uwe Soeder

Aber da es sich bei der Wesenitz um ein Gewässer erster Ordnung handele, sei die Landestalsperrenverwaltung (LTV) zuständig. „Die LTV muss das endlich priorisieren. Seit zehn Jahren warten wir darauf.“ Mit der Rückhaltung ließe sich vielleicht nicht alles verhindern, aber man hätte vermutlich etwas Zeit gewonnen und das Wasser wäre nicht so gestiegen. „Das hätte manchen Hauseigentümern schon geholfen.“

Zudem habe es keine Vorwarnzeit gegeben. „Die Überschwemmungen kamen nicht nur durch das Wasser in der Wesenitz, sondern auch von den Feldern zustande.“ Vermutlich haben die Böden nach den starken Regenfällen am Freitagabend und in der folgenden Nacht bereits am Sonnabendmittag kein Wasser mehr aufnehmen können, blickt der stellvertretende Bürgermeister zurück. Im Oberdorf seien auch noch zusätzliche Liter vom Kugelwasser aus Richtung Tautewalde in die Wesenitz geflossen.

So setzten sich die Überschwemmungen entlang der Wesenitz fort. Die Brücke an der Bautzener Straße bei Heinz Wilde „war von ihrem Querschnitt einfach nicht ausreichend“, folgert Andreas Hultsch. „Dadurch wurde die Straße überschwemmt, und alle Haushalte ringsum waren betroffen.“

Neukirch und Bischofswerda für weiteren Wesenitz-Pegel

So auch der einer weiteren Familie an der Bautzener Straße - und das nicht zum ersten Mal, wie es in einem Beitrag einer lokalen Facebook-Gruppe heißt. Aber wie bei Heinz Wilde gab es auch hier große Hilfsbereitschaft. „Und wieder durften wir feststellen, wie schnell Helfer vor Ort waren. Auf diesem Weg möchten wir uns bei allen ganz herzlich bedanken, die im und um unser Haus Sandsäcke geschleppt und gestapelt, Wasser geschöpft und aufgewischt, Möbel und anderes nach oben geschleppt, Pumpen und Schläuche geborgt und die Technik am Laufen gehalten haben“, schreibt die Familie.

„Schöner wäre es, dass es gar nicht erst so weit kommt“, findet wohl nicht nur Andreas Hultsch. „Oder dass es wenigstens eine frühere Warnung gäbe“, so dass Sandsäcke etwa früher gefüllt werden könnten, fügt er hinzu. Im Landkreis Bautzen denken nun verschiedene Kommunen darüber nach, wieder mehr Sirenen zu installieren oder zu reaktivieren. Kombiniert mit Warnungen via Apps, Fernsehen oder Radio wäre das die bevorzugte Lösung. In Neukirch gab es Durchsagen und Informationen auf den Internetseiten der Gemeinde und deren Kanälen auf Facebook und Instagram.

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In Zukunft könnte man neben der Rückhaltung in der Wesenitzaue die Rückhaltebecken an der August-Bebel-Straße vergrößern und einen weiteren Pegel an der Wesenitz installieren. „Den bräuchte es schon in Steinigtwolmsdorf. Den ersten offiziellen gibt es in Bischofswerda und das ist deutlich zu spät“, hält der stellvertretende Bürgermeister fest. Das hatte auch Schiebocks OB Holm Große (parteilos) gefordert, nachdem die Wesenitz in seiner Stadt für Überschwemmungen und Schäden gesorgt hatte. Auch die Stadt Wilthen oder die Gemeinde Steinigtwolmsdorf waren betroffen.

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