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Blumenfabrik wird Alterssitz

Der Siegerentwurf für das neue Pflegeheim in Sebnitz steht fest. Jetzt geht es um die Finanzierung.

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© Visualisierung: AGG Seehars. Architekten

Von Dirk Schulze

Sebnitz. Eine Kombination aus Alt- und Neubau soll in Sebnitz mehr als 60 weitere Betreuungsplätze für Senioren schaffen. Das sieht der Siegerentwurf für den Umbau des früheren Verwaltungssitzes des VEB Kunstblume auf der Weberstraße vor. Sämtliche Neben- und Hintergebäude des seit Jahren leerstehenden Komplexes werden weggerissen. Einzig der Hauptteil direkt neben dem Gymnasium bleibt stehen. Soweit waren die Pläne bereits bekannt. Der Entwurf zeigt nun: An das unter Denkmalschutz stehende Haupthaus mit seiner repräsentativen Fassade wollen die Planer einen Neubau in zeitgemäßer, geradliniger Gestaltung anschließen.

Der Entwurf des Dresdner Architekturbüros Seehars hat sich in dem von der Stadt Sebnitz ausgerufenen Gutachterverfahren durchgesetzt. Drei Büros waren eingeladen, Konzepte für die Umgestaltung der alten Blumenfabrik in ein modernes Pflegeheim zu entwickeln. Der Vorschlag des Teams um Architektin Cathrin Seehars erhielt von der Jury – bestehend aus Oberbürgermeister, Vertretern von Bauamt und Denkmalschutz sowie DRK – mit Abstand die meisten Punkte.

Der neue viergeschossige Gebäudeteil ist niedriger als der bisher an dieser Stelle stehende Anbau und fügt sich laut Konzept gut in die Umgebung ein. Er bilde ein städtebauliches Bindeglied zwischen großen Bauten wie dem benachbarten Gymnasium und der auf der anderen Seite anschließenden kleinteiligen Bebauung. Vom bestehenden Altbau werden die horizontale Gliederung der Fassade und die Proportionen der Fenster übernommen. Der geplante Neubau ragt seitlich in das Nachbargrundstück hinein. Das gehört dem Landkreis und müsste noch angekauft werden.

Gemeinschaftliches Wohnen steht im Vordergrund

Verbunden sind die beiden Gebäudeteile durch einen Empfangsbereich mit Glasfassade. Hier befindet sich der Hauptzugang von der Weberstraße. Neben dem ebenerdigen Fußgängereingang ist eine Zufahrt für Pkws, Liefer- oder Rettungswagen vorgesehen. Autos können auf Stellplätzen im Sockelgeschoss parken. Auf der Fläche der ehemaligen Produktionsgebäude hinter dem Haupthaus könnte den Plänen zufolge ein Garten angelegt werden. Dort liegt tagsüber die Sonne an.

Im Inneren des Pflegeheims soll das gemeinschaftliche Wohnen im Vordergrund stehen. Es sind sechs Wohngruppen mit jeweils neun bis zwölf Plätzen geplant. Die Bewohner kochen und essen gemeinsam, verbringen wenig Zeit in ihren Zimmern. Besonderen Wert legen die Architekten auf die Aufenthaltsqualität, heißt es in dem Konzept. Die Senioren sollen sich in Sitzbereichen mit Wohnzimmerambiente wohlfühlen und über helle Flure in offene Wohnküchen spazieren. Farblich dominiert ein Mix aus warmen Gelb-, Grün- und Orangetönen, kombiniert mit naturbraunen Oberflächen in Holzoptik. Dies komme der besonderen Farbwahrnehmung älterer Menschen entgegen.

Die Gesamtkosten für den Um- und Neubau schätzt das Architekturbüro auf rund 7,9 Millionen Euro. Die müsste der künftige Betreiber des Pflegeheims aufbringen. Derzeit laufen die Gespräche mit dem DRK-Kreisverband Sebnitz. Der Träger muss den Entwurf nicht umsetzen, es handelt sich lediglich um eine Empfehlung.

Das Sebnitzer Rathaus ist parallel auf der Suche nach weiteren Fördertöpfen, um das Großprojekt zu unterstützen. Die Stadt hatte die Immobilie im vergangenen Jahr gekauft, um hier ein drittes Pflegeheim in Sebnitz zu errichten. Um den Abriss der nicht mehr benötigten Gebäudeteile kümmert sich die Stadt, bevor dann der künftige Träger des Pflegeheims übernimmt. Die Abbrucharbeiten sind bereits ausgeschrieben und sollen in der zweiten Jahreshälfte über die Bühne gehen.