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Neukirchs unterschätzte Vereine

Beim Familienkompass wird das Vereinsangebot in der Gemeinde deutlich schlechter bewertet als anderswo. Dabei hat der Ort eine ganze Menge zu bieten.

Das Neukircher Naturschutzzentrum unterbreitet viele Angebote für Kinder und Familien. Am Freitag waren Mitarbeiterin Irene Hempel und FÖJ-lerin Nora von Szada mit Vorschülern der Steinigtwolmsdorfer Kita unterwegs, um den Herbst zu erleben.
Das Neukircher Naturschutzzentrum unterbreitet viele Angebote für Kinder und Familien. Am Freitag waren Mitarbeiterin Irene Hempel und FÖJ-lerin Nora von Szada mit Vorschülern der Steinigtwolmsdorfer Kita unterwegs, um den Herbst zu erleben. © Steffen Unger

Neukirch/Lausitz. Isabel Dreßler kann sich die schlechte Bewertung im Familienkompass nicht so recht erklären. „Ich denke schon, dass Neukirch viele engagierte Vereine hat“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Naturschutzzentrums Oberlausitzer Bergland, das auch ein Verein ist. An diesem Freitag sind zwei ihrer Umweltpädagoginnen mit Vorschülern aus der Kita Zwergenland in Steinigtwolmsdorf im Wald, um den Herbst zu erleben und zu beobachten, was ihn ausmacht, Blätter zu bestimmen oder Früchte zu erkennen.

Trotz der zahlreich vorhandenen lokalen Vereine wurde die Gemeinde gemeinsam mit Steinigtwolmsdorf und Schmölln-Putzkau im Familienkompass mit einer deutlich unterdurchschnittlichen Note von 3,03 beim Thema „Vereinsangebote“ bewertet. Am Naturschutzzentrum liegt das wohl nicht. Laut Isabel Dreßler kommen gerade die Familientage und -nachmittage gut an. Und es gibt viele weitere Angebote. Am 7. November veranstaltet das Zentrum zum Beispiel einen Kurs zum Obstbaumschnitt, gemeinsam mit Mitgliedern der Gartenfreunde Neukirch.

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26 Vereine für rund 5.000 Einwohner

Das ist ein weiterer der 26 Vereine, die auf der Internetseite der rund 5.000 Einwohner zählenden Gemeinde Neukirch aufgeführt sind. Die Angebote sind nicht nur zahlreich, sondern auch breit gefächert. Es gibt zum Beispiel einen Posaunenchor, die Motorsportfreunde Valtental, Ortsvereine des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Volkssolidarität, die Uniformierte Schützengesellschaft und die Sportschützen oder den Kulturförderverein Neukircher Heimat.

Zur Vielfalt trägt auch der Verein Valtenbergwichtel bei, der im gesamten Bautzener Oberland aktiv ist. In Neukirch betreibt er das Jugendhaus, wo es etwa eine Rampe für Skater, Jugend-, Baby- und Seniorentreffs gibt. Auch der Jugendbeirat, eine gewählte Vertretung für die Interessen junger Menschen innerhalb der Kommune, geht auf die Initiative der Valtenbergwichtel zurück.

Dazu kommen Klassiker: drei Vereine, die sich mit der Zucht von Kaninchen, Geflügel sowie Ziergeflügel beschäftigen. Und Fußball wird natürlich auch gespielt, auf neuem Kunstrasen hoch oben über der Waldsiedlung mit besten Ausblick.

Der TSV 90 Neukirch kickt hier mit acht Mannschaften oder in Spielgemeinschaften, erklärt Präsident Andy Burkhardt. „Klar ist es mit der Corona-Lage zurzeit schwierig", sagt er. Aber der Verein sei dabei, den Nachwuchsbereich wieder mehr aufzubauen, und er könne sich über Zulauf  freuen. Etwa 180 Mitglieder habe der Verein aktuell. Der Großteil komme aus dem Ort selbst.

Das Einzugsgebiet erstrecke sich aber auch auf umliegende Gemeinden. Für Nachwuchsspieler gebe es Probetrainings. Beim jüngsten Sportfest der Grundschule habe der Verein Fußball-Übungen angeboten, um so auch auf sich aufmerksam zu machen.

Um Aufmerksamkeit geht es auch dem Förderverein der Oberschule am Valtenberg. Vereinsvorsitzende Janett Werner nimmt in Neukirch wahr, dass neue Veranstaltungen anfangs skeptisch beäugt würden. „Wenn es regelmäßig gemacht wird, etabliert es sich auch.“ Aber das brauche eben Zeit. Beim Weihnachtsbaumwerfen habe das schon geklappt. Auch das Herbstfeuer des Vereins werde gut besucht.

Förderverein vergibt Schüler-Stipendien

Mit den Einnahmen unterstützt der Verein die Oberschüler und finanziert etwa einen Teil der Fahrtkosten zur Buchmesse. Der 2015 gegründete Verein bezahlt auch die beiden jährlichen Stipendien, erklärt Janett Werner. „Die werden auf Empfehlung der Lehrer an zwei Schüler vergeben, die sich besonders angestrengt und in ihren Leistungen verbessert haben.“ Als Belohnung und Motivation erhalten sie über ein ganzes Schuljahr monatlich zehn Euro.

Janett Werner findet, dass Neukirch beim Vereinsleben gut aufgestellt ist, „aber jeder kocht sein eigenes Süppchen. Die Vereine könnten noch mehr zusammenarbeiten.“ Vor Kurzem habe das gut funktioniert, als der Förderverein gemeinsam mit den Kitas der Volkssolidarität und des DRK, der Freiwilligen Feuerwehr, der Grundschule sowie der Gemeindeverwaltung eine Streuobstwiese angelegt habe und vor allem Familien dazu eingeladen waren.

Angler veranstalten verschiedene Feste

Familliär geht es in Neukirch auch beim Angeln zu. Wer sich dazu berufen fühlt, hat die Auswahl zwischen zwei Vereinen. Dabei werden nicht nur Fische gefangen, sagt Tobias Flosbach, stellvertretender Vorsitzender des Anglervereins Obere Wesenitz. „Aktuell ist Angeln ohnehin sehr trendig durch den direkten Bezug zur Natur. Es geht bei uns zum Beispiel auch um Umweltschutz.“

Über 50 Mitglieder seien derzeit im Verein, der jährlich ein Teich-, ein großes Vereinsfest und Kinderangeln veranstaltet, alles am eigenen Oberen Hofteich nahe dem Ortsausgang in Richtung Naundorf. Den Teich habe man gekauft und pflege ihn etwa bei regemäßigen Arbeitseinsätzen. Viele Mitglieder würden ihre Kinder mitbringen und so gebe es auch Nachwuchs. „Sobald sie die Angel halten können, kommen sie mit.“

Am Harthteich im Niederdorf verbringen die Mitglieder des Anglervereins Neukirch ihre Zeit. Auch hier gibt es mehrere Generationen, und es werden Feste veranstaltet, sagt Björn Lommatzsch, der Vorsitzende. „Durch Corona war es dieses Jahr schwierig, aber 2019 haben wir ein Männertagsgrillen, ein Vereinsfest und das Abfischen veranstaltet. Unsere jüngsten Mitglieder sind sieben Jahre alt, die ältesten über 70.“ Was das Vereinsleben in Neukirch betrifft, könne man sich nicht beschweren. Es gibt genug Angebote, sagt Björn Lommatzsch.

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