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Bleibt der Stausee den Anglern erhalten?

Der Stausee Quitzdorf bekommt 2017 einen neuen Pächter. Wer das ist, bleibt offen. Die bisherigen sind abgelehnt.

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© André Schulze

Von Steffen Gerhardt

Ob Hans-Rainer Ullrich kommendes Jahr wieder mit seinem Boot auf den Stausee Quitzdorf rudern und die Angel auswerfen kann, das weiß der Hobby-Angler noch nicht. Auch wenn der Görlitzer im Vorstand des Anglervereins „Elbflorenz“ mit Sitz in Dresden ist, fehlt ihm das Wissen, wie es auf Sachsens größtem Angelgewässer ab neuem Jahr weitergeht. Kopfschütteln auch bei Dietmar Mühle.

Der Geschäftsführer der Kreba-Fisch GmbH weiß es auch nicht. „Ich habe nur den schriftlichen Bescheid erhalten, dass wir ab 2017 auf dem Stausee das Fischereirecht nicht mehr ausüben dürfen und damit auch nicht mehr der Pächter sind.“ So eine Ablehnung hatte auch der Anglerverband vor Kurzem in seinem Briefkasten.

Was ist geschehen? Der Stausee ist Eigentum des Landes Sachsen in Zuständigkeit der Landestalsperrenverwaltung. Auf Nachfrage der SZ teilt diese mit, dass die Fischereiausübungsrechte durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (Sib) vorgenommen wurde. „Eine Auskunft über Konditionen, Auflagen zur Bewirtschaftung der Wasserfläche oder Fischzucht können wir zum jetzigen Zeitpunkt, aufgrund laufender Verhandlungen, nicht erteilen“, erklärt Pressesprecherin Britta Andreas. Demzufolge bleibt offen, wer der neue Pächter des Stausees sein wird. Dietmar Mühle wäre dieser gern geblieben. „Aber statt bestehende Verträge zu verlängern, entschied sich die Sib, die Pacht neu auszuschreiben“, sagt der Geschäftsführer. Er setzte sich mit Fachleuten zusammen und erarbeitete ein Angebot, um Bestehendes fortzuführen. Aber daran scheint der Staatsbetrieb nicht interessiert zu sein, vermutet Mühle, denn die ganze Arbeit gipfelte in einer Ablehnung.

Dabei sprechen die Argumente für die Kreba-Fisch als Hauptpächter. Dietmar Mühle zählt mehrerer Gründe auf: Zum einen ist die Talsperre Bestandteil eines bewirtschafteten Gewässersystems mit den Ullersdorfer Teichen im Südosten und der Satzfischanlage Sproitz im Norden. Außerdem versuchen die Kormorane jedes Jahr, die Urwüchsigkeit am Reichendorfer Polder zu ihrem Rast- und Nistplatz zu machen, wenn sie nicht ständig vertrieben würden. „Wir haben da ein Auge drauf und lassen es im Rahmen der Gesetze zu keiner Ansiedlung kommen, um unsere Fischbestände zu schützen“, erklärt der Geschäftsführer. Schließlich holen sich die Kormorane ihren Frischfisch auch aus den benachbarten Ullersdorfer Teichen. „Ob der neue Pächter das Verhindern einer Brutkolonie auch als eine wichtige Aufgabe ansieht, kann ich nicht einschätzen, da er mir noch nicht bekannt ist“, sagt Dietmar Mühle.

Ein dritter Grund ist die Größe des Sees. Er lässt sich nicht wie ein Fischteich bewirtschaften. Kreba-Fisch praktizierte über viele Jahre die Seefischerei mit Netzen und Reußen, um den Fischbestand in ein ökologisch erträgliches Verhältnis zu bringen. Denn im Wasser schwimmen zu viele Friedfische, deren großer Bestand sich nachteilig auf das Pflanzenwachstum auswirkt und am Ende der Kette das Wachstum von Blaualgen fördert. Dietmar Mühle spricht von einer biologischen und produktionstechnischen Einheit, die sein Betrieb beim Bewirtschaften des Sees und weiterer Gewässer immer im Blick hat.

Die Fischzucht im Stausee ist für Kreba-Fisch gegenwärtig zweitrangig. Darauf konzentriert sich das Unternehmen mit seinen 15 Mitarbeitern bei seinen anderen Teichen sowie in der Satzfischanlage Sproitz und der Fischzuchtanlage Schwarze Pumpe. Umso wichtiger ist der Stausee für die Angler. Das bestätigt Hans-Rainer Ullrich nicht nur aus eigenem Interesse. Er spricht von rund 4 000 Anglern in Sachsen, die regelmäßig das Quitzdorfer Gewässer aufsuchen. Er selbst gehört dem Görlitzer Anglerverein an – und dieser hat rund 600 eingetragene Mitglieder. Auch der Nieskyer verein ist mit seinen rund 700 Mitgliedern am Stausee stark vertreten. „Es ist nicht so, dass wir nur zum Angeln an den See kommen, sondern wir tun auch etwas für seine Unterhaltung“, sagt Ullrich.

Schließlich ist der Anglerverband Unterpächter der Kreba-Fisch GmbH. Der Verband selbst hat sich ebenfalls an der Ausschreibung beworben. Ein Bewirtschaftungskonzept und ein 40-seitiges Gutachten ließ der Verband erarbeiten. Aber das scheint ebenso wenig den Staatsbetrieb beeindruckt zu haben wie die Bewerbung der Kreba-Fisch GmbH. Dietmar Mühle sagt: „Ich bin darüber enttäuscht und traurig zugleich. Schließlich hängen an dem Stausee 20 Jahre unserer Arbeit.“