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Bizarre Trauerarbeit um toten Radfahrer

Es geht um Raub und das Rad eines toten Freundes. Zwei Angeklagte machen vor dem Landgericht Dresden jedoch zu den Vorwürfen keine Angaben.

Von Alexander Schneider

David H. (31) und René M. (30) darf man getrost als gerichtserfahren bezeichnen. Der eine hat 13 Vorstrafen, der andere kommt auf immerhin vier. Auch wenn sich die beiden Freunde in den letzten Jahren etwas ruhiger verhalten haben, stehen sie nun wieder als Angeklagte vor dem Landgericht Dresden. Neben ihrer Affinität zu allerlei Paragrafen des Strafgesetzbuchs eint die beiden eine Begeisterung fürs Downhill-Fahrradfahren. Die wird wohl auch der Grund für das jetzige Verfahren sein. Denn hinter den Vorwürfen steht eine offenbar noch nicht ganz bewältigte Trauer um einen 2010 tödlich verunglückten Freund, der offenbar wie sie Downhill-Radler war.

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Die Geschichte beginnt mit einem vierten Freund der Downhill-Anhänger – dem späteren Geschädigten Pascal D. (23). Auch er ist Radler mit Leidenschaft und war mit dem tödlich verunglückten Martin S. (23) befreundet. S. war unter nicht geklärten Umständen von einem Autofahrer in der Lohrmannstraße überrollt worden. Der Unglücksfahrer war im Mai 2010 angeblich nach einem Diskobesuch von jungen Männern angegriffen worden. Drei Jahre später habe Pascal D. das „Dirt Bike“ genannte Sportgerät seines toten Kumpels zufällig entdeckt. Ein Dieb hätte es vor Jahren gestohlen. Pascal D. habe sofort gewusst, dass er das Rad von Martin S. vor sich hatte, als er einen Radler in Pieschen damit erblickte. Für diese Gabe muss man wohl viele Jahre im Sattel verbracht haben.

Das Rad sollte raus aus Dresden

Warum der 23-Jährige jedoch den „neuen“ Besitzer nicht – wie es sich gehört – angezeigt hat, bleibt sein Geheimnis. D. sagte gestern als Zeuge, er habe ihm das Rad für 250 Euro abgekauft, um es der Mutter von Martin S. zurückzubringen. Das Rad, sagt D., habe wegen des Todesfalls „eine Story“ – eine Geschichte. Die Mutter jedoch habe ihn gebeten, dafür zu sorgen, dass dieses Rad nicht mehr durch Dresden rollt.

Dafür wollte D. nun angeblich sorgen, kam aber René M. in die Quere. Auch der hatte laut D. seit Jahren nach dem vermissten Dirt Bike gesucht. Im Mai 2013 hätten dann die Angeklagten M. und H. plötzlich vor dem Haus von Pascal D. gestanden. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden nun vor, sie haben D. das Rad abgeknöpft und ihm Schläge angedroht. Eine Woche später seien sie wieder zu D. gekommen, um die restlichen Teile des Rads zu holen, die D. zuvor abgebaut hatte. Erneut sollen sie D. gedroht haben. Und schließlich wieder eine Woche später haben die beiden laut Anklage D.s Tür eingetreten, den 23-Jährigen niedergeschlagen und dessen Notebook entwendet.

Die Angeklagten wollten zunächst keine Angaben machen. Auch über den Todesfall ihres Kumpels, angeblich waren sie dabei, wollten sie nichts sagen. Das Gericht muss nun klären, was an den Vorwürfen dran ist. Für die erheblich vorbestraften Männer steht viel auf dem Spiel. Der Prozess wird fortgesetzt.