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Blinklicht soll vor Friedhofskurve warnen

Die Stadtverwaltung plant nun doch eine weitere Sicherheitsmaßnahme. Ob es hilft?

© Andreas Weihs

Von Annett Heyse und Tobias Winzer

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Die Spuren des jüngsten Unglücks sind noch gut zu erkennen. Der Maschendrahtzaun ist über etliche Meter zerfetzt, tiefe Furchen ziehen sich den Hang hinab. Sie enden kurz vor einem unbestelltem Gemüsebeet. Die Fahrerin, die am Mittwochmittag auf der Wilsdruffer Straße in Freital in der berüchtigten Friedhofskurve die Kontrolle über ihren Wagen verlor, landete filmreif etliche Meter unterhalb des Straßendamms im Gelände einer Gärtnerei.

Es war das erste Mal in diesem Jahr, dass dort ein Verkehrsunfall passierte. Aber die Friedhofskurve ist seit Jahren unfallträchtig. Immer wieder gerieten in der abschüssigen Rechtskurve Autos aus der Spur. Und wenn dies geschieht, wirkt es spektakulär: Bestenfalls bleiben die Fahrzeuge an Bordsteinkante oder Maschendrahtzaun hängen. Schlimmstenfalls rutschen sie den Hang in Richtung Gärtnerei hinab. Trauriger Höhepunkt der Unfallserie war der Tod einer jungen Frau 2009, die damals in der Kurve ins Schleudern kam und in den Gegenverkehr stieß.

Immer wieder flammten nach solchen Unglücken Diskussionen auf. Zu schnell, Fahrfehler, Schuld ist der Asphalt, Ursache ist der Kurvenradius – die öffentliche Debatte im Internet, in der Stadtratssitzung und in Leserbriefen an die Sächsische Zeitung erstreckte sich über alle möglichen denkbaren Aspekte.

Statistisch kein Unfallschwerpunkt

Vielen scheint das unverständlich, aber statistisch gesehen ist die Friedhofskurve auf der Wilsdruffer Straße keine Unfallhäufungsstelle. Dabei lassen sich zum Beispiel im Archiv der Sächsischen Zeitung allein für 2015 vier Unfälle mit Verletzten finden. Zuletzt hatte es dort im Dezember 2016 einen schweren Unfall gegeben. Die Kurve zählt deshalb nicht zu offiziellen Unfallschwerpunkten, weil es nach Ansicht der Polizei und der Unfallforschung jeweils zu sehr unterschiedlichen Unfallverläufen und -typen kam und die Unfälle auch an unterschiedlichen Stellen der Kurve passierten.

Trotzdem reagierte die Stadt auf die wiederholten Unfälle und stellte im Sommer 2015 ein neues Warnschild auf: Das dreieckige Zeichen für „gefährliche Rechtskurve“ wurde auf einem extragroßen Schild mit weißem Untergrund angebracht. Außerdem wurden an der Außenseite der Kurve mehrere rot-weiße Pfeile angebracht.

Zudem hatte die Freitaler Stadtverwaltung die Strecke von Verkehrsunfallforschern der Technischen Universität Dresden nochmals genauer untersuchen lassen. Die Experten nahmen dabei alle Unfälle zwischen 2011 und 2016 unter die Lupe. Im Februar 2017 legten sie die Ergebnisse vor. Demnach ist die Kurve weder fehlerhaft konstruiert noch mit einem zu rutschigen Straßenbelag ausgestattet. Vielmehr sei der Großteil der Unfälle ist auf zu schnelles Fahren zurückzuführen. Es ist bei allen von der Verkehrsunfallforschung erfassten Unfälle eine zu hohe Fahrgeschwindigkeit von 60 bis 80 Stundenkilometern bei maximal erlaubten 50 km/h eingangs der Kurve festgestellt worden, heißt es weiter. Hinzu kam, dass die Straße bei den meisten Unfällen nass und deswegen weniger griffig war.

Das war auch am vergangenen Mittwoch der Fall. An jenem Tag schneite es frühmorgens noch, im Verlaufe des Tages gingen die Niederschläge in Regen über. Die Nässe traf auf einen immer noch tiefgekühlten Boden, etliche wenig befahrene Nebenstraßen und viele Fußwege waren extrem rutschig.

Die Wilsdruffer Straße selbst ist eine Haupttrasse und entsprechend stark befahren – sie dürfte allenfalls nass, aber nicht vereist gewesen sein, als der Unfall geschah. Zufällig fast zeitgleich mit dem erneuten Unfall fällt nun eine Entscheidung der Stadtverwaltung, auf die gefährliche Kurve noch besser hinzuweisen. „Bereits vor drei Wochen gab es Abstimmungen zwischen Verwaltung und der Freitaler Strom und Gas, dort weitere Maßnahmen zur Sicherheit einzuleiten“, informierte Bürgermeister Peter Pfitzenreiter die Stadträte auf ihrer Sitzung am Donnerstagabend vergangener Woche. Geplant sei, ein Schild mit Blinklicht aufzubauen. Die Freitaler Strom und Gas soll dafür die technischen Voraussetzungen, also die Stromzufuhr, schaffen. Ein genaues Aufbaudatum nannte Pfitzenreiter nicht.