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Gestohlene Figuren werden ersetzt

Die verschwundenen Bronze-Tiere reißen im Botanischen Blindengarten in Radeberg nicht nur eine finanzielle Lücke.

© Polizei

Von Jens Fritzsche

Radeberg. Die dreisten Diebe haben jetzt erst mal keine Chance mehr. „Wir haben die noch verbliebenen Figuren in Sicherheit gebracht“, sagt Gerold Augart, Verwaltungsleiter im „Storchennest“ des Radeberger Taubblindendienstes. Die Figuren, von denen er spricht, sind bronzene Tiernachbildungen und haben eigentlich ihren Platz im Botanischen Blindengarten an der Pillnitzer Straße. Der gehört zum „Storchennest“ und wurde bekanntlich in den vergangenen Tagen immer wieder von Metall-Dieben heimgesucht. Der erste Verlust – eine stehende Fuchsplastik – war am 1. März bemerkt worden. Am Mittwoch vergangener Woche waren die Diebe dann erneut gekommen; schnitten einen Zaun im hinteren Bereich des Gartens auf. Seither fehlen drei weitere Figuren: ein Rabe, eine Eule und eine Ente. „Alles in allem rund 7 000 Euro Schaden“, rechnet Gerold Augart vor. „Also haben wir wie gesagt nun vorsorglich alle anderen Figuren aus dem Garten entfernt!“

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Restliche Figuren vorerst gesichert

Aber natürlich sollen die Figuren aus dem „Versteck“ wieder ins Freie. „Spätestens, wenn das Wetter wieder die Gartensaison zulässt“, macht der Verwaltungsleiter deutlich. Vielleicht, sagt er dann, seien die Diebe dann schon überführt. Chancen gibt es jedenfalls, denn nach dem letzten Einbruch in der vergangenen Woche hatte die Polizei zumindest einige Spuren sichern können. Die Auswertung läuft noch. Fest steht aber bereits, dass die Täter ihre Beute in einen Pkw luden, der in der Nähe der Gärtnerei des Botanischen Gartens abgestellt war. Polizei und Taubblindendienst hoffen deshalb nach wie vor, dass es vielleicht Zeugen geben könnte. Zeugen, die Fahrzeuge bemerkt haben oder Personen. Der Diebstahl muss zudem auch mit Lärm verbunden gewesen sein, denn die Figuren wurden von den Granitsäulen gerissen, auf denen sie montiert gewesen waren. Hinweise erhofft die Polizei auch von Altmetallhändlern, da die Figuren vielleicht dort aufgetaucht sein könnten – oder zum Kauf angeboten wurden.

Zumindest einige der vier gestohlenen Figuren sollen ersetzt werden. „Wir haben dazu bereits Kontakt mit dem Künstler aufgenommen, der die Figuren vor Jahren geschaffen hat“, sagt Gerold Augart. Einige Exemplare habe er dabei noch im Depot, „aber zum Beispiel für Eule und Uhu gibt es keinen Ersatz“. Der Künstler ist mittlerweile im Ruhestand, „wir können also sozusagen nur noch die bei ihm vorhandenen restlichen Exemplare erwerben“. Was natürlich auch mit Kosten verbunden ist. Allein der Fuchs hatte einen Wert von rund 3 500 Euro. „Die Figuren waren uns gespendet worden“, macht der Verwaltungsleiter deutlich, dass der Taubblindendienst hier auf Hilfe angewiesen ist. „Wir würden uns freuen, wenn uns Firmen wieder unterstützen würden.“ Aber auch private Spenden sind herzlich willkommen.

Plastiken für Taubblinde wichtig

Die Figuren sind dabei nicht „einfach nur“ Kunst. Vielmehr geht es hier um ein wichtiges Angebot für schwerstbehinderte Menschen. Denn der vor gut 22 Jahren angelegte Botanische Blindengarten wendet sich in erster Linie an Taubblinde. Menschen, die weder sehen noch hören können. Ihre einzige Möglichkeit, mit ihrer Umwelt Kontakt aufzunehmen, sind Berührungen. Die Betroffenen ertasten sich ihre Umgebung, verständigen sich per Fingerdruck. Ein Buchstaben-System, das per Finger auf die Handfläche getippt wird; dem sogenannten Lormen.

Im auch für Nichtbehinderte offenstehenden Botanischen Blindengarten können sich Blinde und Taubblinde dabei auf den immerhin 1,5 Kilometer langen Parkwegen auch ohne Begleitung bewegen. Ein Leitsystem macht das möglich, aus durchgehendem Handlauf, tastbaren Symbolen und Hinweisen in Punkt-Schrift. Der Garten ist mit besonders stark duftenden Gewächsen bepflanzt – mit Pflanzen, die auch ertastet und berührt werden können. Dieses Gesamtkonzept macht ihn zu einem ganz besonderen Botanischen Garten.

Der Garten ergänzt damit das Angebot des „Storchennestes“ an der Pillnitzer Straße. In der Einrichtung des Taubblindendienstes werden seit 1993 Betroffene betreut. Die kommen dabei längst aus ganz Deutschland nach Radeberg, um hier zum Beispiel auch gemeinsam mit ihren Angehörigen einen Erholungs-Urlaub verbringen zu können. Der Botanische Blindengarten ist wichtiger Teil des Angebots. Und auch die Figuren sind deshalb in Lebensgröße der Tiere gestaltet und können von den taubblinden Besuchern erspürt und ertastet werden.

Dass nun also vier dieser Plastiken verschwunden sind, schmerzt damit also gleich in mehrfacher Hinsicht.

Hinweise zu den Tätern und dem Verbleib der gestohlenen Figuren nimmt die ermittelnde Kriminalpolizei unter Telefon 03578 3520 entgegen.

Spendenkonto für den Ersatz der Figuren: Taubblindendienst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) e.V., IBAN: DE78 3506 0190 1695 5000 13, BIC: GENODED1DKD bei der KD-Bank-LKG Dresden