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Bleibt die Bahn auf der Strecke?

Der Oberlausitz drohen massive Einschnitte. Fast alle Verbindungen kommen deshalb jetzt auf den Prüfstand.

© Uwe Soeder

Sebastian Kositz

Kamenz. Längst sind weite Teile Ostsachsens vom Bahnverkehr abgehängt, jetzt drohen weitere massive Einschnitte. Weil der Bund das Geld für den Schienenverkehr künftig anders verteilen will, müssen die Verkehrszweckverbände im Freistaat bis 2030 möglicherweise mit bis zu einer Milliarde Euro weniger auskommen, als ihnen nach bisherigen Maßstäben zugestanden hätte. In den Zentralen der beiden für den Landkreis Bautzen zuständigen Verkehrsverbünde wird deshalb über Streckenschließungen und ausgedünnte Takte nachgedacht.

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In den vergangenen Jahren hatten Vertreter aller Bundesländer über die ausgelaufene Förderung des Regionalverkehrs, die sogenannten Regionalisierungsmittel, neu verhandelt. Das Ergebnis sieht für die Zukunft eine stärkere finanzielle Förderung einwohnerstarken Regionen vor. Die Folgen sind klar: Der vergleichsweise dünn besiedelte Osten muss hinter den westdeutschen Ballungszentren zurückstecken.

Den Taschenrechner gezückt

Die Verantwortlichen beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) und Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) haben inzwischen die Taschenrechner gezückt und nachgerechnet. Für den VVO, der für den Bahnverkehr im Altkreis Kamenz und um Hoyerswerda herum verantwortlich ist, würde voraussichtlich ein Viertel des Geldes fehlen. Beim für die Oberlausitz zuständigen Zvon müssten die Planer jährlich mit bis zu fünf Millionen Euro weniger auskommen.

Wo die Reise hingeht, lässt sich an einer Hand abzählen. „Wenn das Geld nicht da ist, ist es nicht da“, erklärt Christoph Mehnert, stellvertretender Geschäftsführer beim Zvon. Er kündigt an, dass sich der Verband alle Bahnstrecken genau anschauen werde. Lediglich die Verbindung zwischen Dresden über Bautzen nach Görlitz werde wegen der hohen Nachfrage durch die Reisenden nicht infrage gestellt. Für alle anderen Strecken in der Region, auf den das Fahrgastaufkommen geringer ist, gibt es unterdessen erste Gedankenspiele.

Strecken auf der Kippe

So ist denkbar, die Züge zwischen Görlitz und Zittau nur noch jede zweite Stunde auf die Reise zu schicken. Bitter sieht es für die derzeit ohnehin wegen Bauarbeiten teilweise gesperrte Verbindung zwischen Hoyerswerda und Görlitz aus. „Wenn da nicht noch ein Wunder geschieht, können wir uns diese Strecke künftig nicht mehr leisten“, sagt Christoph Mehnert. Über eine Einstellung des Bahnverkehrs nachgedacht wurde indes auch für den Strang von Zittau über Varnsdorf nach Seifhennersdorf. Zwei Millionen Euro kostet die Verbindung jedes Jahr. „Das ist aber nicht so einfach, weil da auch unsere Partner aus Tschechien mit im Boot sind“, so der Vize-Geschäftsführer.

Auswirkungen würden die Kürzungen auch auf den Abschnitt zwischen Bischofswerda und Zittau haben, wo die Nachfrage ebenso überschaubar ist. Zwar will der Zvon an den Express-Verbindungen, deren Züge nur in größeren Orten halten, festhalten. „Wir müssen aber überlegen, ob die Regionalbahnen aus Dresden, die auf der Fahrt bis Zittau jeden Halt bedienen, künftig nicht schon in Wilthen oder Bischofswerda enden“, erklärt Christoph Mehnert.

Forderungen an den Freistaat

Weniger Sorgen müssen sich im Landkreis die Menschen derweil um die Strecken nach Kamenz und Königsbrück machen, wie Verbandssprecher Christian Schlemper erklärt. Stattdessen schielt der VVO in Sachen Fahrgastzahlen aufs größte Sorgenkind: die Strecke von Pirna über Neustadt und Sebnitz nach Bad Schandau.

Statt der Züge würden dann Busse fahren. „Öffentlicher Personennahverkehr bedeutet nicht zwingend Schienenpersonennahverkehr“, hat unlängst Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) mit Blick auf das drohende Szenario erklärt. Eine Äußerung, die Christoph Mehnert verärgert. Denn Busse seien langsamer und bieten weniger Reisekomfort. Stattdessen stellen ZVON und VVO klare Forderungen an den Freistaat. Denn von den Zuweisungen vom Bund behält das Land auch Mittel ein, um damit den Schülerverkehr zu finanzieren, ein Teil der Summe wird zudem für Investition zurückgelegt. In früheren Jahren war der Schülerverkehr noch komplett aus Landesmitteln bestritten worden, so wie das heute auch in vielen anderen Bundesländern üblich ist. „Wenn der Freistaat das Geld künftig wieder komplett weiterreicht, würde das zumindest bei uns die Minderzuweisungen ausgleichen“, erklärt Christoph Mehnert vom Zvon.