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Weißwasser

„Blätter unter Licht und Schatten – ein Försterjahr“

Zum Uhyster Lesewinter gab es am Freitag eine Buchpremiere der ganz besonderen Art. Über 130 Besucher füllten den Saal.

Jörg Blumberg, Burkhard Unterdörfer, Johanna Gruner, Rainer Gruß (von links)
Jörg Blumberg, Burkhard Unterdörfer, Johanna Gruner, Rainer Gruß (von links) © Jost Schmidtchen

So etwas hat der Uhyster Lesewinter in den fast 20 Jahren seines Bestehens noch nicht erlebt: Im rappelvollen Saal der Gaststätte „Drei Linden“ reichten die Stühle kaum. Burkhard Unterdörfer, Sohn des legendären Uhyster Försters und Dichters Gottfried Unterdörfer, stellte ein unveröffentlichtes Manuskript seines Vaters vor.

Die Idee entstand vor gut einem Jahr. Seit dem Tod von Gottfried Unterdörfer im Jahr 1992 gab es immer Kontakte des in Thyrow bei Ludwigsfelde lebenden Sohnes zur Heide- und Teichlandschaft, besonders über die literarische Strecke zum Uhyster Heimatverein e. V. und zu Johanna Gruner. Inhaltlich führt uns das „Försterjahr“ in die zweite Hälfte der 1980er-Jahre. Es gibt Einblicke in den täglichen Umgang mit den Menschen und mit der Natur inmitten der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft vor über 30 Jahren. „Auf der Suche nach neuen Lebensformen war der Blick in die Vergangenheit zu jener Zeit nicht gefragt“, schreibt Burkhard Unterdörfer in seinem Vorwort. So fand sein Vater 1990 auch keinen Verlag für die Herausgabe dieses Buches. Doch das Flair der ausgehenden DDR ist in die Erinnerungen der Menschen zurückgekehrt. „Sie stehen dieser Zeit wieder sensibler gegenüber und so sehe ich das Erscheinen des Buches zum richtigen Zeitpunkt. Zumal mein Vater im nächsten Jahr 100 Jahre alt geworden wäre“. Nach der posthumen Herausgabe zweier Bücher von Gottfried Unterdörfer durch den Lusatia-Verlag Dr. Stübner (Bautzen) ist die Herausgabe des Försterbuches nun durch den Via Regia Verlag Königsbrück erfolgt.

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Anekdoten aus der DDR

Der Bautzener Schauspieler Rainer Gruß hat in der Vergangenheit zum Lesewinter in Uhyst schon viele Texte von Gottfried Unterdörfer gelesen. Zur Buchpremiere war er deshalb der gefragte Partner. Gemeinsam mit Burkhard Unterdörfer wurde er von den Besuchern mit stürmischem Beifall begrüßt. Eröffnet wurde die Premierenlesung musikalisch von Jörg Blumberg aus Nochten. Der Gefangenenchor aus „Nabucco“ und das Wolgalied aus „Der Zarewitsch“ waren die richtige Einstimmung. Rainer Gruß las dann aus den Erinnerungen, die das „Försterjahr“ uns heute wieder erheitern lässt. Es geht durch die Monate – mit der Ablehnung der Frauenforstbrigade, auf dem Bahnhof Uhyst den Schnee aus den Gleisen zu beräumen, mit Kostenplanungen für den Holzbestand, mit einer Umweltschutzkonferenz beim Rat des Bezirkes Cottbus mit den Aussagen: „60 Prozent der Fläche des Kreises Weißwasser werden devastiert, Kohleabbau bis 2050, Trinkwasservergeudung trotz Grundwasserabsenkung genehmigt“ und so weiter“ Besonders erheiternd wirkten die Beschreibungen der Frauentagsfeier der Frauen der Revierförster, des Lehrganges zur Durchführung von Arbeitsschutzschulungen und Episoden, an die sich wohl wirklich nur die Älteren erinnern: Blaubeerfrauen lieferten die gesammelten Blaubeeren im Konsum ab, erhielten einen Ankaufspreis von 8,10 Mark pro Kilogramm – verkauft wurden die Beeren für 4,10 Mark. Nicht nur bei Blaubeeren war das so.

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, das Buch zu erwerben. Sie freuten sich über das Wiedersehen mit Burkhard Unterdörfer, viele kannten auch seinen Vater noch persönlich.

Im November startet der 20. Uhyster Lesewinter. Gottfried Unterdörfer wird dabei besondere Berücksichtigung finden, nicht nur als Autor, sondern auch als Kenner der Natur. In seinem Nachlass fand der Sohn dazu bislang unveröffentlichte Worte: „Was uns am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts alle angeht, sagt und schreibt sich leicht. Wir müssen unser Verhalten zur Natur überdenken und unsere Abhängigkeit von ihr einsehen bis hin zu eigenem Verzicht, wenn wir nicht wollen, dass sie uneins wird mit uns. Menschen können ihr Versagen einander vergeben. Die Natur vergibt nicht. Sie reagiert. Und der Verlierer ist immer der Mensch“.

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