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Bits und Bytes steuern Anlagen

Die Firma AIS Automation Dresden entwickelt Software für viele Branchen. Mit dem Wirtschaftsboom hat sie sehr viel zu tun.

© René Meinig

Von Bettina Klemm

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Softwareentwicklung – das klingt wenig spektakulär. Doch sie haben mit ihrer Arbeit dafür gesorgt, dass zum Beispiel im Rangierbahnhof Container-Waggons wie von Geisterhand an die richtige Position bugsiert werden. Fast zehn Güterbahnhöfe im Osten des Landes arbeiten mit Verkehrstechnik der Softwareentwickler der AIS Automation Dresden GmbH. In Halbleiterfabriken und im Maschinenbau „sprechen“ die einzelnen Produktionsanlagen miteinander. Gleichzeitig werden alle Daten erfasst. So lassen sich einzelne Produktionsschritte selbst winziger Teile bis zum kleinsten Detail nachverfolgen. Ohne eine speziell für die jeweiligen Aufgaben entwickelte Software läuft heutzutage kaum noch eine Produktion.

1990 gründeten drei ehemalige Mitarbeiter des einstigen Betriebes Hochvakuum Dresden ihre Gesellschaft für Automatisierungs- und Informationssysteme, daher auch die Abkürzung AIS. Gestartet ist das Unternehmen mit acht Mitarbeitern. Heute stehen 136 auf den Listen für die Gehaltsabrechnung. Sie bieten Softwarelösungen von Prozesssteuerungen bis zur Fabrikautomation an.

AIS hatte in gemieteten Räumen in Niedersedlitz begonnen. 2000 eröffnete sie ihr erstes Firmengebäude im Gewerbegebiet Reick. Sieben Jahre später folgte das zweite Haus gegenüber. 2007 verkauften die Gründer ihre Firma an die Roth & Rau-Gruppe. Seit 2011 gehört sie zum weltweit tätigen Technologieunternehmen Meyer Burger mit Hauptsitz in der Schweiz. Ein großes Unternehmen im Hintergrund hilft besonders bei internationalen Aktivitäten. AIS verfügt über Service- und Vertriebsbüros in Deutschland, China und den USA.

An der Entwicklung hat Dirk Sauer fast von Beginn an mitgewirkt. Er kam 1991 als junger Softwareentwickler ins Unternehmen. „Unsere Mitarbeiter sind nicht nur Spezialisten in Sachen Software, sondern auch in dem jeweiligen Fachgebiet des Auftraggebers“, erklärt er. Sie müssen die Anlagen zur Produktion von Sensoren oder Arzneimitteln ebenso verstehen wie die Herstellung von Wafern oder Solarzellen, und die Arbeitsweise von Vakuumbeschichtungsanlagen. Auch wenn ein Softwareprogramm zunächst sehr theoretisch wirke, könnten die Mitarbeiter am Ende gut verfolgen, was es bewirkt. „Ein paar Bits sorgen kontrolliert dafür, dass tonnenschwere Teile gehoben werden“, beschreibt es Sauer. Seit fast vier Jahren steht der 50-Jährige als Geschäftsführer an der Spitze der AIS. „2017 war eines der erfolgreichsten Jahre unseres Unternehmens. Wir haben einen Umsatz von knapp 14 Millionen Euro erzielt. Das sind fast 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor“, sagt Sauer.

Hatten die AIS-Softwareentwickler immer schon reichlich zu tun, so sind sie gegenwärtig noch stärker gefragt. Drei Faktoren sprechen dafür: Die Wirtschaft brummt, der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat reichlich zu tun. So steuern Programme der AIS viele Produktionsanlagen. Mit dem Internet der Dinge, der Industrie 4.0, verschmelzen zudem Internet- und Industrietechnik miteinander. Dabei erweise sich, so Sauer, die AIS-Software als ein starker Motor. „Als dritten Faktor sehen wir unsere Cloud-Software, mit der unsere Kunden ihre eigenen Prozesse optimieren und neue Leistungen und Services anbieten können“, erläutert der Firmenchef. AIS investiert für die Entwicklung dieser Internet-Software viel. D as Unternehmen sucht immer engagierte Ingenieure.

AIS ist in Branchen wie Halbleiter-, Automobil- und pharmazeutischer Industrie sowie Bahntechnik tätig. Ursprünglich spielte auch die Photovoltaik eine bedeutende Rolle. Der Einbruch in dieser Branche 2010/11 brachte für die AIS schmerzhafte Einschnitte. „Aber da wir in anderen Bereichen gut aufgestellt sind, konnten wir das relativ gut kompensieren“, sagt Sauer.

Die Firma AIS arbeitet mit regionalen Unternehmen eng zusammen und ist Partner in verschiedenen Netzwerken. 2003 gehörte es beispielsweise zu den Gründern des Hightech-Clusters Automation Network Dresden. Durch das Industrienetzwerk bieten die vier Unternehmen AIS, Xenon, Systema und Fabmatics eine breite Technologiekompetenz.