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Bitte reden Sie keinen Müll

SZ-Lokalchef Peter Anderson über Konkurrenz und Kosten

Peter Anderson © SZ-Fotomontage

Wohnungen teurer, Smartphones teurer, Pakete teurer – das sind nur drei Schlagzeilen, welche die Suchmaschine Google zu diesem Thema am Donnerstag ausspuckt. Ja, auch der Zeitungspreis steigt jedes Jahr. Da will ich aus dem Glashaus nicht mit Steinen werfen. Preiswerter sind in den letzten Jahren höchstens elektronische Geräte wie Tintenstrahldrucker oder Flachbildschirme geworden. Hier drücken die großen Verkaufsmengen auf die Preise. Zudem hat sich die Produktion verbilligt.

Diesen Hintergrund sollten wir uns vergegenwärtigen, wenn wir die aktuelle Situation bei den Abfallgebühren in der Region betrachten. Im Altkreis Meißen sind sie seit sagenhaften 18 Jahren stabil geblieben, im Altkreis Riesa-Großenhain seit beachtlichen sieben Jahren. Teilweise hängt dies damit zusammen, dass in den Müllverbrennungsanlagen sehr große Kapazitäten existieren und sich dort in der Vergangenheit erhebliche Einsparungen realisieren ließen. Ein zweiter Punkt besteht wahrscheinlich darin, dass der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE) aufgrund der Strukturreformen mittlerweile hohe Mengen ausschreiben kann. Dafür lassen sich günstigere Preise erzielen als fürs Kleinklein.

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Nun allerdings könnte das Einsparpotenzial ausgereizt sein. In der Branche wird längst deutlich über dem Mindestlohn vergütet. Die Kosten für Kraftstoff haben einen beachtlichen Anteil erreicht. Um strengere umweltrechtliche Vorgaben zu erfüllen, sind Investitionen in neue Technik nötig. Die sich stetig steigernde Maut bildet einen weiteren Kostenfaktor.

Insofern ist es eher wahrscheinlich, dass den Haushalten im Landkreis nach 2021 Gebührenbescheide in die Briefkästen flattern, die erhöhte Ausgaben für den Abfall einfordern.

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Ist es dabei nicht eigentlich fahrlässig, ein wildfremdes westdeutsches Unternehmen als quasi Generalauftragnehmer mit der Müllabfuhr im Kreis zu beauftragen? Solche Klischees sollten besser der Vergangenheit angehören. Knettenbrech und Gurdulic arbeitet nicht weniger und nicht mehr gewinnorientiert, als dies Remondis oder Neru tun. Konkurrenz hat noch immer das Geschäft belebt. Daran sollten wir uns halten.

E-Mail an Peter Anderson