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Team Freudenberg aus Bischofswerda geht wieder auf Titeljagd

Die Chefs des Teams Freudenberg KTM – Paligo Racing ziehen für 2022 eine positive Bilanz. Und sie blicken voraus: In diesem Jahr soll der IDM-Titel zurückgeholt werden.

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Michael Freudenberg (links), Lennox Lehmann (Mitte) und Carsten Freudenberg (rechts) hatten 2022 mit ihrem Team wieder viel Grund zur Freude.
Michael Freudenberg (links), Lennox Lehmann (Mitte) und Carsten Freudenberg (rechts) hatten 2022 mit ihrem Team wieder viel Grund zur Freude. © Thorsten Horn

Bischofswerda. Auch 2023 ist das Rennteam Freudenberg KTM – Paligo Racing in der Supersport-300-WM sowie in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) am Start – und demzufolge viel beschäftigt. Die Erfolge in der Vergangenheit waren aber stets ein guter Lohn für die Mühen. Neben zahlreichen nationalen Titel ist die Bischofswerdaer Truppe um den dreifachen DDR-Meister Michael Freudenberg und dessen einst im MZ-Cup ebenfalls erfolgreichen Sohn Carsten auch in der Weltmeisterschaft sehr erfolgreich.

Nach zwei IDM-Titeln mit dem Dresdner Lennox Lehmann – als damals Jüngstem der Geschichte – landete man 2022 mit ihm als Rookie sowie als einziges KTM-Team in der Supersport-300-WM auf dem neunten WM-Rang. Dabei durfte man sich über drei Podestplätze freuen. In der Zeit zwischen den Rennserien 2022 und 2023 gaben Michael und Carsten Freudenberg Sächsische.de ein exklusives Interview.

Über die Anfänge und größten Erfolge des Teams

Wie hat mit Ihrem Team eigentlich alles angefangen?

Michael Freudenberg: Ich selbst habe ja 1970 mit dem Kartsport angefangen und bin 1976 zu den Motorrädern gewechselt. Nach der Wende wollte ich 1990 mit 35 Jahren noch einmal in der EM so richtig angreifen und habe den Winter über trainiert wie ein Wahnsinniger. Damals ist auch mein Sohn Carsten in den Rennsport eingestiegen, hat sich aber gleich am Saisonbeginn einen komplizierten Beinbruch zugezogen. Da haben wir gesagt: „Jetzt ist Schluss!“

Ich habe dann erst einmal eine Fahrschule aufgebaut und mich der beruflichen Grundlage gewidmet. 1996 kam ein junger Rennfahrer aus Eibau auf mich zu und wollte, dass ich ihm ein bisschen helfe. Wie es so ist, dann bist du bei zwei, drei Rennen mit dabei und schon hat es dich wieder voll erwischt. Ein Jahr später ging es dann schon mit unserem eigenen Team wieder richtig los.

Was waren bisher Ihre größten Erfolge?

Michael Freudenberg: Da sind viele Deutsche Meistertitel mit verschiedenen Fahrern zu erwähnen. Von der Wertigkeit her war für uns aber das Größte, als wir 2013 mit dem Tschechen Karel Hanika den letzten Moto3-Europameister stellen konnten. Außerdem sind wir ja eine Zeit lang jedes Jahr mit verschiedenen Wild-Card-Fahrern beim Sachsenring Grand Prix am Start gewesen und haben da teilweise Top-Ten-Ergebnisse einfahren können.

Über die Kooperation mit KTM

Wie kam die Zusammenarbeit mit KTM zustande?

Michael Freudenberg: Als KTM Ende 2009 aus der WM ausgestiegen war, ist man auf uns zugekommen, ob wir Interesse hätten in der IDM mit KTM zusammenzuarbeiten. Seitdem vertrauen wir uns gegenseitig und brauchen keine ellenlangen Verträge mehr. Bei uns gilt: Ein Mann, ein Wort.

Warum sind Sie das einzige KTM-Team in der Supersport-300-WM?

Michael Freudenberg: Als die 300er-Klasse 2017 neu in die Superbike-WM integriert wurde, gab es bei der Einstufung ein ziemliches Durcheinander. Nachdem anfangs des zweiten Jahres gleich die ersten beiden Rennen KTM-Fahrer gewonnen hatten, wurde KTM auf Druck der anderen Werke unheimlich Leistung weggenommen. Wir haben aber gesehen, dass das Motorrad nach wie vor viel Potenzial hat. Wir hatten so viel Know-how und haben mit KTM weiter gemacht. Das rechnet man uns sicherlich bis heute hoch an. Unabhängig davon könnten wahrscheinlich auch andere Teams KTM fahren, doch die halten die an den japanischen Marken fest.

Über die vergangene Saison und neue Pläne

Wie lautet das Fazit der Saison 2022?

Carsten Freudenberg: Damit waren wir absolut happy. Lennox hat in seiner Rookie-Saison das Saisonziel sogar übererfüllt. Er sollte die ganzen Strecken und das Umfeld in der WM kennenlernen und hat das super gemacht. Seine drei dritten Plätze waren natürlich toll. In der IDM haben wir von 14 möglichen Siegen deren elf eingefahren, was ebenfalls mega war.

Das absolute Highlight war unser Dreifach-Podium auf dem Red Bull Ring. Das war der absolute Wahnsinn. Obwohl unser Leo Rammerstorfer erst seine zweite Saison fuhr, hat er bis zum Schluss um den Titel gekämpft. Da er noch nicht die Erfahrung hatte, immer konstant um die Siege mitzufahren, wurde es am Ende der Vizetitel. Aber er hat es trotzdem klasse gemacht. Wir waren das erfolgreichste Team in der IDM und haben den Herstellertitel für KTM gewonnen. Von daher war alles im grünen Bereich.

Das Team fährt auch 2023 zweigleisig in der WM und in der IDM. Wo mit welchen Fahrern?

Carsten Freudenberg: Wir sind wieder das offizielle KTM-Team. In der WM haben wir mit Lennox und dem Mannheimer Dirk Geiger sicherlich die stärkste Fahrerpaarung der letzten Jahre. Dirk hat im vorigen Jahr ein Rennen gewinnen können und Lennox stand – wie gesagt – drei Mal auf dem Podest. Mit ihnen sollten wir bestens gerüstet sein.

In der IDM wollen wir weiter mit jungen Fahrern weitermachen und diese für die WM vorbereiten. Das ist auch von KTM ein großer Wunsch. So fährt in diesem Jahr der Niederländer Walid Khan wieder für uns. Von ihm erwarten wir, dass er um die Meisterschaft mitfährt.

Neben ihm kommt mit dem Vogtländer Dustin Schneider ein 16-jähriger Fahrer neu rein. Was mich besonders freut ist, dass wir mit einem Niederländer und drei deutschen Fahrern am Start sein werden. Als deutsches Team versuchen wir immer wieder, deutsche Fahrer nach vorn zu bringen.

Wann, wo und wie oft werdet ihr euch auf die neue Saison vorbereiten?

Carsten Freudenberg: Im Moment laufen noch die Homologation und die Abnahme des neuen Bikes. Von daher werden wir erst Anfang März auf drei verschiedenen Strecken in Spanien in die richtige Vorbereitung einsteigen. Aber da mache ich mir keine Sorgen.

Was sind die Unterschiede der neuen KTM RC 390 R im Vergleich mit dem bisherigen Modell?

Carsten Freudenberg: Der Unterschied ist in Sachen Fahrwerk, Dämpfer und Aerodynamik gravierend, aber dazu möchte ich noch nicht zu viel verraten. Natürlich ist unser großer Wunsch, dass das Motorrad noch konkurrenzfähiger sein wird. Darauf arbeiten wir zusammen mit KTM – die uns da wirklich hervorragend unterstützen – logischerweise hin.

Über die anstehenden Ziele

Wie lauten die Saisonziele für 2023?

Carsten Freudenberg: In der WM ist es mein Wunsch, dass wir mit beiden Fahrern regelmäßig in die Top 5 fahren beziehungsweise ums Podium kämpfen können. In der Endabrechnung wäre Top 3 absolut mega. Mit einem ganz kleinen Auge schielen wir mal irgendwann auch auf den WM-Titel. Aber das wäre im Moment vielleicht noch ein bisschen zu hoch gegriffen. Aber man soll niemals nie sagen. In der IDM wollen wir ganz klar den Titel zurückholen.

Das Interview führte Thorsten Horn.