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Bischofswerdas neuer Ortswehrleiter

Thomas Woletz wollte bei der Feuerwehr etwas kürzer treten. Jetzt stellt er sich doch der Aufgabe. Weniger als 100 Prozent möchte er dafür nicht geben.

© Rocci Klein

Von Theresa Hellwig

Bischofswerda. Es knallt. Rauch steigt auf. Thomas Woletz steht vor dem städtischen Bauhof und schaut auf seinen Pieper. Noch kein Signal. Er steckt das Gerät weg, beobachtet das Geschehen. Als es piept, ist nahezu augenblicklich das Blaulicht zu sehen. Thomas Woletz schaut auf die Uhr: Das war flott. „B1“ wird auf dem Pieper angezeigt. „Das steht für Kleinbrand“, erklärt der 38-Jährige, der im Februar zum neuen Ortswehrleiter der Bischofswerdaer Feuerwehr gewählt wurde. Ganz gelassen steht er vor dem Einsatzort. Denn echte Verletzte gibt es nicht: Die Kameraden fahren – noch wissen sie es nicht – einen Übungseinsatz.

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Und weil der Vorfall für die Geschwister-Scholl-Straße gemeldet wurde, düsen die Feuerwehrwagen zunächst an der Einfahrt vorbei, die Straße hoch. Thomas Woletz nickt in Richtung der Einsatzfahrzeuge und sagt: „Das war Absicht. Auch im realen Leben kann das mal unkonkret gemeldet sein.“ Es knallt ein weiteres Mal, dann noch einmal. Der neue Ortswehrleiter lacht: „Spätestens jetzt wird auch dem Letzten einleuchten, dass das eine Übung ist.“

Als die Wagen endlich auf die richtige Einfahrt fahren, holt sie ein Mann in Sweatshirtjacke ab. „Da vorne links war‘s“, sagt er und führt den Einsatzleiter zu den Garagen. An deren Toren hängen Flaggen: Die zeigen an, was hier angeblich vorgefallen ist. Eine Fahne zeigt: Hier brennt es, eine andere: Hier wird eine Person vermisst. Die Kameraden und Kameradinnen bewegen sich ruhig. „Außer Atem zu sein, das bringt hier gar nichts“, erklärt Thomas Woletz. „Dann kann man plötzlich das Funkgerät nicht mehr vernünftig entgegennehmen.“

Personalsorgen sind allgegenwärtig

Der Bischofswerdaer ist an diesem Tag ein reiner Beobachter. Sein Stellvertreter Martin Philipp hat die Übung organisiert. „Eigentlich wollte ich mir eine fünfjährige Auszeit von dem Amt mit Verantwortung gönnen“, erzählt der ehemals stellvertretende Ortswehrleiter. Damals hatte er das Gefühl, nicht mehr zu 100 Prozent bei der Sache zu sein – doch genau das war ihm wichtig. Dann jedoch wurde Sixten Mütterlein, der vorher 22 Jahre lang an der Spitze der Schiebocker Ortswehr stand, zum Gemeindewehrleiter befördert. „Es gab keinen anderen, der Wehrleiter werden wollte“, erzählt Thomas Woletz, der gegenüber der Feuerwehr wohnt.

Die Personalsorgen – das Thema ist allgegenwärtig. Auch an diesem Tag wurden über 50 Kameraden angepiept, zum Einsatz kamen etwa 20. Ein normaler Schnitt, abends. Tagsüber sind es deutlich weniger: Viele Arbeitgeber können nicht ständig auf ihre Mitarbeiter verzichten. Thomas Woletz hat da Glück: Mit seiner Arbeit lässt sich seine Aufgabe vereinbaren. Er arbeitet beim städtischen Bauhof. Wenn sein Pieper Laut gibt, darf er gehen. „Ein Zufall“, dass er dorthin wechselte, erzählt der ehemalige Straßenbauer. Denn: Er wollte sich die Auszeit wirklich gönnen, erklärt er. Aber irgendwie hänge das Herz dann ja doch an der Sache. „Mein Vater ist bei der Feuerwehr, mein Onkel auch. Schon, als ich noch ein kleiner Steppke war, hat mein Vater mich jeden Sonnabend mitgeschleppt.“

Vor allem organisatorische Aufgaben

Nun wächst er in sein neues Amt hinein. Seine Aufgaben sind dabei vor allem organisatorischer Art. Bei Einsätzen fungiert er als Mädchen für alles. Wie viel Arbeit das ist? Nun, er sei schon jeden Tag nach Feierabend damit beschäftigt. Das sei anstrengend, mache aber auch Spaß. „Nervig ist das nicht. Sonst würde ich es nicht machen“, erklärt er.

„Meine Mannschaft unterstützt mich. Und Sixten kann ich auch immer anrufen“, erzählt er. Thomas Woletz gibt sich bescheiden, ist kein Selbstdarsteller. Immer wieder betont er, dass er nicht im Vordergrund stehen möchte – seine Kameraden, die leisten die Arbeit. „Ich bin doch nicht die Feuerwehr“, sagt er. Er erzählt, wie viel Respekt er beispielsweise vor den Frauen hat, die sich engagieren, teilweise Atemschutzgeräteträgerinnen sind. Das sei körperlich sehr anstrengend.

Daniel Richter, Einsatzleiter, läuft vorbei, spricht Thomas Woletz an: „In der Praxis würde ich jetzt noch einen Trupp anrufen, meine Leute sind alle beschäftigt. Soll ich bei der Leitstelle nachfordern?“ Der Ortswehrleiter schüttelt den Kopf; es ist ja nur eine Übung. Als Daniel Richter wieder gegangen ist, sagt Thomas Woletz: „Der macht das gut. Das freut mich – er hat die Zugführerausbildung erst seit einem halben Jahr.“ Für einige der Kameraden ist es an diesem Tag sogar der allererste Einsatz.

Der dicke Schlauch führt in den nahegelegenen Teich. Auf der Drehleiter steht ein Kamerad und löscht das nicht vorhandene Feuer. Vom Dach plätschert Wasser, Tropfen regnen vom Himmel. Thomas Woletz grinst. Bei so viel Aufopferung, so viel ehrenamtlichem Engagement, muss er seinen Leuten auch etwas Spaß gönnen.