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Bitte gießen!

Gemeinden ersuchen Bürger um Mithilfe, damit Grünflächen nicht vertrocknen. Auch Bäume und Wein dürstet es.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

Radebeul. Um die 32 Grad und noch immer kein Regen: Nicht nur Menschen und Tiere ächzen derzeit unter der Dauerhitze. Auch Pflanzen leiden. Ganz deutlich sieht man das den Bäumen an der Radebeuler Gartenstraße an. Die jungen Ahorne lassen die Blätter hängen. Das Laub sieht teilweise schon aus wie im Herbst. Braune Ränder haben sich gebildet. „Die Bäume sind am Verdursten“, sagt Unternehmer Manfred Meyer, der dort täglich vorbeikommt.

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Welke Blätter wie im Herbst hängen an den Ahornbäumen in der Radebeuler Gartenstraße. Die Ränder des Laubs sind schon braun.
Welke Blätter wie im Herbst hängen an den Ahornbäumen in der Radebeuler Gartenstraße. Die Ränder des Laubs sind schon braun. © SZ/nis
Noch bunt und frisch sehen hingegen die Blumen vor dem Kulturbahnhof in Radebeul-Ost aus. Hier wird regelmäßig gegossen.
Noch bunt und frisch sehen hingegen die Blumen vor dem Kulturbahnhof in Radebeul-Ost aus. Hier wird regelmäßig gegossen. © Norbert Millauer
Vermutlich schon abgestorben ist dieser Straßenbaum an der Schildenstraße. Junge Bäume mit kurzen Wurzeln haben es besonders schwer.
Vermutlich schon abgestorben ist dieser Straßenbaum an der Schildenstraße. Junge Bäume mit kurzen Wurzeln haben es besonders schwer. © SZ/nis

Die Pflanzen vor seinen Gewerbeparks gießt er inzwischen selbst. Doch eigentlich sei das Aufgabe der Stadt, findet der Radebeuler. Auch an der Schildenstraße und am Robert-Werner-Platz hat er Bäume entdeckt, die schon am Absterben sind. „Da werden Steuergelder verschleudert“, beschwert sich Meyer.

Heike Funke vom Sachgebiet Stadtgrün erklärt, dass an den genannten Stellen gegossen wird. Optisch machen die Pflanzen allerdings einen vertrockneten Eindruck. Wie gut die Bäume die Hitze verkrafteten, hänge aber auch von ihrer Konstitution ab, sagt Funke. Pflanzen, die schon vorher geschädigt waren, gehe es schlechter. Vor allem für junge Bäume, die ab 2016 gepflanzt wurden, bedeute die Trockenheit Stress.

Fürs Gießen ist in Radebeul hauptsächlich die Firma Neru zuständig. Mit zwei Wasserwagen werden im Jahr etwa 12  000 Kubikmeter Wasser verteilt. Vorrang haben die Straßenbäume und Neupflanzungen, erklärt Funke. Auch ganze Parkanlagen müssen bewässert werden, dazu gehören der Karl-May-Hain, der Hochzeitsgarten, der Apothekerpark und der Hörningplatz. Vor allem was die Straßenbäume anbelangt, bittet die Stadt jetzt die Bürger um Mithilfe: Für zusätzliches Wässern durch die Anwohner sei man sehr dankbar.

Auch in Moritzburg setzt die Gemeinde auf engagierte Anwohner. Die Blumenkübel mit Geranien werden von Bürgern gegossen und einmal wöchentlich von externen Dienstleistern, sagt Jens Kaltschmidt von der Gemeindeverwaltung. Zwei Kubikmeter Wasser sind dafür nötig. An der Schlossallee rücken die Gießtrupps derzeit alle zwei bis drei Wochen mit 30 Kubikmeter Wasser an. Andere Grasflächen und Bäume werden in Moritzburg hingegen nicht gewässert.

Täglich sechs Kubikmeter

In Coswig übernimmt der Bauhof das Gießen von öffentlichen Grünflächen und teilweise auch der Bäume. Zwei Wasserwagen sind im Einsatz, täglich werden circa sechs Kubikmeter Wasser benötigt. Gegossen wird die Sommerbepflanzung, also zum Beispiel die Blumen in den Beeten vor dem Rathaus. Bäume und Sträucher bekommen mindestens bis drei Jahre nach ihrer Pflanzung eine regelmäßige Wasserdusche, ebenso wie Staudenbeete.

Nicht nur Bäume und Blumen leiden unter der langanhaltenden Hitze. Auch der Wein dürstet. Damit die Reben trotzdem gut durch das Weinjahr kommen, ist die Bewirtschaftung der Weinberge jetzt erheblich aufwendiger, sagt Wackerbarth-Sprecher Martin Junge. Auf dem Wackerbarth-Berg gebe es fast durchgängig eine Tropfenbewässerung. Junge Reben, deren Wurzeln noch nicht weit in den Boden reichen, werden mit Tankwagen bewässert. Insgesamt vier Hektar, darunter auch Weinstöcke am Goldenen Wagen. Die Böden müssen jetzt noch intensiver bearbeitet werden, sagt Junge. Die größte Herausforderung für Wackerbarth: Genügend Aushilfen in der Ferienzeit finden. Junge dankt den Mitarbeitern, dass sie wegen der Witterung sogar ihre Urlaubsplanung geändert haben. Dank des großen Einsatzes seien die Reben bis jetzt gut durchgekommen und entwickelten sich gesund.

Was passiert, wenn gerade junge Bäume jetzt nicht ausreichend gegossen werden, ist auf einer kleinen Baumwiese an der Mittleren Bergstraße in Zitzschewig zu sehen. Dort sind mehrere Bäume, welche die Deutsche Bahn vor wenigen Jahren pflanzen ließ, abgestorben. Bahnsprecher Holger Auferkamp erklärte zwar gegenüber der SZ, dass ein Unternehmen mit der Bewässerung beauftragt sei. Anwohner berichten aber, dass dort so gut wie nie gegossen wurde. „Nicht mal nach dem Pflanzen“, schreibt ein Anlieger bei Facebook.