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"Drauf geschissen" heißt es bald im Barockschloss

In Rammenau wird eine Ausstellung vorbereitet, die sich ausschließlich ums stille Örtchen dreht. Jeder kann etwas dazu beitragen.

Eine Ausstellung im Barockschloss Rammenau wird sich demnächst Toiletten und allem, was dazugehört, widmen. Schlossleiterin Ines Eschler verrät vorab einige Details.
Eine Ausstellung im Barockschloss Rammenau wird sich demnächst Toiletten und allem, was dazugehört, widmen. Schlossleiterin Ines Eschler verrät vorab einige Details. © Steffen Unger

Rammenau. Mit dem Thema Stuhlgang hat sich das Rammenauer Barockschloss noch nie öffentlich beschäftigt, zumal es in den Räumen ursprünglich nicht eine einzige Toilette gab. "Die Menschen haben das damals anders gelöst", sagt die heutige Schlossleiterin Ines Eschler.

Umso skurriler ist, dass sich im kommenden Jahr eine ganze Ausstellung mit dem Titel "Drauf geschissen" genau mit diesem Thema auseinandersetzen wird. "Wir bringen eine Wanderausstellung rund um das Thema Toilette ins Barockschloss", berichtet Eschler. Zwischen dem 11. Februar und dem 7. August 2022 soll sich alles nur um diese eine Angelegenheit drehen.

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"Eine kleine Kulturgeschichte des stillen Örtchens" - so der Untertitel der Ausstellung - soll das Thema mit einem gewissen Augenzwinkern beleuchten und die Besucher mit interessanten Fakten überraschen. Denn die Toilettenbesuche haben sich im Laufe der Zeit grundlegend verändern.

Wie die Redewendung "Geld stinkt nicht" entstand

Los geht die Entdeckungsreise in der Zeit des römischen Kaisers Vespasian, der im ersten Jahrhundert nach Christus lebte und in seiner zehnjährigen Amtszeit als äußerst sparsam galt. Er führte damals eine Steuer für das Sammeln von Urin ein, denn Gerber, Wollweber und Tuchwalker konnten den sehr gut gebrauchen.

Die nach einiger Zeit ammoniakhaltige Flüssigkeit diente zum Reinigen von Geweben, Fasern und Tierhäuten. So wollte der Kaiser zusätzliche Einnahmen mit etwas generieren, was zu dieser Zeit alltäglich war.

Als Vespasians Sohn Titus seinen Vater aufgrund der neu eingeführten Steuer kritisierte, hielt dieser ihm der Überlieferung nach etwas Geld unter die Nase und kommentierte dies mit den Worten "Pecunia non olet" - zu Deutsch "Geld stinkt nicht". So entstand die noch heute gebräuchliche Redewendung.

Warum früher viel Parfüm verwendet wurde

Doch nicht nur um das römische Kaiserreich, das Mittelalter und die Neuzeit geht es in der Ausstellung. In Rammenau soll eine ganze Epoche hinzugefügt werden, die bisher noch kein Teil der Wanderausstellung ist - der Barock. Denn in dieser Zeit, genau gesagt im Jahr 1721, begann Ernst Ferdinand von Knoch mit dem Bau des Rammenauer Schlosses.

"Da gibt es die eine oder andere witzige Geschichte, die sich zu erzählen lohnt", berichtet Eschler. Denn zu dieser Zeit ließen die Menschen nur ungern Wasser an die eigene Haut und hatten andere Vorstellungen von Körperpflege.

"Stattdessen hat man sehr viel mit Parfüm und Puder gearbeitet und sich mehrmals am Tag umgezogen", sagt sie. Anstelle von Toiletten wurden Leibstühle oder Schieber genutzt. "Einige Exponate haben wir dazu auch schon im Schloss", sagt Eschler.

Wo Kritzeln auf der Klowand ausdrücklich erlaubt ist

Weitere Ausstellungsstücke werden dennoch gesucht - und nicht nur aus dem Barock. "Wir würden uns sehr über kleine Ergänzungen zu dieser Ausstellung freuen, die wir gerne auch zeigen wollen", sagt Eschler.

Dabei kann es sich einerseits um besondere Gegenstände handeln, aber auch lustige Geschichten seien sehr willkommen. Interessierte können sich erstmal unverbindlich per Telefon oder E-Mail beim Barockschloss melden.

Aber Besucher können im kommenden Jahr ihre besten Toiletten-Geschichten auch direkt zum Besuch der Ausstellung mitbringen. "Es wird die Möglichkeit geben, Sprüche an einem extra aufgebauten Klohäuschen anzubringen", kündigt die Schlosschefin an.

Kontakt: Telefon 03594 703559
E-Mail
[email protected]

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