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Blockstuben, Ritschelläden, Lehmwände

Museen in Umgebindehäusern gewähren Einblick in ein Stück Oberlausitzer Kultur – und retten sie mitunter auch.

© Wolfgang Wittchen

Von Irmela Hennig

Eine Warteliste! Vor ein paar Jahren noch war das kaum vorstellbar. Doch inzwischen hat Arnd Matthes von der Stiftung Umgebindehaus zwölf Interessenten, die ein Umgebindehaus kaufen möchten. Nur ist das richtige noch nicht gefunden.

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Der Denkmalschützer mit Bürositz in Ebersbach-Neugersdorf ist optimistisch fürs Umgebindeland. Zwar stehen nach wie vor Häuser leer, wie viele es sind, könne man derzeit nicht sagen. Zwar werden pro Jahr 15 bis 20 historische Bauten abgerissen. Zwar wohnen immer noch recht viele ältere und alleinstehende Oberlausitzer in den gemütlichen Häuschen. Doch inzwischen begeistern sich junge Familien, interessierte Denkmalfans auch aus Westdeutschland und Einheimische für die Umgebindehäuser. Sie kaufen, sie sanieren. Und einige von ihnen geben am 27. Mai beim Tag des offenen Umgebindehauses Einblick in ihre Objekte. In 108 Gebäuden können sich Neugierige umschauen.

Unter den Türöffnern sind auch mehrere Museen und Heimatstuben, die mitunter seit Jahren und Jahrzehnten regelmäßig bieten, was in vielen Wohn- und Ferien-Umgebindehäusern nur einmal im Jahr möglich ist: den Zugang zu den Blockstuben mit Ritschelläden, den Lehmwänden und den kleinen Fenstern. Hier wird Umgebindegeschichte erzählt und gezeigt. Zum Beispiel in einem der ältesten Gebäude seiner Art – dem Reiterhaus in Neusalza-Spremberg. Besucher haben in dem Bau bislang nicht nur über 130 Ausstellungen sehen können, sondern erfahren den Werdegang des 1670/71 errichteten auffälligen Häuschens. Arnd Matthes schätzt, dass es um die 20 Museen in Umgebindehäusern gibt. Die Spannbreite reicht von privaten Einrichtungen wie dem Eisenbahnmuseum in Seifhennersdorf über von Vereinen betriebene Umgebinde bis hin zu solchen, die einer Gemeinde gehören oder an einen Landkreis angebunden sind. Eine Herausforderung gerade fürs Vereinsmuseum ist es, regelmäßige Öffnungszeiten anzubieten. Nicht alle schaffen das. Das Museum in Dittelsdorf auf dem Eigen, das 2016 seinen 15 000. Besucher zählte, ist nur zu Veranstaltungen und auf Anfrage zugänglich. Das eine oder andere Haus wurde durch die Museumsnutzung vorm Verfall gerettet. Beispielsweise das einstige Umgebinde in Eckartsberg bei Zittau in der Feldstraße. Vor zehn Jahren hat es der Heimatverein des Dorfes unter seine Fittiche genommen. Damals war das Dach undicht, das Haus voller Schutt, Fenster, Türen, Wände marode. Inzwischen wurde viel saniert. In die Wagenremise des Hofes ist schon längst ein Heimatmuseum eingezogen. Es finden Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Zum Tag des offenen Umgebindehauses engagiert sich auch der Heimatverein von Eckartsberg. Er hat Anteil daran, dass an diesem Tag um die 8 000 Besucher in die Bauten strömen. Zwischen 150 und 300 sind es im Schnitt pro Haus, hat Arnd Matthes durchgerechnet.

Um die 7 000 Umgebindehäuser gibt es in der Oberlausitz. Derzeit werden genaue Informationen dazu in eine Datenbank eingearbeitet. Deswegen sind die Zahlen für die Region noch nicht endgültig. „Für die Sächsische Schweiz ist die Zählung abgeschlossen. Da haben wir 279 Häuser“, so Arnd Matthes. Solche Fakten seien wichtig. Denn die Stiftung Umgebindehaus und die beiden zuständigen Landkreise Bautzen und Görlitz wollen eine Datengrundlage schaffen, um sich mit dem Umgebindeland als Unesco-Weltkulturerbe zu bewerben.

Tipps und Adressen zum Tag des offenen Umgebindehauses unter: www.sz-veranstaltungskalender.com