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Weißwasser

„Black Friday“ im Fuchsbau

Die Lausitzer Füchse kommen im Derby gegen Dresden mit 3:7 unter die Räder. Die Defensive ist völlig von der Rolle.

Die Füchse (im Bild Feodor Boiarchinov) hatten im Derby gegen Dresden in dieser Verfassung keine Chance.
Die Füchse (im Bild Feodor Boiarchinov) hatten im Derby gegen Dresden in dieser Verfassung keine Chance. © Gunnar Schulze

Am „Black Friday“, dem Schwarzen Freitag, locken Geschäfte mit besonderen Rabattaktionen ihre Kundschaft. Auch die Lausitzer Füchse machten da keine Ausnahme und veranstalteten im Fuchsbau ihre Variante des Schwarzen Freitags. Sie ließen die Gäste aus Dresden günstig zu ihren Toren kommen und legten die drei Punkte praktisch gratis oben drauf. Klingt dramatisch. War es auch. Die Abwehr der Weißwasseraner zeigte bei der 3:7 (0:1, 1:2, 2:4)-Niederlage kaum einmal den Biss, den es braucht, um in der Liga Spiele zu gewinnen. Vorn blieb es bei Stückwerk und Einzelaktionen, echte Entschlossenheit und ein gemeinsamer Plan waren Fehlanzeige.

Schon das erste Drittel bot viel Drama. Obwohl Dresden von den ersten neun Minuten sechs in Unterzahl bestreiten musste, hatte die Mannschaft von der Elbe das deutliche Chancenplus auf ihrer Seite. Nach dem Anstoßbully konnte sich Weißwasser 50 Sekunden lang nicht aus dem eigenen Drittel befreien. Die beherzt angreifenden Eislöwen erhielten einen Dämpfer, als Nick Huard Jordan George vor dem Füchsetor mit dem Stock im Gesicht traf. Der Fuchs musste behandelt werden, Huard vier Minuten auf die Strafbank.

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Die Überzahl sah jedoch über weite Strecken nicht wie eine aus. Darcy Murphy kam zu Beginn noch in eine gute Schussposition, verzog aber links neben das Tor, danach gab es kein Durchkommen mehr, wenn der Spielaufbau überhaupt bis in das gegnerische Drittel gelang. Immerhin konnte George wieder auf das Eis zurückkehren, aber kaum Impulse setzen.

Eine gute Gelegenheit hatte Weißwasser nach dem Ende der Strafzeit dann doch, Philipp Kuschel wurde nach einem Bullygewinn freigespielt, Luis Rentsch kam zum Nachschuss, war aber da zu zögerlich – das hätte die Führung sein können.

Eine zweite Überzahl nach dem Haken von Timo Walther brachte gar keine Chance für die Lausitzer, deren Darbietung bisweilen gruselig wirkte. Einfache Fehler machten Dresden das Verteidigen leicht. Die trafen nach der Rückkehr von Walther gleich mal das Lattenkreuz und hielten den Druck auf das Tor von Mac Carruth hoch. Nach seiner verletzungsbedingten Auszeit kehrte der so wichtige Rückhalt am Freitag wieder ins Gehäuse der Füchse zurück, konnte seine Sicherheit aber nicht auf die Vorderleute übertragen. Der Rückstand war die logische Quittung. Jordan Knackstedt kam mit viel Schwung über links, passte vor das Tor, wo Sebastian Zauner recht unbedrängt zum 0:1 einschoss.

Die Füchse hatten bis dahin als Team kaum funktioniert, wirkten fahrig und nervös. Feodor Boiarchinov bediente in der 18. Minute Tomas Andres, Florian Proske war mit dem Schoner im bedrohten Eck – immerhin mal wieder eine Chance der Hausherren. Gleich darauf musste Boiarchinov wegen Beinstellens vom Eis. Das Powerplay der Eislöwen war deutlich zielstrebiger und sicherer – wenngleich sie keineswegs glänzten. Heute genügte es, sichere Pässe zu spielen und die Positionen zu halten, um klar überlegen zu sein. Aber die Eislöwen konnten die Führung nicht ausbauen, auch weil sie es nicht schafften, drei sehr gute Chancen zu nutzen.

Viel besser wurde es aus Füchse-Sicht auch im zweiten Drittel nicht. Zu umständlich spielten die Weißwasseraner, suchten lieber den kurzen Pass als den Abschluss und wurden von den Gästen bestraft. Mac Carruth setzte mit seinem Pass im Aufbau den Mitspieler unter Druck, der verlor die Scheibe, und Dresden spielte es schnell. Timo Walther schob die Scheibe unter Carruths Schoner durch ins Tor.

Jetzt aber fanden die Lausitzer eine Antwort. Ihre dritte Überzahl spielten sie endlich gut, der Querpass von Clarke Breitkreuz rutschte durch zu Murpy, der zum Anschlusstreffer einnetzte. Der gab den Füchse Aufschwung, für die kommenden zwei Minuten zeigten sie das Hockey, das die Zuschauer sehen wollten. Andres vergab aus spitzem Winkel, dann war keiner da, die Scheibe aus dem Gewühl ins Tor zu bringen. Gleich darauf jagte George eine Direktabnahme knapp drüber. Doch die heiße Phase verpuffte schnell. Die Eislöwen holten sich ihre Spielanteile zurück und erhöhten mit einem trocken ausgespielten Gegenangriff über drei Stationen auf 1:3. Toni Ritter traf ins lange Eck.

Noch einmal keimte Hoffnung auf, als Weißwasser kurz nach dem Beginn des Schlussdrittels auf 2:3 verkürzte. Darcy Murphy war zur Stelle, nachdem die Füchse im Angriff einmal schnörkellos spielten und von der blauen Linie abzogen.

Was danach passierte, ließe sich mit nachlässiger Verteidigung beschreiben, aber das wäre des Lobes zu viel. Die Abwehr der Füchse fand zeitweise kaum statt, Beim 2:4 durch Knackstedt fehlte die nötige Kompaktheit, Steve Hanusch konnte beim 2:5 den Puck vom Bully weg wie ein Rugbyspieler durch die Zone ins Tor tragen. Das 3:5 durch Farmer in Überzahl blieb Kosmetik, auch weil die Füchse eine weitere 2+2-Überzahl wegwarfen: Hammond, der einen gebrauchten Abend erwischte, vertändelte die Scheibe, Breitkreuz musste mit einem Foul aushelfen und das Powerplay war dahin. Beim 3:6 konnte Ritter mehrfach nachschießen, ohne energisch gestört zu werden. Das 3:7 fiel ins leere Tor, als Weißwasser mit sechs Feldspielern alles probierte eine beinahe verzweifelte Aktion von Trainer Corey Neilsson 3:25 Minute vor dem Ende.

Mitarbeit: Ronny Reddo