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Womit Trumpf in Neukirch die Konkurrenz abhängen will

Vollautomatisch Bleche schneiden und Maschinen aus der Ferne überwachen - das sind die neusten Innovationen beim Werkzeugmaschinenbauer Trumpf.

Patrick Wowtscherk ist bei der Firma Trumpf in Neukirch für eine hochautomatisierten Laseranlage zur Blechverarbeitung zuständig. Sie ermöglicht das automatische Verarbeiten von auf Rollen aufgewickeltem Blech.
Patrick Wowtscherk ist bei der Firma Trumpf in Neukirch für eine hochautomatisierten Laseranlage zur Blechverarbeitung zuständig. Sie ermöglicht das automatische Verarbeiten von auf Rollen aufgewickeltem Blech. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch/Lausitz. Ein Laser, der in rasender Geschwindigkeit eine beliebige Form in ein Blech schneidet, ist nichts Neues. Dass das Blech aber von einer scheinbar endlosen Rolle kommt und das Gerät völlig automatisch arbeitet, dagegen schon. Gemeinsam mit Siemens hat das in Neukirch ansässige Unternehmen Trumpf solch eine Maschine entwickelt, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. "Dieses Projekt zeigt uns, wie die Digitalisierung immer weiter voranschreitet", erzählt Werkleiter Arnim Brüchle bei der Präsentation.

Arnim Brüchle, Werkleiter bei Trumpf in Neukirch: "Wir wollen hocheffizient produzieren, was uns mit der Neuentwicklung gelingt."
Arnim Brüchle, Werkleiter bei Trumpf in Neukirch: "Wir wollen hocheffizient produzieren, was uns mit der Neuentwicklung gelingt." © SZ/Uwe Soeder

Bedient wird die Maschine, mit der hauptsächlich Teile für die Autoindustrie gefertigt werden, unter anderem von Patrick Wowtscherk. Wobei man "bedient" eigentlich gar nicht sagen kann. Denn Wowtscherk und seine Kollegen sind nur dafür zuständig, die Schneidevorgänge zu beobachten und im Notfall einzugreifen. "Das Ziel des Projektes war es, Standardprodukte zu kombinieren", sagt Wowtscherk. Denn alle eingesetzten Komponenten - von der sogenannten Richtanlage, auf der die Rolle mit dem maximal 2,5 Kilometer langen Blech sitzt, über den Laser bis zum Roboter, der die fertigen Bleche entnimmt und ablagert - seien bereits erprobt und damit kaum fehleranfällig.

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Schnellsein bei der Entwicklung ist Trumpf

Trumpf und Siemens haben nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag für das sogenannte Laserschneidesystem investiert. Und das in einer Zeit, in der die Corona-Pandemie das Leben bestimmt. "Vor 18 Monaten haben wir dieses Projekt gestartet, und jetzt haben wir ein verkaufbares Produkt", sagt Brüchle. Dass die Entwicklung so schnell gegangen sei, habe vor allem einen Grund. "Wenn wir uns in dieser Welt umschauen, ist das Hauptthema die Geschwindigkeit", erklärt Brüchle.

"Man muss immer so viel besser sein, wie man teurer ist", fügt Uwe Ruttkamp vom Geschäftspartner Siemens an. Denn nur, wenn man die bestmöglichen Techniken kombiniere und gekonnt einsetze, könne man am Markt mithalten und Firmen in Billiglohnländern übertrumpfen. "Es ist noch keine Firma in der Lage gewesen, Arbeitsplätze zu sichern, indem sie sich Innovationen verweigert hat", ist sich Ruttkamp sicher. Das sei auch das Credo von Trumpf. "Wir wollen hocheffizient produzieren, was uns mit der Neuentwicklung gelingt", sagt Werkleiter Brüchle.

Freddy Weltsch überwacht eine Maschine, die bei einem Kunden in der Schweiz steht.
Freddy Weltsch überwacht eine Maschine, die bei einem Kunden in der Schweiz steht. © SZ/Uwe Soeder

Um Effizienz geht es auch beim neuartigen Telediagnose-System. Dabei steht ein Gerät zum Schneiden von Blechen bei einem Kunden in der Schweiz, wird aber von Neukirch aus gesteuert. Technisch gesehen könnte eine solche Maschine auch in den USA oder in Südafrika stehen. "Der Kunde schickt uns Aufträge, wir bearbeiten sie, und es wird dort vor Ort geschnitten", erklärt Freddy Weltsch, der als sogenannter Remote Service Operator bei Trumpf arbeitet, also aus der Ferne ein Gerät kontrolliert.

"Es steht nur noch jemand vom Kunden direkt vor Ort, der die Maschine mit Rohtafeln beschickt und die fertigen Teile entnimmt", sagt er. Sollte es bei der Maschine einen Fehler geben, kann dieser im Normalfall direkt über den Computer aus Neukirch korrigiert werden. Im Notfall könne aber auch die Person vor Ort eingreifen, um beispielsweise ein verkantetes Teil zu entnehmen.

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"Da rufen wir den Mitarbeiter einfach an und sagen ihm, was zu tun ist", so Weltsch. "Mit dem Telediagnosezentrum bieten wir unseren Kunden einen Mehrwert, den es bei anderen Firmen nicht gibt", betont Brüchle. Denn man könne damit nicht nur aus der Ferne in eine Maschine hineinschauen und jemanden anweisen, wie er einen Fehler beheben kann, sondern diesen direkt und ohne fremde Hilfe aus der Welt schaffen.

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