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„Bitte kein Papier mehr“

Bei Feralpi bewerben sich jährlich mehr als 1 000 Menschen. Jeder Fünfte macht was falsch, sagt der Personalchef.

© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

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Riesa. Gedeckte Farben dominieren: Schwarz und blau sind die meisten Kunststoffhefter, die sich auf dem Tisch von Kai Holzmüller türmen. Einige Grüne sind auch dabei. Am liebsten wäre es dem Personalchef allerdings, wenn da gar kein Stapel läge – sondern alles gleich im E-Mail-Postfach landen würde. „Die Papierbewerbung hat ausgedient“, sagt der Personalleiter von Feralpi Stahl in Riesa. „Sie ist für alle Beteiligten aufwendig, langsam und zu teuer“, sagt der 40-Jährige, der im Oktober bei Feralpi angefangen hat, nachdem er sechs Jahre lang für das Personal eines Pharmaunternehmens in Zwickau zuständig war und danach für einen großen Kälteanlagenbauer arbeitete.

Er selbst hat sich in Riesa selbstverständlich per E-Mail beworben, sagt Kai Holzmüller. „An der digitalen Bewerbung geht kein Weg vorbei.“ Sie spare den Bewerber nicht nur Porto, Papier und Bewerbungsmappe. Es gehe auch deutlich schneller. „Wenn bei einer Stellenbesetzung mehrere Vorgesetzte mitzureden haben, muss ein Bewerbungshefter sonst von einem Schreibtisch zum nächsten Schreibtisch weitergeschickt oder eingescannt werden.“ Und womöglich bleiben die Papierunterlagen irgendwo auch mal länger liegen. Bei einer E-Mail dagegen sei das kein Problem: Die könnten alle Beteiligten gleichzeitig lesen.

Auch aufseiten des Unternehmens sinke dadurch der Aufwand: Während man sämtliche Papierbewerbungen erst mit Eingangsstempeln versehen, dann teilweise kopieren und später an die Bewerber zurücksenden muss, gibt es damit bei E-Mails kein Problem. Die kann auch keinen unschönen Knick oder einen versehentlichen Kaffeefleck abbekommen. Das klingt banal – macht sich aber bei im Schnitt mehr als 1 000 Bewerbungen pro Jahr bemerkbar. Darunter sind jährlich 200 bis 300 Papierbewerbungen, in denen die Absender nicht einmal eine E-Mail-Adresse angeben.

Mehr als 1 000 Bewerbungen jährlich bekommt auch Neways-Electronics in Riesa. „Wir wollen auch von der Papierform weg“, sagt Personalleiterin Ina Rösler. Noch werden auch die Papier-Bewerbungen gesichtet. Aber viel lieber erhalte man die Unterlagen elektronisch – im Format pdf. „Damit können wir geeignete Bewerbungen auch viel schneller an die Fachabteilungen weiterleiten“, sagt Ina Rösler. Aktuell denke man auch schon darüber nach, ein sogenanntes Bewerbungstool einzurichten, bei dem Bewerber online alle Angaben in ein vorgegebenes Muster eintragen.

So eins ist auf der anderen Elbseite, bei Wacker in Nünchritz, schon üblich. „Bei uns sind ausschließlich Online-Bewerbungen möglich“, so Sprecherin Asta Tehnzen-Heinrich. Unter wacker.com kann man seine Bewerbung direkt eingeben und die Anlagen hochladen. Dann erhält man einen eigenen Online-Zugang, bei dem man seine Bewerbung stets ansehen oder aktualisieren kann. Wacker gibt an, den Bewerber per E-Mail über den aktuellen Status der Bewerbung auf dem Laufenden zu halten.

„Wer uns trotzdem was auf Papier schickt, wird gebeten, das online zu wiederholen“, sagt die Wacker-Sprecherin. Schließlich müssten heute sämtliche Bewerber mit elektronischen Medien umgehen können.

Bei Feralpi Stahl bevorzugt man derzeit das Format pdf. Bewerber sollten dort alle Anlagen in gut lesbarer Qualität in drei Dateianhängen (Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse) zusammenfügen. „Mit drei bis maximal fünf MB sind Bewerber auf der sicheren Seite, dass ihre E-Mail nicht verloren geht oder durch die Firewalls der Unternehmen geblockt wird“, sagt Kai Holzmüller. Wichtig sei eine seriöse E-Mail-Adresse des Bewerbers, die auch regelmäßig abgerufen wird. Dazu eine Handynummer, eine klare Struktur und ein professionelles Foto. Auf Chat-Ausdrücke, Emojis, Abkürzungen oder Rechtschreibfehler verzichte man dagegen gern. Auch Feralpi plant bereits eine elektronische Bewerberplattform. Schon jetzt aber sichere man schnelle Rückmeldungen auf elektronische Bewerbungen zu – und einen absolut vertraulichen Umgang mit den Daten, die nach einer gesetzlich vorgesehenen Frist auch wieder gelöscht werden.