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Bleiglasfenster brauchen Zeit

Glasermeister Lutz Horota benötigt für ein Fenster etwa drei Wochen. Die schwierigste Aufgabe geht er zuletzt an.

© André Braun

Von Frank Korn

Roßwein. Die Hälfte ist geschafft. Drei der sechs Bleiglasfenster im Roßweiner Ratssaal hat Glasermeister Lutz Horota restauriert und wieder eingebaut. „Die restlichen drei werden in den nächsten Wochen folgen“, sagt Horota.

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Auf einen genauen Termin will sich der Glasermeister dabei nicht festlegen lassen. „Bleiglasfenster kosten Zeit“, sagt er, und vergleicht diese Arbeit mit der eines Archäologen, auf den vor Ort auch immer wieder Überraschungen warten können. Vor dem Ausbau wurden Fenster und Scheiben nummeriert. In seiner Werkstatt hat Lutz Horota zunächst den Kitt entfernt. „Da es sich um Innenfenster handelt, saß der Kitt teilweise sehr fest. Wir mussten deshalb besondere Vorsicht walten lassen, damit die Scheiben nicht brechen“, so Horota. Das Glas sei bei der Herstellung mittels Schwarzlotmalerei bemalt und eingebrannt worden. „Wenn etwas kaputt gehen würde, wäre das nicht gut. Besonders wenn es sich um Figuren handelt“, so der Glaser. Die Scheiben wurden im Ganzen aus dem Flügel entnommen und auf eine Arbeitsplatte gelegt. Dann fing für den Meister die eigentliche Arbeit erst an. „Die Glasteile müssen einzeln gelöst werden. Das Blei wird eingeschmolzen und wiederverwendet.“ Dadurch bleibt das Mischungsverhältnis gewahrt und die Festigkeit der Einfassung kann mittels verschiedener Zusätze gesteuert werden. Jedes Glasteil muss wieder an seinen vorherigen Platz. Das ist nicht so einfach, weil die Scheiben ähnlich sind, aber in den Maßen nicht hundertprozentig übereinstimmen. Jeder Flügel des Fensters hat bis zu 90 Teile.

Während die Bleiverglasung gebaut wird, wird auch der Fensterflügel bearbeitet. Zum Schluss werden die Glasteile wieder in den Flügel eingesetzt. Für ein Fenster hat Lutz Horota etwa drei Wochen benötigt. „Eines der Fenster besteht aus Kassettenteilen und diese wiederum aus vielen einzelnen Glasteilen, das wird dann noch aufwendiger. Deshalb werden wir das auch erst zum Schluss restaurieren“, so der Glasermeister, der die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung lobt.

Insgesamt waren die Fenster in äußerst schlechtem Zustand – von bröckelnder Farbe einmal ganz abgesehen. Sie ließen sich teilweise nur noch schwer öffnen und schließen. Vor der Restaurierung der Bleiglasfenster wurden die Außenfenster von der Firma Dubiel ausgetauscht. „Damit haben wir die Bedingungen für den Wärme- und Schallschutz erfüllt“, sagt Matthias Lange vom Bauamt der Stadt Roßwein. Finanziert wird die Erneuerung der Fenster im Rathaus aus dem sogenannten Investitionskraftstärkungsgesetz. Fast 50 000 Euro waren dafür sowie die Erneuerung eines Teiles der Heizungsanlage im Rathaus kalkuliert. Mehr als 10 000 Euro muss die Kommune selbst beisteuern.