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In 13 Tagen 5.000 Kilometer durch Europa

Drei Freunde aus dem Bautzener Oberland fahren in einem 25 Jahre alten Volvo ihre erste Rallye. Wie sie sich vorbereitet haben und worauf sie sich besonders freuen.

Michel Scherwing, Erik Hampel und Hannes Sturm (v.l.) nehmen im September gemeinsam an einer Rallye quer durch West-Europa teil. 5.000 Kilometer werden sie innerhalb von 13 Tagen fahren.
Michel Scherwing, Erik Hampel und Hannes Sturm (v.l.) nehmen im September gemeinsam an einer Rallye quer durch West-Europa teil. 5.000 Kilometer werden sie innerhalb von 13 Tagen fahren. © Steffen Unger

Neukirch/Lausitz. Da haben sich Michel Scherwing und Erik Hampel aus Neukirch und Hannes Sturm aus dem Nachbardorf Cossern ganz schön viel vorgenommen: In nur 13 Tagen wollen sie mit ihrem 25 Jahre alten Volvo von München aus über die Alpen, entlang der Côte d’Azur, durch die spanische Wüste und entlang der Atlantik-Küste bis nach Brüssel fahren.

Insgesamt rund 5.000 Kilometer, davon kein einziger auf der Autobahn, und alles ganz ohne Navigationsgerät. Die Drei nehmen ab dem 4. September an der European 5000 Adventure Rallye teil. Ein Abenteuer, das sich andere der über 200 Teilnehmer mit Trabi, Ente, amerikanischem GMC-Truck oder Motorrad trauen.

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"Wir sind mit dem Moped zweimal zum Zelten an die Ostsee gefahren, aber so etwas in der Größe haben wir noch nie gemacht – das ist eine ganz andere Hausnummer", sagt Erik Hampel im Gespräch mit Sächsische.de. Gezeltet wird auch dieses Mal, allerdings nicht auf dem Boden. "Das Auf-dem-Dach-Schlafen haben wir uns aus DDR-Zeiten abgeguckt, als auf den Trabis gezeltet wurde, das wird ja gerade wieder Mode", erzählt Hampel.

Einnahmen gehen an gemeinnützige Projekte

Während einer der drei Mitfahrer im Auto übernachten darf, werden es sich die beiden anderen also auf dem Dach bequem machen. "Wir bauen uns das Zelt natürlich selber, ist billiger und am Ende noch besser", betont Hampel. Dass im oder am Auto übernachtet wird, ist zwar für die Teilnehmer der Rallye nicht vorgeschrieben, für das Team Hüttencrew aus der Oberlausitz allerdings die günstigste Variante. Denn im Rahmen der Vorbereitung für die große Tour sei bereits Einiges an Geld draufgegangen.

"Das Auto hat 700 Euro gekostet, und rund 1.000 Euro haben wir nochmal hineingesteckt", sagt Michel Scherwing. Ohne fremde Hilfe, denn sie kennen sich mit Autos bestens aus, versichern die Drei. Die Kupplung, beide Bremsen, die Federn der Hinterachse, die komplette Zündanlage und der Kühler - alles hätten sie ausgebaut und durch neue Teile ersetzt. Zu den Kosten für das Auto komme das Startgeld für die Rallye - rund 1.400 Euro. Dass es so viel ist, hat allerdings einen Grund.

"Die Einnahmen gehen fast alle an gemeinnützige Projekte für die Männergesundheit, und nur ein Teil bleibt für die Organisation der Rallye", sagt Hampel. Denn die Movember Foundation, die sich für eine bessere Männergesundheit einsetzt, ist Partner der Rallye-Veranstalter. Darüber hinaus wird auch die Gemeinde Neukirch etwas von der Teilnahme der drei Oberländer an der besonderen Tour haben. Denn jedes Team, das dabei sein will, muss mindestens 500 Euro für einen gemeinnützigen Zweck sammeln.

Teilnehmer sammeln Punkte durch Zusatzaufgaben

"Da in Neukirch im nächsten Jahr die 800-Jahr-Feier ist, haben wir die Gemeinde angefragt, ob das möglich ist", sagt Hampel. Ohne zu zögern habe Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) zugesagt und Flyer erstellen lassen, damit die drei Rallye-Fahrer damit Werbung für ihr Vorhaben machen können. Das Ziel von 500 Euro, die der Gemeinde für die Finanzierung der 800-Jahr-Feier zugutekommen, sei zwar bereits erreicht, weitere Spenden aber noch bis nächste Woche willkommen. Danach werde es nur noch die Möglichkeit geben, direkt an die Gemeinde zu spenden.

Ziel der Rallye sei es nicht hauptsächlich, als erstes Team ans Ziel zu kommen, sondern Punkte zu sammeln. Unter anderem durch Zusatzprüfungen an bestimmten Orten. "Im vorletzten Jahr musste man sich beispielsweise bei einem Einheimischen in Italien eine Schubkarre ausborgen, dort seinen Mitfahrer reinsetzen und damit einen Pass hinaufrennen", nennt Erik Hampel ein Beispiel für eine besondere Challenge. Auf solche Aufgaben freut sich das Team besonders, um mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen.

Das sei auch ein Grund, warum sie überhaupt mitfahren. "Wir haben uns für diese Rallye entschieden, weil wir an Flecken kommen, an die man normal als Tourist nicht kommt", sagt Erik Hampel. Besonders freuen sie sich auf die Alpenpässe, für die eventuell sogar Schneeketten benötigt werden, und ein paar Tage später auf das komplette Gegenteil. "In Spanien fahren wir 70 Prozent unbefestigte Straßen", sagt Hampel. Und das quer durch die Wüste.

Familien können per App die Tour verfolgen

Damit ihre Leute zu Hause sie dabei nicht aus den Augen verlieren, haben sich die drei Jungs etwas Besonderes überlegt. "Wir nutzen eine App, über die unsere Familie und Freunde live verfolgen können, wo wir gerade sind", sagt Scherwing. Grund zur Sorge sollen sie aber ohnehin nicht haben. Denn in das Auto haben die drei Rallye-Fahrer großes Vertrauen. "Es musste ein Volvo werden, denn das ist das einzige Auto, dem ich in diesem Alter zutraue, durchzuhalten", sagt Hampel über das Gefährt, das bereits 276.000 Kilometer auf dem Tacho hat.

Es könne auch sein, dass die Drei damit im kommenden Jahr zum nächsten Abenteuer aufbrechen. "Wenn wir uns danach nicht komplett verstritten haben, werden wir das sicher wieder machen", sind sich Michel Scherwing, Erik Hampel und Hannes Sturm einig.

Spenden sind weiterhin über die Internetseite Betterplace möglich.

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