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Wer wird Bürgermeister von Steinigtwolmsdorf?

Drei Kandidaten stellen sich am 20. September zur Wahl. Warum treten sie an, und was sind ihre Ziele.

Steinigtwolmsdorf wählt einen neuen Bürgermeister. Alexander Zapke, Kathrin Gessel und David Wolf (von links) kandidieren für das Amt.
Steinigtwolmsdorf wählt einen neuen Bürgermeister. Alexander Zapke, Kathrin Gessel und David Wolf (von links) kandidieren für das Amt. © SZ/Uwe Soeder

Steinigtwolmsdorf. In Steinigtwolmsdorf wird am 20. September ein neuer Bürgermeister gewählt. Rund 2.400 Bürger der Gemeinde können abstimmen. Es gibt drei Bewerber: Kathrin Gessel als gemeinsame Kandidatin von CDU und Bürgerbewegung, David Wolf vom Verein Dorfkultur und AfD-Kandidat Alexander Zapke. Erreicht keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit, findet am 11. Oktober ein zweiter Wahlgang statt. Dann genügt die einfache Mehrheit, um als Chef in die Gemeindeverwaltung einzuziehen.

"Bauland schaffen und das Ehrenamt stärken"

Kathrin Gessel wurde von den beiden größten Gruppen im Gemeinderat nominiert. Sie  sieht sich als unabhängige Kandidatin, die für alle Bürger da sein will.   

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Kathrin Gessel (55) ist von Beruf Diplom-Ingenieurin für Verfahrenstechnik. Sie arbeitet als Gebietsleiterin im Baustoffhandel. Die Weifaerin ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.
Kathrin Gessel (55) ist von Beruf Diplom-Ingenieurin für Verfahrenstechnik. Sie arbeitet als Gebietsleiterin im Baustoffhandel. Die Weifaerin ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes. © SZ/Uwe Soeder

Frau Gessel,  warum möchten Sie nach vielen Jahren in der Wirtschaft beruflich in die Kommunalpolitik wechseln? 

Seit über 20 Jahren bin ich als Führungskraft in der Wirtschaft tätig. Eine Bürgermeisterin muss unternehmerisch denken und handeln. Über 15 Jahre durfte ich außerdem Erfahrungen im Kreistag und im Gemeinderat sammeln. Beides zu verbinden, ist mein innigster Wunsch und eine optimale Voraussetzung für die Lenkung der Geschicke unserer Gemeinde. Ich bin voller Energie, als Bürgermeisterin zu arbeiten und endlich mehr in der Gemeinde zu bewegen.

Bisher engagierten Sie sich mit dem Mandat der CDU. Warum treten Sie jetzt als gemeinsame Kandidatin von CDU und Bürgerbewegung an?

In unserer Gemeinde spielt Parteienpolitik keine Rolle. Probleme, die es vor Ort gibt, müssen durch gute Führung einer dienstleistungsorientierten und bürgerfreundlichen Verwaltung und der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und den Menschen gelöst werden. Es ist mir wichtig, dass unser Gemeinderat, mehrheitlich aus CDU und Bürgerbewegung,  hinter und zu mir steht. Ich verstehe mich als unabhängige Kandidatin, die für alle Bürger da ist. 

Was möchten Sie anders machen als Ihre Vorgänger?

Die Verwaltung und der Gemeinderat müssen endlich vertrauensvoll zusammenarbeiten. Die Gemeinde braucht sich nicht zu verstecken. Wir müssen uns nach außen selbstbewusster präsentieren, stärker in Netzwerke einbringen, ob touristisch oder wirtschaftlich.

Was sind die größten Herausforderungen in den nächsten Jahren?

Die Finanzen stehen natürlich immer im Fokus. Aber auch das Ehrenamt muss stärker unterstützt werden. Bauland schaffen, Kita und Schule entwickeln, baufällige Gebäude sichern. Auch die älteren Menschen dürfen wir nicht vergessen.

Was werden Sie tun, damit junge Leute in der Gemeinde bleiben?

Junge Menschen sollen ruhig erst einmal „raus aus dem Dorf“, ob zur Ausbildung oder zum Studium. Sie sollen aber wieder zurückkommen. Dafür muss eine Infrastruktur mit Kita, Schule, Ärztin, Einkaufszentrum zur Verfügung stehen. Der Wunsch nach Eigentum oder Bauland ist da. Wir brauchen einen Überblick über die Flächen, die für eine Bebauung zur Verfügung stehen. Ein Dorf der kurzen Wege – das ist nicht nur für junge Menschen wichtig.

Wie können Freizeit-Angebote wie das Freibad in Zukunft finanziert werden?

Dank eines großen ehrenamtlichen Engagements können wir viele Angebote vorhalten. Das ist nicht selbstverständlich und braucht mehr Anerkennung. Mit einem soliden Haushalt werden wir uns unser attraktives Freibad als touristischen Anziehungspunkt leisten können.

"Fördergelder zeitnah beantragen und optimal nutzen"

David Wolf tritt für einen jungen Verein an, der seit vergangenem Jahr im Gemeinderat vertreten ist. Im Fall seiner Wahl möchte er einen Top-Job aufgeben. 

David Wolf (32) ist von Beruf Servicetechniker beim Werkzeugmaschinenproduzenten Trumpf am Stammsitz in Ditzingen. Er lebt in Weifa und arbeitet, wenn möglich, von zu Hause aus.
David Wolf (32) ist von Beruf Servicetechniker beim Werkzeugmaschinenproduzenten Trumpf am Stammsitz in Ditzingen. Er lebt in Weifa und arbeitet, wenn möglich, von zu Hause aus. © SZ/Uwe Soeder

Herr Wolf, der Verein Dorfkultur ist ein junger Verein. Was ermutigt Sie, bei der Bürgermeisterwahl zu kandidieren? 

Der Verein Dorfkultur wurde gegründet von engagierten Einwohnern, um die Tradition des Dorffestes zu erhalten. Aus Liebe zur Heimat und als aktiver Mitgestalter auch anderer Veranstaltungen in unserer Gemeinde entstand bei mir der dringende Wunsch, mehr für das Gemeinwohl zu tun. Durch meine bisherige berufliche Tätigkeit habe ich Erfahrung in der Planung und Leitung von Großprojekten und bin in der Lage, ein Team kompetent zu leiten. Ich bin ein Mensch, der anpackt, nach Lösungen oder Alternativen sucht. Ich bin bereit, Verantwortung  zu übernehmen. 

Was möchten Sie verändern in der Gemeinde?

Mein Ziel ist, das Miteinander von Einwohnern, Gemeinderäten und Verwaltung zu stärken und die Interessen der unterschiedlichen Gewerke, Betriebe und Vereine zu unterstützen. Ich strebe eine zukunftsorientierte, familienfreundliche Gemeinde an, wo die Generationen gern miteinander leben und keiner ausgegrenzt wird. Dazu gehört auch, altersgerechtes Wohnen und die Barrierefreiheit für Körperbehinderte und ältere Menschen in bestimmten Gebäuden zu schaffen. Bürgernah und authentisch möchte ich mich für dir Belange der Einwohner einsetzen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in den nächsten Jahren?

Wir müssen den negativen Folgen des demographischen Wandels entgegentreten, Anreize für Gewerbetreibende schaffen, die Attraktivität für Firmenansiedlungen in unserer Gemeinde erhöhen und Investoren gewinnen, Neues bauen und Bewährtes erhalten. Die Digitalisierung müssen wir als Chance sehen, um Gesellschaft und Wirtschaft voranzubringen.

Die Gemeinde hat ein Freibad, Häuser in allen Ortsteilen, Bibliotheken. Wie ist das in Zukunft zu bezahlen?

In erster Linie durch gutes Haushalten. Die Gemeinde muss Fördermittel von Bund und Land zeitnah beantragen und optimal ausschöpfen. Auch halte ich die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden aus wirtschaftlicher Sicht für unbedingt erforderlich. Offen bin ich dabei für jegliche Anregung und Unterstützung. Eine Zusammenlegung von Gemeinden befürworte ich allerdings nicht.

Was werden Sie tun, um jungen Leuten Perspektiven aufzuzeigen, so dass sie in der Gemeinde bleiben?

Ein wichtiges Ziel ist es, die Infrastruktur zu verbessern. Der Erhalt von Schule und Kita in unserer Gemeinde hat hohe Priorität, ebenso die Schaffung von weiteren, attraktiven Freizeitangeboten.  Von großer Bedeutung ist auch die Erschließung von Bauland, um jungen Familien ein attraktives Wohnen im Grünen zu ermöglichen. 

"Junge halten und altersgerechtes Wohnen ermöglichen"

Alexander Zapke begründet seine Kandidatur für die AfD auch mit der Verantwortung für seine Kinder. Er vermeidet es aber, sich gegenüber Rechtsextremen in seiner Partei abzugrenzen.

Alexander Zapke (42) ist Angestellter. Er ist verheiratet und fünffacher Familienvater. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Steinigtwolmsdorf. Jetzt lebt er mit seiner Familie in Weißnaußlitz.
Alexander Zapke (42) ist Angestellter. Er ist verheiratet und fünffacher Familienvater. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Steinigtwolmsdorf. Jetzt lebt er mit seiner Familie in Weißnaußlitz. © SZ/Uwe Soeder

Herr Zapke, Sie wohnen in Weißnaußlitz und möchten Bürgermeister in Steinigtwolmsdorf werden. Wie gut kennen Sie die Gemeinde?

Ich habe die ersten 25 Jahre in der Gemeinde gelebt und wohne auch jetzt nur zehn Minuten von Steinigtwolmsdorf entfernt. Ich bin jede Woche aus familiären Gründen im Ort. Die kommunalpolitischen Probleme sind mir gut bekannt. Seit meiner Kandidatur habe ich mich noch intensiver damit beschäftigt. In diesem Jahr habe ich mehr Gemeinderatssitzungen besucht als 99 Prozent der Einwohner. 

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Der demographische Wandel mit seinen Folgen ist die größte Herausforderung. Wenn es nicht gelingt, junge Familien im Ort zu halten oder von außen anzusiedeln, werden die Einschnitte in der Infrastruktur sich weiter vergrößern. 

Wie möchten Sie die Abwanderung junger Menschen stoppen?

Junge Menschen gehen dahin, wo es gut bezahlte Arbeitsplätze gibt. Die Gemeinde muss da auf die Nachbargemeinden hoffen. In Neukirch, Sohland und Neustadt gibt es diese Arbeitsplätze. In Ringenhain, Weifa und Steinigtwolmsdorf kann man aber sehr gut leben. Es ist Aufgabe der Verwaltung, eine gute Infrastruktur und ein lebenswertes Umfeld zu bieten. Nicht nur junge Menschen soll man im Ort halten, sondern auch die Alten. Die Gemeinde sollte schnellstens Möglichkeiten finden, betreutes und altersgerechtes Wohnen zu ermöglichen. 

Steinigtwolmsdorf leistet sich ein Bad und Dorfgemeinschaftshäuser. Wie kann das finanziert werden?

Ein Freibad wird immer ein Zuschussgeschäft bleiben. Das jährliche Defizit kann durch neue und alte Ideen gesenkt werden. Als neue Idee sehe ich zum Beispiel einen Caravanstellplatz, und als alte Idee denke ich an die Wiederbelebung des Badfestes. Die Dorfgemeinschaftshäuser sind Teil des dörflichen Lebens und müssen erhalten bleiben. 

Warum treten Sie für die AfD an? Die Partei wird zum Teil vom Verfassungsschutz beobachtet, viele Mitglieder treten offen rechtsextrem auf. 

Ich trete für die AfD an, da diese als einzige Partei die Werte, Kultur und Traditionen unseres Vaterlandes erhalten will und ich eine Verantwortung meinen Kindern gegenüber habe. 

Wie stehen Sie zu einer Person wie Björn Höcke? Sollte er ähnlich wie der Ex-Landeschef in Brandenburg Kalbitz aus der Partei ausgeschlossen werden?

Björn Höcke hat allen Bürgern dieses Landes im Frühjahr gezeigt, dass Frau Merkel lieber einen Salonkommunisten in Thüringen als Ministerpräsidenten möchte als einen bürgerlichen FDP-Politiker. 

Noch einmal nachgefragt: Sie haben also mit Rechtsextremen in der AfD überhaupt kein Problem? 

Diese Frage blieb unbeantwortet.  

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