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Sachsen

Blüten-Whisky und Orchideen-Gin

Hochwertige und regionale Craft-Spirituosen sind gefragt. Kleine Destillerien in Sachsen setzen auf ausgefallene Kreationen.

Flaschen mit Extrakten für Herstellung von Gin und Absinth stehen in der Dresdner Spirituosen Manufaktur.
Flaschen mit Extrakten für Herstellung von Gin und Absinth stehen in der Dresdner Spirituosen Manufaktur. © Robert Michael/dpa

Von Christiane Raatz

Dresden. In dem kleinen Laden am Rand der Dresdner Neustadt reihen sich Holzfässer, alte Tonkrüge, dutzende Flaschen und Glasballons mit Gin, Whisky, Absinth oder Rum. Hinter der Bar steht Sebastian Tröger, schnuppert immer wieder, füllt die durchsichtige Flüssigkeit in Flaschen ab. Die Etiketten versprechen ausgefallene Kreationen, etwa Gin mit Orchideen- oder Lotusblüten, Veilchen und Malve. Tröger, Inhaber der Dresdner Spirituosen-Manufaktur, hat eigentlich Jura und Politikwissenschaft studiert - seine Leidenschaft aber gehört dem Brennen, mittlerweile seit 20 Jahren. "Schon mein Großvater war ein Mixer und Panscher. Von ihm habe ich auch den Spirit, mit Kräutern umzugehen", sagt der 40-Jährige.

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Regionale Craft-Spirituosen sind zunehmend gefragt, beobachtet Tröger. "Man trinkt weniger, aber dafür besser." Viele, die in den kleinen Dresdner Laden kommen, wollen wissen, wie die Produkte hergestellt werden und wo sie herkommen. "Da merkt man, dass den Leuten die Tradition und Heimat wieder etwas wert ist."

Alte Rezepte neu aufgelegt

Ende der 1990er Jahre begann Tröger mit der Herstellung von Absinth nach alter Tradition, nachdem er sämtliche Bücher dazu verschlungen hatte - und verkaufte sein Unternehmen schließlich an einen großen Getränkehersteller. Seit 2011 stellt er wieder eigene Spirituosen in den Räumen einer ehemaligen Dresdner Manufaktur her. Wenn Kunden kommen, gerät Tröger ins Plaudern, berichtet von der sächsisch-böhmischen Absinth-Tradition und von 200 Jahren Dresdner Spirituosen-Geschichte. "Ich will alte Rezepte wiederbeleben".

Die Basis für den Gin ist immer Wacholder-Destillat, das anschließend mit Extrakten und Auszügen verfeinert und gelagert wird, erklärt Tröger. Für die Kräuter greift er vor allem auf regionale Bioprodukte zurück, er setzt seinen Gin aber auch schon mal für eine Sonderedition mit Safran, Fichtennadeln oder Lotusblüten an. Seinen Whisky lagert Tröger auf alten Akazien- oder Maulbeerfässern. Seine Spezialität: Blüten-Whiskys, wie es sie um 1900 in Dresden gab. Damals lebten in der Stadt auch Briten und US-Amerikaner. "Die haben ihre eigene Trinkkultur mitgebracht", so Tröger. Pro Jahr stellt er in der Dresdner Spirituosen-Manufaktur 1.500 bis 2.000 Flaschen Whisky, Rum, Absinth, Gin oder Wodka her.

Auch der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) beobachtet ein zunehmendes Interesse der Konsumenten an Craft-Spirituosen. "Konsumenten schätzen das Handwerk und den Traditionsgedanken im Zusammenhang mit der Herstellung von Spirituosen", sagt Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick. Viele Verbraucher legten immer mehr Wert auf Transparenz und Regionalität.

Die Tourismus-Marketing-Gesellschaft Sachsen (TMGS) listet auf einer Kulinarik-Website eine Handvoll kleine Destillerien im Freistaat auf. "Denn regionale Spezialitäten kennenzulernen und zu probieren, gehört für viele in ihrem Urlaub dazu", sagt Sprecherin Ines Nebelung. Darunter sind auch ungewöhnliche Kreationen: So wird etwa in Neukirch in der Lausitz ein Schnaps aus Zwieback gebrannt: Für das nach eigenen Angaben weltweit erste Zwiebackdestillat arbeitet die Schusterliebs-Brennerei mit der Neukircher Zwieback GmbH zusammen. Für die Herstellung wird der Zwieback gemahlen, angesetzt, gegoren und gebrannt. Dann reift der hochprozentige Tropfen in einem Steinbehälter im kühlen, dunken Keller der Brennerei.

Wenn man Aromen sehen kann

Steffen Großer, eigentlich Hotelier in Erlabrunn, hat im vergangenen Jahr den ersten erzgebirgischen Whisky auf den Markt gebracht. Schon seit mehr als 20 Jahren braut Großer eigene Biere. "Die Grundlage für Whisky ist Bierbrand, deswegen hatte ich schon lange die Idee", sagt er. Mehr als drei Jahre experimentierte er, bevor der erste Whisky auf den Markt kam. Drei Sorten - alles Single Malt - stellt Großer her. Von jeder gibt es nur etwa 300 Flaschen. Zu Beginn des neuen Jahres etwa brannte er einen rauchigen Tropfen aus Torfmalz. "Die Nachfrage ist gestiegen, gerade in der Whisky-Szene gibt es viele Sammler", sagt Großer. Er verschickt seine Flaschen zwar auch deutschlandweit, die meisten Abnehmer aber kommen aus der Region.

Das Wissen von Sebastian Tröger zur Spirituosen-Herstellung ist auch über die Grenzen von Dresden hinaus gefragt. Er reist für zahlreiche Hersteller um die Welt. "Ich liefere die Rezepte, die Forschung und mache die Gins oder Whiskys produktionsreif." Unter der Marke "Absyntheum" verkauft er rund 200 verschiedene Absinthe weltweit. In Dresden widmet er sich vor allem der Herstellung nach alter Tradition. "Den Geschichten nachzuspüren, das ist für mich das Schönste." Er selbst trinkt gern mal einen Grappa oder zu besonderen Anlässen einen Orchideen-Gin aus dem eigenen Haus. "Ich sehe Aromen. Für mich sind das Farbbilder. Darum fällt es mir auch einfach, Geschmacksmuster wieder zu beleben." (dpa)