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Blair verbannt Dickmacher

Ernährung. Wie Starkoch Oliver britischen Schülern den Appetit verdirbt.

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Von Christoph Sator

Das Experiment, mit dem der britische Starkoch Jamie Oliver seinen Landsleuten regelmäßig den Appetit verdirbt, ist einfach. Der Fernsehkoch und Bestseller-Autor („Genial Italienisch“) nimmt eine Portion Chicken Nuggets, häckselt sie in der Küchenmaschine klein und hält das Ergebnis in die Kameras: eine fetttriefende, ekelhafte, rosa Pampe. Anschließend fällt es leichter, die Briten davon zu überzeugen, dass frisches Gemüse gesünder ist als die ewigen Fish and Chips.

Obstpflicht an Schulen

Die Häcksel-Show gehört zum Programm der Initiative „Feed me better“ („Ernähr' mich besser“). Damit will der 30-Jährige seinen Landsleuten von klein auf besseres Essen beibringen. Mit Erfolg. Nicht nur, dass inzwischen an vielen britischen Schulen nach Olivers Rezepten gekocht wird. Auf Beschluss einer Regierungskommission soll von September an der Verkauf von Süßigkeiten und Soft-Drinks an allen Schulen verboten sein.

Mit den neuen Essens-Regeln reagiert die Labour-Regierung von Premierminister Tony Blair auf alarmierende Zahlen, wonach immer mehr britische Schulkinder an Fettleibigkeit erkranken. Nach dem jüngsten Bericht des britischen School Food Trust (SFT) ist jedes vierte Kind zu dick. Vor zehn Jahren war es nur jedes zehnte. Zudem ist mehr als die Hälfte der 4- bis 18-jährigen Briten bereits wegen Karies oder Parodontose beim Zahnarzt in Behandlung.

Ab dem Schuljahr 2006/07 soll es deshalb in der Kantine keine Schokoriegel mehr geben. Jede Schule muss ein Angebot an Äpfeln, Orangen und Bananen zur Auswahl haben. Aus den allgegenwärtigen Automaten werden Cola, Chips und sonstige Dickmacher verbannt. Künftig sollen die Kinder Tee, Obstsäfte oder Jogurt-Getränke mit weniger als fünf Prozent Zuckergehalt zu sich nehmen. Zugleich werden Wasserspender aufgestellt. Die SFT-Vorsitzende Suzi Leather ist sich aber bewusst, dass nur ein allgemeiner Sinneswandel helfen kann. „Die neuen Schul-Standards werden das Essen vom September an besser machen. Aber das kann nur Erfolg haben, wenn die Kinder sonst nicht ständig von Schokolade, Chips und Cola umgeben sind.“

Küchenfrauen klagen

Für die Nahrungsmittelindustrie, der wegen der verharmlosenden Werbung die Hauptschuld am Übergewicht von Kindern gegeben wird, sind die neuen Richtlinien ein Schlag. Allein mit den Softdrinks aus Schulautomaten machte sie im vergangenen Jahr in Großbritannien einen Umsatz von mehr als 70 Millionen Euro. Schon hat ein Umdenken eingesetzt. Der weltgrößte Getränkekonzern Coca-Cola zum Beispiel setzt verstärkt auf kalorienarme Getränke. Der britische Schoko-Hersteller Cadburys brachte den ersten Schokoriegel mit „nur 99 Kalorien“ auf den Markt.

Es gibt aber auch schon die ersten Klagen über das neue Ernährungsprogramm. Nicht aus der Industrie, sondern von Leuten aus der Praxis – von Küchenhilfen aus den Schulkantinen. Einige Frauen ärgern sich mächtig über die Ideen von Jamie Oliver. Sie haben eine Initiative gegründet, weil sie durch das Schälen von frischem Gemüse jetzt mehr Arbeit haben. (dpa)