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Wirtschaft

BMW eröffnet neues Werk in Mexiko

In der Fabrik will BMW künftig den Großteil der 3er-Reihe fertigen. Doch die von US-Präsident Trump angekündigten Strafzölle stellen den Konzern vor ein Problem.

Blick auf das neue BMW-Werk in San Luis Potosí in Zentralmexiko. Hier soll zukünftig ein Großteil der 3er-Reihe gefertigt werden. © BMW/dpa

Von Andrea Sosa Cabrios und Denis Düttmann

Mexiko-Stadt. In San Luis Potosí in Zentralmexiko laufen gerade die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung des neuen BMW-Werkes, als die Hiobsbotschaft aus Washington eintrifft: Weil Mexiko angeblich nicht genug gegen die illegale Migration tut, droht US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen auf alle Importe aus dem südlichen Nachbarland. Los gehen soll es mit einer fünfprozentigen Sonderabgabe. Sollte Mexiko nicht einlenken, könnten die Sonderzölle bis Oktober auf 25 Prozent steigen. "Mexiko hat die Vereinigten Staaten über Jahrzehnte ausgenutzt", meint Trump.

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Mexiko ist ein strategischer Knotenpunkt für die Automobilindustrie: Das Land liegt genau neben dem Großkunden USA, verfügt über eine geografische Schlüssellage, eine etablierte Zuliefererkette, niedrige Löhne sowie Freihandelsabkommen mit mehr als 40 Staaten. Viele ausländische Unternehmen investieren hier, zum Beispiel Volkswagen, Daimler, Toyota und General Motors. BMW eröffnet an diesem Donnerstag (6. Juni) sein neues Werk für die 3er-Serie in San Luis Potosí.

Die Münchner sind freilich nicht begeistert von dem Säbelrasseln aus dem Weißen Haus. "Die BMW Group steht für weltweiten Freihandel: Wir verfügen als Unternehmen über ein weltweites Produktionsnetzwerk und einen globalen Absatzmarkt. Zudem nutzen wir die globalen Einkaufsmärkte", heißt es in einer Mitteilung. Barrierefreier Marktzugang sei nicht nur für BMW entscheidend, "sondern auch für das Wachstum, den Wohlstand und die Beschäftigung in der gesamten globalen Wirtschaft".

Am (heutigen) Mittwoch wollten der mexikanische Außenminister Marcelo Ebrard und sein US-Kollege Mike Pompeo im Washington zusammenkommen, um nach einer Lösung zu suchen. Ebrard betonte die Dialogbereitschaft seines Landes, stellte aber auch klar: "Wir werden Mexikos Würde verteidigen."

Aus Sicht der mexikanischen Regierung wären die angedrohten Strafzölle kontraproduktiv. "Wenn die bedauernswerte Zölle wirklich verhängt werden, dürften die Migrationsströme noch zunehmen und beide Volkswirtschaften wären weniger wettbewerbsfähig", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums.

Trumps neues Drohgebaren hat die mexikanische Autoindustrie eiskalt erwischt. Nach zwei Jahren Stress wegen der Neuverhandlung des Nafta-Abkommens von 1994, das nun durch das neue Freihandelsabkommen USMCA (USA-Mexiko-Kanada-Abkommen) ersetzt werden soll, hatte sich in der Branche gerade wieder ein wenig Optimismus breitgemacht. Kürzlich nahm Trump die im Frühjahr 2018 verhängten Sonderzölle auf Stahl- und Aluminium zurück. Trump stellte Mexiko gar einen Freibrief aus, dem zufolge die Autoimporte bis zu einer gewissen Grenze von möglichen künftigen Zöllen ausgenommen sein sollten.

Der US-Präsident stört sich daran, dass die Handelsbilanz der Vereinigten Staaten seit Jahren im Minus ist. Er sieht den enormen negativen Saldo als Folge der Politik anderer Länder, die aus seiner Sicht mit unfairen Methoden ihre Exportindustrien fördern. Seine Entscheidung über angedrohte Sonderzölle auf Auto-Einfuhren aus der Europäischen Union und Japan hatte Trump Mitte Mai für ein halbes Jahr aufgeschoben. Gelingt bis November kein Kompromiss, wären besonders die deutschen Hersteller davon betroffen. Sie haben einen großen Anteil an den EU-Exporten in die USA.

Für Mexikos Autobauer und Zulieferer könnte der im November unterzeichnete USMCA-Freihandelspakt laut Branchenexperten eine gute Entwicklung bedeuten. "Falls das USMCA-Abkommen wie bislang ausgehandelt ratifiziert wird, könnte es entgegen erster Befürchtungen für neue Investitionen in der mexikanischen Kfz-Industrie sorgen", schreibt Florian Steinmeyer von der Außenwirtschaftsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI).

Bislang rechnete das lateinamerikanische Land dieses Jahr mit einer Steigerung von mindestens 3,5 Prozent bei Produktion und Verkäufen von Autos ins Ausland. Obwohl die mexikanische Pkw-Produktion 2018 um 0,6 Prozent auf 3,9 Millionen Fahrzeuge schrumpfte, überholte Mexiko vergangenes Jahr Südkorea im Ranking der größten Fahrzeugproduzenten. Damit landete Mexiko auf dem sechsten Platz, direkt hinter Deutschland. Die Exporte wuchsen 2018 um 6 Prozent, in den ersten vier Monaten dieses Jahres lag der Anstieg bei 2,8 Prozent. Damit ist Mexiko weltweit der viertgrößte Autoexporteur - und das, ohne eigene relevante Marken zu besitzen.

Für die USA ist Mexiko einer der größten Handelspartner: Die USA kaufen 68 Prozent der mexikanischen Auto-Produktion. 2018 stammte eines von drei in die USA importierten Autos aus Mexiko - das waren fast 2,7 Millionen Pkw, Pick-ups und Vans. Aus Japan importierten die USA laut US-Handelsministerium im gleichen Zeitraum 1,7 Millionen Autos, aus Deutschland 451 000. Obwohl das USMCA nun striktere Regeln vorsieht, sollten Autos aus Mexiko weiterhin bevorzugt importiert werden.

In Mexiko selbst, wo die Wirtschaft um weniger als zwei Prozent wächst, sinken die Absatzzahlen dagegen. Branchenexperten gingen allerdings davon aus, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China sich zugunsten Mexikos auswirken könnte, vor allem bei der Produktion von Autoteilen. "Andere Länder, vor allem aus Asien, sind sehr daran interessiert, zu investieren", sagte Roberto Russilde, Wirtschaftsbeauftragter des nördlichen Bundesstaates Nuevo León. Auch Eduardo Solís, Präsident der mexikanischen Vereinigung der Automobilindustrie (AMIA),war optimistisch: "Das Wichtige ist, dass Mexiko weiter wächst, das Wichtige ist, dass Mexiko weiter Investitionen anzieht."

Doch Trump hat anderes im Sinn. Er sieht sich als Retter der einst stolzen amerikanischen Autoindustrie. "Wenn sie keine Zölle zahlen wollen, werden die Firmen, die 30 Prozent unserer Autoindustrie genommen haben, Mexiko verlassen und zurück in die USA kommen", schreibt der US-Präsident auf Twitter. (dpa)

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