merken

Bleibt die Kirche im Dorf?

Die Umstrukturierung der Kirche rückt näher. Nun sind die Gemeinden zwischen Zittau und Oppach mit Ideen gefragt.

© Rafael Sampedro

Von Romy Altmann-Kühr

Anzeige
Berufsbegleitend Pflege studieren

Studieren und weiter berufstätig sein? Bewerben Sie sich jetzt an der Evangelischen Hochschule Dresden!

Damit Kirche vor Ort bleibt – unter dieses Motto stellt die Leitung des Kirchenbezirks Löbau-Zittau ihre Veranstaltungsreihe, mit der sie derzeit in der Region unterwegs ist. Sie will über den aktuellen Stand der geplanten Strukturreform bei der sächsischen Landeskirche, die auch die Region betrifft, informieren.

In der vergangenen Woche hat es bereits ein Info-Forum in Löbau in der Johanniskirche gegeben, am 6. und 7. Februar folgen weitere Veranstaltungen in Neugersdorf und Zittau. Was geplant ist, welche Veränderungen es geben soll und was die Kirchen vor Ort dazu sagen, lesen Sie hier.


Informieren und mitdiskutieren kann man noch bei zwei Veranstaltungen: 6. Februar, 19.30 Uhr, Lutherhof Neugersdorf sowie 7. Februar, 19.30 Uhr Kirchgemeindesaal Zittau

SZ fasst zusammen

Warum strukturiert sich die Kirche überhaupt um?

Die Zahlen der Gemeindeglieder sinken stetig. Das macht es schwierig, die bestehenden, kleinteiligen Strukturen mit Pfarrern und anderen Beschäftigten aufrecht zu erhalten. Deshalb werden bereits sogenannte Schwesternkirchgemeinden gebildet, die eng zusammenarbeiten. Pfarrer, Kantoren und Gemeindepädagogen übernehmen mehrere Orte. Aufgrund der rück-gängigen Mitgliederzahlen will die Landeskirche nun neu strukturieren und größere Gebiete bilden. Ein Gebiet auf dem Land soll mindestens 4000Mitglieder haben. Für Städte gelten 6000 als Grenze. Bereits vor knapp zwei Jahren hat die Landeskirche ihre Umstrukturierung angekündigt. Die Gemeinden vor Ort sollen sich selbst Gedanken machen, wie sie sich künftig aufstellen wollen. Gegen die Pläne gab es Widerstand, deswegen ist die Frist dafür verlängert worden. Bis Ende 2018 müssen die Regionen Konzepte für ihre neue Struktur vorlegen. Greifen soll sie ab 2020. Das betrifft auch die zu besetzenden Stellen: Wer soll wo arbeiten? Wie soll die Verwaltung organisiert werden?

Welche Struktur ist für den Südkreis geplant?


Der Kirchenbezirk Löbau-Zittau hat sich in drei Regionen aufgeteilt: Löbau, Zittau und das Oberland. Das hat die Kirchensynode im vergangenen Jahr beschlossen, die Aufteilung gilt seit Jahresbeginn 2018. Das sind erst einmal Planungsräume, betont die Superintendentin des Kirchenbezirks, Antje Pech. In denen sollen sich die Gemeinden zusammenfinden. Über rechtliche Strukturen ist damit noch nichts entschieden. Die Gebiete sind groß gefasst und haben derzeit jeweils deutlich mehr als 4000Gemeindeglieder. Aber so sei man über einen längeren Zeitraum auf der sicheren Seite und müsse nicht in ein paar Jahren wieder neu strukturieren, weil die 4000-Mitglieder-Grenze unterschritten wird, sagt Frau Pech. Denn die Landeskirche sieht vor, künftig aller fünf Jahre die Mitgliederzahlen in den Regionen zu prüfen. Sinken sie unter die Grenze, müssen sich wieder neue Gemeinden zusammentun, um die vorgegebene Zahl zu erreichen.

Wie steht es um die Mitgliederzahlen bei der Kirche in der Region?

Seit die Landeskirche 2016 die Strukturreform ausgerufen hat, sind die Mitgliederzahlen auch in der Region weiter drastisch gesunken. Zählten die Gemeinden im Bezirk Löbau-Zittau 2016 noch 29200Mitglieder, sind es aktuell 27900. Diese aktuellen Zahlen nannte die Superintendentin beim Forum in Löbau. Bis 2040 rechnen die Prognosen mit einem Mitgliederverlust in der Region von 60Prozent. Dennoch will Antje Pech die Lage nicht schwarzmalen. „Das muss ja nicht so kommen. Wir wissen es aber nicht und müssen uns darauf einstellen“, sagte sie in Löbau. „Es gibt auch Kirchgemeinden die wachsen. Eine Massenbewegung zurück in die Kirche sehe ich aber nicht.“ Man müsse sich deshalb über die Außenwirkung der Kirche Gedanken machen. Auch Kirchenmusikdirektor Christian Kühne äußerte sich dazu. Kirche müsse attraktiv in die Gesellschaft ausstrahlen, so der Kirchenmusiker. So könne man vielleicht neue Mitglieder gewinnen und den Rückgangsprozess stoppen. Auch das Thema Jugendarbeit spiele da eine große Rolle.

Gibt es in den Regionen schon konkrete Pläne?

Vorgesehen sind die drei genannten Regionen Löbau, Zittau und Oberland. Die Herausforderung ist es nun, die Gebiete sinnvoll zu gliedern. Dabei gibt es einige Knackpunkte: zum Beispiel Lawalde. Bisher befand sich die Kirchgemeinde des Ortes in einem Schwesternkirchverhältnis mit Löbau. Die Pfarrerin übernimmt Gottesdienste in Löbau, der Posaunenchor bläst gemeinsam mit den Löbauern. Aufgrund der Verteilung der Mitgliederzahlen wird Lawalde aber nun der Region Oberland zugeordnet. Ein weiterer „Problemfall“ war die Gemeinde „Siebenkirchen“, wie die Region nördlich von Zittau genannt wird. Der Bereich sollte der Region Löbau zugeteilt werden. Dagegen haben sich die Siebenkirchener aber bereits ausgesprochen. Rechtlich festgesetzt ist die Aufteilung noch nicht. Genaue Infos und Grundlagen dafür gibt es erst mit dem neuen Kirchenstrukturgesetz. Das wird gerade erarbeitet und die Landeskirche soll es demnächst beschließen.

Was wollen die Gemeindeglieder?

Bei dem Forum in Löbau wurde deutlich: den Menschen vor Ort geht das alles zu schnell. Es fiel die Frage, ob man sich nicht mehr Zeit nehmen könne, sich zusammenzufinden. „Nein“, so Superintendentin Pech. Die Fristen seien so vorgegeben. Bis Ende August sollen die Regionen ihre Konzepte in der Suptur abgeben. Diese erstellt daraus ein Gesamtkonzept für den Kirchenbezirk. Das muss bis 31.Dezember bei der Landeskirche vorliegen. Inhalte der Konzepte sollen zum Beispiel Schwerpunkte sein, die Region und einzelne Kirchgemeinden für sich benennen. Auch ein Stellenplan für die Mitarbeiter soll beinhaltet sein. Was wird aus den Friedhöfen? Wie können Ehren- und Hauptamtliche zusammenarbeiten? Welche Gebäude werden benötigt? Wie können Öffnungszeiten der Verwaltung vor Ort organisiert werden? Das sind weitere Fragen, die geklärt werden müssen. Dabei ist den Gemeindegliedern vor allem eines wichtig: Die Nähe zu den Menschen vor Ort darf nicht verloren gehen, sagten sie beim Forum in Löbau.

1 / 5